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Lesedauer 4 Min.

Stablecoin-Boom kommt vorläufig nicht in der Schweiz an

Stablecoin-Projekte erleben in den USA dank der kryptofreundlichen Regulierung der Trump-Regierung einen Boom. In der einstigen "Krypto-Vorreiternation" Schweiz kommen solche Projekte dagegen kaum vom Fleck.
Der Kryptowährungsmarkt hat mit Turbulenzen zu kämpfen
© (Quelle: WorldSpectrum/Pixabay)

Die hiesige Blockchain-Branche schiebt dies auf ungünstige Rahmenbedingungen und hofft auf Gesetzesanpassungen.

Stablecoins ermöglichen ihren Nutzern direkte und sofortige Zahlungen untereinander auf einer Blockchain. Als Alternative zu den heutigen Zahlungsmitteln benötigen sie keine dazwischengeschalteten Banken oder Kartenunternehmen. Der Wert der Stablecoins wird dabei an eine nationale Währung gekoppelt: So entspricht ein «USDT» des grössten Stablecoin-Anbieters Tether genau einem US-Dollar.

Vor allem seit der Corona-Pandemie ist das Volumen von Stablecoins rasant gewachsen: Laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) umfasst es derzeit mehr als 250 Milliarden Dollar. Ursprünglich zur Erleichterung des Bitcoin-Handels geschaffen, sind Stablecoins besonders in Ländern mit schlechten Bankeninfrastrukturen und hoher Inflation populär - so etwa in Argentinien, Libanon oder der Türkei.

Goldgräberstimmung in USA

In den USA hat der Sektor nun mit dem «Genius-Act» (Guiding Emerging National Innovations for Unified Standards) einen umfassenden Regulierungsrahmen erhalten, der über das Land hinaus Auswirkungen haben dürfte. Am Donnerstagabend hat nach dem US-Senat auch das US-Repräsentantenhaus die Vorlage verabschiedet.

Die neue Regulierung hat in den USA bereits eine Goldgräberstimmung ausgelöst, was sich etwa an massiven Kurssprüngen beim kürzlichen Börsengang des Stablecoin-Herausgebers Circle zeigte. Auch mehrere US-Grossbanken haben eigene Stablecoin-Projekte angekündigt. Ins Geschäft eingestiegen ist etwa auch die Trump-Familie mit ihrem «World Liberty Financial USD».

Die Herausgabe von Stablecoins kann nicht zuletzt dank der Zinserträge auf den deponierten Gelder ein äusserst lukratives Geschäft sein. So hat Marktführer Tether, der alleine «USDT»-Stablecoins in Höhe von rund 160 Milliarden Dollar ausgegeben hat, laut eigenen Angaben 2024 einen Jahresgewinn von 13,7 Milliarden Dollar erzielt.

Strenge Finma-Vorgaben

In der Schweiz spielen Stablecoins dagegen nur eine Nischenrolle. Für den Branchenverband Swiss Blockchain Federation (SBF) hat dies nicht zuletzt mit der hiesigen Regulierung zu tun. Es gebe zwar einzelne Initiativen, sagt Rolf Weber, Rechtsprofessor und SBF-Vorstandsmitglied. «Diese Projekte können aktuell jedoch nicht an den Markt gebracht werden, da das rechtliche Umfeld dies derzeit nicht zulässt».

Im der Kritik steht unter anderem die Finanzmarktaufsicht Finma. So verlangt diese wegen «erhöhter Geldwäschereirisiken» von hiesigen Stablecoin-Herausgebern, die Identität sämtlicher Inhaber ihres Stablecoins zu erfassen: Damit gehe die Behörde deutlich weiter als andere Staaten, heisst es beim SBF.

Komplex und restriktiv

Bislang fehle der Schweiz eine dedizierte Stablecoin-Regulierung, sagt auch Stephan Zimmermann, Chefjurist der Zürcher Kryptobank Sygnum. «Aktuell ist das regulatorische Umfeld für Stablecoins in der Schweiz daher komplex, restriktiv und wenig innovationsfreundlich.»

Sygnum hatte 2020 einen eigenen Franken-Stablecoin (DCHF) lanciert, der aber nur für die eigenen Kunden verfügbar ist. Gleichzeitig ist die Kryptobank laut eigenen Angaben Teil eines Projekts mit UBS und PostFinance unter der Leitung der Bankiervereinigung, das eine gemeinsame Herausgabe eines «Schweizer Franken-Einlagentokens» prüft.

Neue Gesetzesvorlage

Grosse Hoffnungen setzt die Branche nun auf eine 2024 angekündigte Vorlage zur Anpassung des Finanzmarktrechts, die unter anderem einen besseren Rechtsrahmen für die Herausgabe von Stablecoins schaffen will. Der Bundesrat will dazu im Herbst 2025 eine Gesetzesvorlage präsentieren, wie das federführende Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF) bestätigt.

Die geplanten Anpassungen der Gesetzgebung deuteten auf «klare regulatorische Rahmenbedingungen, risikogerechte Pflichten zur Geldwäschereibekämpfung und klare Aufsichtsregelungen» hin, zeigt sich Sygnum-Chefjurist Zimmermann optimistisch. «Zusammen mit einer Gesetzesvorlage könnte die Finma ihre Regulierungspraxis anpassen».

Feld besetzen

Begrüsst wird die geplante Gesetzesanpassung auch bei der Swiss Stablecoin AG. Das Unternehmen bereitet seit längerem die Lancierung eines Digitalen Franken (CHFD) vor. Zwar wäre die Herausgabe auch im bestehenden Gesetzesrahmen möglich, sagt Verwaltungsratspräsidentin Pascale Bruderer. Allerdings bringe das derzeitige regulatorische Umfeld «doch erhebliche Erschwernisse und auch gewisse Einschränkungen in den Anwendungen» mit sich.

Ein digitaler Franken sei angesichts der geopolitischen Entwicklungen dringlich, zeigt sich die frühere SP-Parlamentarierin überzeugt: «Es besteht starker Konsens, dass es mit einer Schweizer Lösung das Feld zu besetzen gilt, um es nicht ausländischen Anbietern zu überlassen.»

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