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SAP tanzt in Madrid den KI-Flamenco

Auf der diesjährigen SAP-Konferenz Sapphire in der spanischen Hauptstadt wirbelte der Softwarekonzern in bester Flamenco-Manier mit zahlreichen Neuigkeiten und Ankündigungen über die Bühne. Das Tempo ist hoch und könnte die Kunden ins Schwitzen bringen. Wer hingegen ein Afficionado von KI ist, darf sich freuen. Eine Einschätzung aus neutraler Sicht.

Mit dem «Autonomous Enterprise» legt SAP auf der Sapphire in Madrid den Rhythmus für die Zukunft vor.

© Computerworld

Dass man in Walldorf mit Schlagworten und News nicht gerade sparsam ist, weiss man. Was auf der Sapphire in Madrid aber gebote wurde, übertraf die  meine Erwartungen bei weitem. Nun gut, die Sapphire ist mit Abstand das wichtigste Datum im SAP-Kalender, da darf man schon aus dem Vollen schöpfen. Schliesslich wird hier auf grosser Bühne der Takt für Partner, Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre vorgegeben.

Künstliche Intelligenz gibt den Takt an

Im schnellen, wirbelnden Flamenco-Rhythmus stimmte SAP die rund 9000 Besucher auf das Motto «Beginning of Better» ein. Die Zukunft hat dabei einen klaren Namen: Künstliche Intelligenz. Davon lässt sich derzeit praktisch alles ableiten, was im SAP-Universum entsteht. Und das ist nicht wenig. Gleichzeitig betont der Konzern, dass sämtliche Neuerungen auf den Grundlagen bestehender Anwendungen aufbauen und sich in die vorhandenen ERP-Landschaften integrieren lassen sollen.

Im Zentrum steht dabei das Konzept des «Autonomous Enterprise», also des autonomen Unternehmens. Die Idee dahinter: Menschen und KI-Agenten sollen künftig gemeinsam geschäftskritische Prozesse steuern und optimieren. Dafür kombiniert SAP seine Business Technology Platform, die Business Data Cloud sowie die eigenen KI-Funktionen in einer neuen «SAP Business AI Platform». Ziel ist eine einheitliche Umgebung, in der Daten, Prozesse und KI-Agenten orchestriert werden können.

SAP CEO Christian Klein stellte selbst die Frage: «Wird SAP in Zukunft noch eine Softwarefirma sein?» Auf die Antwort darf man gespannt sein.

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Choreographie für eine neue SAP

Es scheint derzeit, als würden zwei Herzen in der Brust von SAP schlagen. Einerseits wird betont, dass die neuen Plattformen vollständig kompatibel mit den bestehenden Anwendungen bleiben. Andererseits spricht das Unternehmen offen davon, dass sich SAP selbst in einer tiefgreifenden Transformation befindet. Die Vision ist klar: KI soll langfristig eine dominierende Rolle im Arbeitsalltag übernehmen.

Dafür baut SAP die bestehenden Geschäftsanwendungen schrittweise zu einer «SAP Autonomous Suite» aus. Diese soll künftig über 50 spezialisierte Joule-Assistenten umfassen, die Geschäftsprozesse in Bereichen wie Finanzen, Supply Chain, Beschaffung, HR oder Customer Experience weitgehend automatisiert ausführen können. Hinter den Assistenten stehen mehr als 200 spezialisierte KI-Agenten, die je nach Aufgabe orchestriert werden.

Ein konkretes Beispiel ist der neue «Autonomous Close Assistant», der den Finanzabschluss automatisieren und von mehreren Wochen auf wenige Tage verkürzen soll. KI-Agenten übernehmen dabei Abstimmungen, Fehleranalysen und die Verarbeitung von Buchungsbelegen über den gesamten Prozess hinweg.

Mit den geplanten Zukäufen von Dremio und Prior Labs soll die Business-AI-Plattform an entscheidenden Punkten ausgebaut werden, so Philipp Herzig, Chief Technology Officer von SAP.

