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Lesedauer 4 Min.

Swisscom baut Privaten Glasfaseranschlüsse für 10'000 Franken

Weil sich der Rechtsstreit um die Glasfaseranschlüsse in die Länge zieht, bietet die Swisscom privaten Haus- und Wohnungsbesitzer bald wieder Glasfaseranschlüsse im «Point to Point»-Verfahren an. Der Haken: Das Angebot kostet schnell 10'000 Franken und mehr.
Für private Haus- und Wohnungsbesitzer gibt es schon bald ein neues, aber teures, Glasfaser-Angebot
© (Quelle: Swisscom)

Die Schweiz schneidet bei den sogenannten «Fibre To The Home»-Anschlüssen (FTTH) im internationalen Vergleich schlecht ab. Ende 2021 basierte gerade mal jeder vierte Internetanschluss im Land auf der Glasfaser-Technologie. Die Swisscom hat zwar hunderttausende von Anschlüssen bereits gebaut, darf diese aufgrund eines Rechtsstreites ihren Kunden jedoch nicht freigeben. Dieser Zustand soll sich mit einem neuen Angebot bald ändern.

Ein neues und teures Angebot

Ab Anfang Januar 2023 will die Swisscom privaten Haus- oder Wohnungseigentümern, die zurzeit noch keinen Glasfaseranschluss haben, erlauben, einen solchen zu beantragen. Sind die technischen Voraussetzungen erfüllt und die Antragsteller bereit, einen Teil der Kosten selbst zu tragen, könnten sie ihren Glasfaseranschluss schneller haben, als sogar die Swisscom original geplant hatte.

Hauseigentümer, die vom neuen Angebot profitieren wollen, müssen dazu bereit sein, tief ins Portemonnaie zu greifen. Laut Swisscom liegt der Richtwert für die Selbstbeteiligung bei einem Haus mit vier Wohnungen bei gut 10'000 Franken. Dabei handelt es sich laut Sprecher Sepp Huber jedoch nicht um eine Beteiligung an den Baukosten: «Die Kostenbeteiligung durch einen Liegenschaftseigentümer umfasst nicht die Kosten für den individuellen Glasfaseranschluss, sondern ist ein Beitrag an die Mehrkosten, die durch das Vorziehen des Ausbaus am Standort für die Planung und Realisierung entstehen», sagt er laut Medienberichten. Von diesem neuen Angebot der Swisscom können laut Huber alle Liegenschaftsbesitzer profitieren, bei denen die Glasfasern schon in die Strasse gezogen wurden (sogenannte Fibre To The Streets oder FTTS-Anschlüsse). Diese Voraussetzung erfüllen laut Huber gut die Hälfte aller Internetanschlüsse.

Swisscom kehrt zu P2P-Topologie zurück

Was das neue Angebot speziell macht, ist die Rückkehr zum «Point to Point»-Verfahren (P2P) beim Bau der Anschlüsse. Eigentlich wollte die Swisscom für den weiteren Ausbau des Glasfasernetztes auf die günstigere «Point to Multipoint»-Methode (P2MP) wechseln. Dabei teilen sich mehrere Kunden von der Zentrale bis zum sogenannten Splitter die gleiche Glasfaserleitung. Während diese Option zwar weniger kostet, sinkt dabei auch die Kapazität der einzelnen Kunden. Deshalb hatten Konkurrenten wie Init7, die teilweise auf die Infrastruktur der Swisscom zurückgreifen, die Wettbewerbskommission (Weko) zum Eingreifen aufgefordert.

Die Weko gab der Konkurrenz von Swisscom recht und untersagte dem Unternehmen den Wechsel auf P2MP. Ein Entscheid, den das Bundersverwaltungsgericht (BVGer) bestätigte. Für die Swisscom bedeutet das, dass 300'000 bereits im P2MP-Verfahren gebaute Glasfaser-Anschlüsse zwar bereit wären, jedoch nicht vermarktet werden dürfen. Während die Swisscom zusammen mit der Weko versucht eine Lösung bezüglich der bereits gebauten P2MP-Anschlüsse zu finden, führt der Entscheid zumindest zur jetzigen Zeit zu einer teilweisen Rückkehr zum P2P-Verfahren.

Konkurrenz ist erfreut

Dass die Swisscom Privaten anbietet, ihre Glasfaseranschlüsse wieder im P2P-Verfahren zu bauen, freut die Konkurrenz. So sieht etwa Init7 darin eine neue Ausrichtung und kommentiert den Entscheid auf Social Media als «Erfreuliche Nachrichten».

Weko-Verfahren zieht sich hin

Die Swisscom unternimmt verschiedene Anstrengungen, um den Anforderungen von Weko und BVGer gerecht zu werden. So baut sie laut Huber bereits erstellte P2MP-Anschlüsse wieder auf die P2P-Topologie um und will auch den Ausbau von P2P weiter vorantreiben. Das Ganze sei auch ein Schritt, um einen weiteren Anstieg der im P2MP-Verfahren gebauten Anschlüsse, die dann ja doch nicht vermarktet werden können, entgegenzuwirken. Die Swisscom hat sich laut dem Sprecher im September zu diesem Schritt entschieden, da sich das Verfahren mit der Weko in die Länge ziehe. Nach wie vor bemühe sich das Unternehmen jedoch um eine rasche und einvernehmliche Lösung mit den Behörden.

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