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SAP-Anwender fordern Wahlfreiheit und klaren Nutzen

Zum Auftakt des DSAG-Jahreskongresses in Köln fordert die Anwendergruppe selbstbestimmte Transformationswege und überprüfbaren Nutzen. SAP soll Innovationen auch für On-Premises-Kunden öffnen und Kosten sowie Abhängigkeiten transparent machen.

In provozierender Wildwest-Manier fordert die DSAG: Unternehmen sollen Richtung und Tempo ihrer SAP-Transformation selbst bestimmen können.

© DSAG

Unternehmen müssen ihre eigenen Vorstellungen von Digitalisierung umsetzen können – mit einem Betriebsmodell und einem Tempo, das zu ihnen passt. Diese Forderung prägt den 27. Jahreskongress der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG), der vom 6. bis 8. Oktober in Köln stattfindet. Unter dem Motto «Claim Your Ground. Lead Your Business.» stellt die DSAG Wirtschaftlichkeit, Wahlfreiheit und Planungssicherheit ins Zentrum. Viele Unternehmen müssen gleichzeitig S/4HANA-Migrationen, Cloud-Projekte und KI-Vorhaben bewältigen und dabei den laufenden Betrieb sichern.

Cloud und On-Premises brauchen Perspektiven

DSAG-Vorstandsvorsitzender Jens Hungershausen unterstützt die Weiterentwicklung der SAP-Landschaften, verlangt aber unterschiedliche Wege für unterschiedliche Ausgangslagen. «Cloud ist die Zukunft. Klar ist aber auch, dass jedes Unternehmen seinen Weg zu S/4HANA selbst bestimmen muss. SAP muss akzeptieren, dass On-Premises und hybride Architekturen die aktuelle Realität sind», betont er in der Mitteilung zum Kongressauftakt. Die Zahlen des DSAG-Investitionsreports 2026 unterstreichen diese Position: 56 Prozent der Befragten nutzen S/4HANA On-Premises; 42 Prozent planen für 2026 hohe oder mittlere Investitionen in dieses Betriebsmodell. Der Report basiert auf einer Befragung von 198 Ansprechpersonen aus Mitgliedsunternehmen zwischen Dezember 2025 und Januar 2026, vorwiegend aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. 

Das Ende der ECC-Standardwartung zum 31. Dezember 2027 erhöht den Migrationsdruck. Dennoch müssen Unternehmen ihre Umstellung in realistischen Etappen planen können. Die DSAG fordert deshalb flexible Übergänge und Investitionsschutz. Wesentliche Innovationen sollen auch On-Premises-Kunden erreichen und nicht ausschliesslich an kommerzielle Cloud-Verträge gebunden sein. Die angekündigten ausgewählten KI-Szenarien für ECC- und S/4HANA-On-Premises-Kunden im Rahmen von RISE oder GROW bewertet der Verband als ersten Schritt.

Jens Hungershausen, Vorsitzender des DSAG-Vorstands, wünscht sich, dass SAP die KI-Möglichkeiten auch für die On-Premise-Anwender zur Verfügung stellt.

© Computerworld
KI-Visionen müssen den Praxistest bestehen

Mit dem «Autonomous Enterprise» verfolgt SAP die Vision, Geschäftsprozesse durch intelligente Agenten weitgehend selbstständig steuern zu lassen. Die DSAG sieht darin Potenzial, verlangt aber Belege für den tatsächlichen Nutzen. «Zwischen Vision, verfügbaren Lösungen und tatsächlichem Kundennutzen besteht jedoch noch eine Lücke», sagt Hungershausen.
Im Investitionsreport gaben 43 Prozent der Befragten an, bereits KI-Anwendungsfälle umgesetzt zu haben; überwiegend kommen dabei Non-SAP-Lösungen zum Einsatz. Die Erhebung bildet allerdings den Stand vor den späteren Sapphire-Ankündigungen ab. Für Joule Work und Joule Work Desktop fehlen laut DSAG bislang belastbare Kundenerfahrungen. SAP müsse Verfügbarkeit, Einsatzvoraussetzungen und Unterschiede zu bestehenden Angeboten verständlicher erklären.
Positiv bewertet die DSAG die Migration und Modernization Assistants, die ECC-Migrationen und S/4HANA-Upgrades erleichtern sollen. Auch hier fehlen dem Verband noch Kundenberichte für eine belastbare Bewertung. Er fordert einen möglichst kostengünstigen Zugang, ohne zwingend weitere Werkzeuge wie Signavio oder Tricentis einsetzen zu müssen, sowie nachweisbare Einsparungen.

Daten, Schnittstellen und Verträge entscheiden mit

Für den KI-Einsatz reicht die Verfügbarkeit neuer Funktionen nicht aus. Unternehmen brauchen klare Regeln für Datenzugriff, Nutzungsrechte, Governance, Sicherheit und Kosten. Die neue SAP API Policy wirft deshalb auch Fragen zur langfristigen Unterstützung von Integrationen auf. Referenzarchitekturen und technische Erläuterungen müssen aus DSAG-Sicht durch verlässliche vertragliche Vereinbarungen ergänzt werden.
Ebenso entscheidend ist die Datenbasis. Die SAP Business Data Cloud muss bestehende Landschaften vereinfachen und SAP- mit Non-SAP-Daten verbinden. Die DSAG verlangt transparente Lizenzmodelle und nachvollziehbare technische wie wirtschaftliche Abhängigkeiten. Zugleich nimmt sie die Anwender in die Pflicht: Diese müssen Datenqualität, Prozesse, Zuständigkeiten und Zielarchitekturen aktiv gestalten. Neue Lösungen sollen die Komplexität verringern und den Integrationsaufwand beherrschbar halten.

«Kunden wollen KI im ERP – jetzt, heute und schnell», so Thomas Pfiester, Head of Customer Engagement & Adoption bei SAP.

© Computerworld
Verantwortlichkeiten und Umsetzung im Fokus

Die DSAG fordert eine klarere Aufgabenverteilung im Ökosystem: SAP soll verlässliche, wirtschaftlich nachvollziehbare und integrierbare Angebote liefern. Partner sollen Umsetzung, Integration und Betrieb absichern. Anwenderunternehmen müssen ihre Prioritäten festlegen und die organisatorischen Voraussetzungen schaffen. Transformation soll so planbar werden, ohne die Unternehmen durch parallele Projekte zu überfordern.
Praxisberichte ergänzen diese Forderungen im Kongressprogramm mit sechs Keynotes und knapp 360 Vorträgen. Die Städtischen Werke Magdeburg bringen Erfahrungen aus ihrer S/4HANA-Transformation ein. Für den 7. Oktober sind ein Bericht von POLIPOL zum Wechsel in die Private Cloud und ein Sonderprogramm zu Herausforderungen nach dem Cloud-Vertragsabschluss vorgesehen. Am 8. Oktober sollen Hungershausen und SAP-CEO Christian Klein über KI, Transformationsprioritäten und die Zusammenarbeit sprechen. Dabei steht die Frage im Raum, wie SAP seine Innovationsstrategie mit den unterschiedlichen Voraussetzungen und Investitionsmöglichkeiten der Kunden vereinbaren will.

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