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Erste Schritte zum autonomen Unternehmen

Um die neue Strategie zu verstehen, hilft ein Blick auf zwei Ebenen: einen produktorientierten Ansatz und eine eher anwendungsbezogene Sichtweise. Beide verfolgen letztlich dasselbe Ziel: Unternehmen mithilfe autonomer KI-Agenten und eines durchgängigen Datenfundaments schneller, effizienter und resilienter zu machen. Was auf den ersten Blick einfach klingt, entpuppt sich beim genaueren Hinsehen allerdings als anspruchsvolle Aufgabe.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die neue Benutzeroberfläche «Joule Work». Statt wie bisher durch einzelne Anwendungen und Menüs zu navigieren, sollen Anwender künftig primär mit Joule interagieren. Nutzer formulieren lediglich ein gewünschtes Ergebnis, während die KI die passenden Daten, Workflows und Agenten kombiniert. SAP verspricht damit eine grundlegend neue Form der Interaktion mit Unternehmenssoftware – inklusive proaktiver Vorschläge und automatisierter Routineaufgaben.

Gleichzeitig treibt SAP die Industrialisierung der KI-Nutzung weiter voran. Mit «Industry AI» wurden sieben branchenspezifische autonome Lösungen vorgestellt. Im Energiebereich arbeitet SAP beispielsweise gemeinsam mit RWE an Szenarien, bei denen KI-Agenten ungeplante Ausfälle von Offshore-Windturbinen analysieren, Ursachen identifizieren und automatisch passende Wartungsaufträge vorbereiten.

Auch das Partner-Ökosystem wird massiv eingebunden. SAP kündigte zahlreiche Kooperationen mit Unternehmen wie Amazon Web Services, Google Cloud, Microsoft, NVIDIA oder Anthropic an. Gleichzeitig stellt SAP einen Fonds von 100 Millionen Euro bereit, um Partner und Kunden beim Aufbau und der Implementierung von KI-Agenten zu unterstützen.

Christian Klein, CEO: «Indem wir die SAP Business AI Platform und die SAP Autonomous Suite zusammenführen, verankern wir KI-Agenten in den Geschäftsprozessen, Daten und der Unternehmenssteuerung.»

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Wer stolpert, braucht Tanzstunden

Die neue Strategie bringt zweifellos frischen Wind in den Konzern. Die Vision ist klar, die technologischen Grundlagen wirken schlüssig, und das Potenzial von KI ist unbestritten gross. Ob die Kunden allerdings bereits bereit sind, bei diesem schnellen Tanztempo mitzuhalten, bleibt offen. Viele Unternehmen kämpfen noch immer mit heterogenen Systemlandschaften, komplexen Prozessen und historisch gewachsenen ERP-Strukturen.

Gerade hier dürfte der grösste Knackpunkt liegen. Der Einsatz autonomer KI-Agenten verlangt nicht nur neue Technologien, sondern auch ein grundsätzlich anderes Verständnis von Organisation, Orchestrierung, Governance, Compliance, Security und Workforce-Management. Hinzu kommen Fragen rund um Datenqualität, regulatorische Anforderungen und die Kontrolle automatisierter Entscheidungen.

SAP versucht zwar, den Übergang möglichst pragmatisch zu gestalten. So sollen selbst bestehende SAP ECC- oder On-Premise-Kunden schrittweise Zugang zu ausgewählten KI-Szenarien erhalten. Zudem verspricht SAP, den Aufwand für ERP-Migrationen mithilfe agentengestützter Werkzeuge um mehr als 35 Prozent reduzieren zu können.

Dennoch bleibt die entscheidende Frage bestehen: Haben die Unternehmen genügend Zeit, Ressourcen und Know-how, um diesen Wandel tatsächlich mitzugehen? Um in der neuen KI-Liga mitzuhalten, dürften viele Firmen nicht um zusätzliche «Tanzstunden» herumkommen. 

Damit es nicht bei der Vision des autonomen Unternehmens bleibt, macht SAP 100 Millionen Euro für Partner locker, welche KI-Assistenten und ­Agenten entwickeln und bei den Kunden implementieren. Der Fonds steht auch Partnern zur Verfügung, die mit Joule Studio Partneragenten auf der neuen SAP Business AI Platform erweitern oder entwickeln.

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Künstliche Intelligenz (KI) SAP Schweiz ERP
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