Innovation beginnt beim Geschäftsprozess
Business steht im Vordergrund
In klassischen Softwareprojekten werden Anforderungen häufig zunächst dokumentiert und anschliessend technisch umgesetzt. Erst gegen Ende eines Projekts zeigt sich, ob die entwickelte Lösung den Erwartungen der späteren Anwender tatsächlich entspricht. Änderungswünsche führen dann nicht selten zu Verzögerungen und zusätzlichem Aufwand.
Das SAP AppHaus verfolgt einen anderen Ansatz. Ausgangspunkt ist nicht die Technologie, sondern eine konkrete geschäftliche Fragestellung. Gemeinsam analysieren Fachbereiche, IT und UX-Spezialisten bestehende Arbeitsabläufe, identifizieren Verbesserungspotenziale und entwickeln erste Lösungsansätze. Erst danach wird entschieden, welche Technologien für die Umsetzung geeignet sind. Der Fokus liegt dabei auf der nutzerzentrierten Entwicklung. Lösungen sollen sich möglichst eng an den tatsächlichen Arbeitsprozessen orientieren und dadurch eine hohe Akzeptanz im späteren Betrieb erreichen.
Von der Idee zum Prototyp
Ein wesentlicher Bestandteil des AppHaus-Konzepts ist die Entwicklung von Prototypen in einem frühen Projektstadium. Statt lange Spezifikationen zu erstellen, entstehen innerhalb kurzer Zeit erste Modelle, die unmittelbar mit den späteren Anwendern getestet werden können. Dadurch lassen sich Funktionen, Benutzerführung und Prozessabläufe früh überprüfen und bei Bedarf anpassen. Unternehmen erhalten bereits nach kurzer Zeit eine belastbare Einschätzung darüber, ob eine Idee den gewünschten Mehrwert bietet oder weiterentwickelt werden muss. Dieser iterative Ansatz reduziert das Risiko kostspieliger Fehlentwicklungen und verkürzt gleichzeitig die Zeit bis zu ersten verwertbaren Ergebnissen.
Business und IT arbeiten gemeinsam
Digitalisierungsprojekte betreffen heute meist mehrere Unternehmensbereiche gleichzeitig. Entsprechend wichtig wird die Zusammenarbeit zwischen Fachabteilungen und IT. Im AppHaus arbeiten deshalb Prozessverantwortliche, Anwender, Entwickler und UX-Experten gemeinsam an einer Lösung. Fachbereiche bringen ihre Anforderungen und Erfahrungen aus dem operativen Betrieb ein, während die technische Umsetzung bereits parallel mitgedacht wird. Gerade bei KI-Projekten gewinnt dieser interdisziplinäre Ansatz an Bedeutung. Denn intelligente Anwendungen benötigen nicht nur geeignete Algorithmen, sondern vor allem ein tiefes Verständnis der zugrunde liegenden Geschäftsprozesse und der verfügbaren Daten.
Business AI in der Praxis
Mit der zunehmenden Verbreitung von Business AI erweitert sich auch das Einsatzspektrum des AppHaus. Unternehmen möchten heute KI nicht isoliert einsetzen, sondern direkt in bestehende Geschäftsprozesse integrieren. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen wie die Automatisierung wiederkehrender Tätigkeiten, die Unterstützung von Mitarbeitenden bei Entscheidungen oder die Entwicklung intelligenter Assistenzfunktionen. Gleichzeitig lassen sich neue Konzepte zunächst prototypisch entwickeln und gemeinsam mit den Fachbereichen bewerten, bevor sie produktiv umgesetzt werden. Durch dieses Vorgehen können Unternehmen den tatsächlichen Nutzen neuer KI-Anwendungen frühzeitig beurteilen und ihre Weiterentwicklung gezielt steuern.
Benutzerfreundlichkeit als Erfolgsfaktor
Neben den Geschäftsprozessen steht auch die Benutzeroberfläche im Fokus. Viele Unternehmensanwendungen sind historisch gewachsen und orientieren sich stärker an Datenstrukturen als an den täglichen Arbeitsabläufen der Mitarbeitenden. Im AppHaus werden Anwendungen deshalb konsequent aus Sicht der Nutzer entwickelt. Ziel ist es, Prozesse möglichst einfach, intuitiv und effizient abzubilden. Eine hohe Benutzerakzeptanz wird damit bereits während der Entwicklung berücksichtigt und nicht erst nach der Einführung.
Das AppHaus wird häufig mit kreativen Workshop-Formaten in Verbindung gebracht. Tatsächlich handelt es sich jedoch weniger um einen physischen Innovationsraum als um eine standardisierte Methode zur Entwicklung neuer Geschäftslösungen. Kurze Entwicklungszyklen, frühes Nutzerfeedback und die enge Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen ermöglichen es, Ideen systematisch weiterzuentwickeln und Risiken frühzeitig zu erkennen. Innovation entsteht dadurch nicht zufällig, sondern als strukturierter Prozess.
Das Business nicht aus den Augen verlieren: Zusammen mit dem SAP-Partner AGILITA entwickelte Securiton im Rahmen eines SAP-AppHaus-Workshop einen vielversprechenden Prototypen.
SecuritonKI-gestütztes Lifecycle-Management bei Securiton
Im Rahmen eines SAP-AppHaus-Workshops entwickelte Securiton gemeinsam mit AGILITA einen KI-gestützten Prototypen zur Unterstützung des Lifecycle-Managements von Sicherheitssystemen. Ziel ist es, den gesamten Prozess von der Identifikation veralteter Anlagen bis zur Aktualisierung von Kundenverträgen effizienter zu gestalten. Im Fokus stehen dabei insbesondere der Austausch von Geräten, die Anpassung von Wartungsverträgen sowie die Koordination zwischen Vertrieb, Kundendienst, Servicetechnik und Backoffice. Auf die Frage, wie schwierig es sei, im Unternehmen einfache, aber nützliche Use Cases zu identifizieren, antwortete Hansjürg Inniger, Leader Digitalization (CDO) and Information Technology (CIO) bei Securiton AG: «Zentral ist es, kritisch zu hinterfragen, was mit der Anwendung von KI in diesem Use Case dann besser ist? Bin ich schneller? Ist das Resultat qualitativ besser? Ist es weniger fehleranfällig? Und wie oft von wie vielen Leuten kann diese Verbesserung umgesetzt werden? Diese Fragen müssen in einem pragmatischen Ansatz geklärt sein. Entschieden wird im Team, Abteilung, Bereich, Firma, je nach Tragweite vom Use Case.» Der bei Securiton entwickelte KI-Assistent analysiert bestehende Verträge und Anlagendaten, erkennt Änderungsbedarf und erstellt standardisierte Handlungsempfehlungen. Dazu prüft er die Vollständigkeit und Plausibilität von Informationen, vergleicht bestehende mit aktualisierten Vertragsdaten, bewertet finanzielle Auswirkungen und schlägt passende Tickettypen inklusive vorausgefüllter Informationen vor. Die finale Entscheidung verbleibt dabei stets beim Menschen.
Langfristig soll der Prototyp zu einer produktiven Lösung weiterentwickelt und auf weitere Anwendungsfälle übertragen werden. Es sei durchaus denkbar, dass man mit den gemachten Erfahrungen weitere Use-Cases anpacke, so Inniger: «Die Erfahrungen mit dem SAP AppHouse waren positiv. Wir arbeiten an der Umsetzung des am höchsten priorisierten Use Case. Ob wir einen weiteren AppHouse Workshop machen ist noch offen, da wir zuerst die Top-3-Use-Cases prüfen und vertiefen wollen.»