30.05.2005, 11:27 Uhr

Bildgebende Nanoröhrchen

Motorola will heutige Flachbildschirme durch eine Display-Technik ablösen, die auf Nanoröhrchen aus Kohlenstoff beruht. von Catharina Bujnoch
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NED-Bildschirme sollen künftig HDTV-taugliche Auflösung liefern
Motorolas Ingenieure haben den Prototypen ihrer «Nano-Emissive Display (NED)»-Technik vorgestellt, die auf Nano-strukturen aufbaut. Die bildschaffenden Elektronen werden dabei durch Nanoröhrchen aus Kohlenstoff gejagt - im Prinzip wie bei konventionellen Kathodenstrahlröhren. Doch das Material aus Kohlenstoffatomen in Sechseck-Gitterstrukturen hat viele Vorteile: Der Display sei auch bei Tageslicht gut lesbar, heisst es, er lasse sich aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten, arbeite so schnell wie sein Kathodenstrahlvorläufer und erziele nahezu dieselbe
Farbqualität. Später sollen die Nanoröhrchen sogar deutlich billiger zu fertigen sein.
Den Ingenieuren im Labor gab vor allem ein Problem des Herstellungsverfahrens zu knobeln: nämlich die Frage, wie sich die Röhrchen präzise ausrichten lassen. Motorola löst das Problem, indem sie die Nanoröhrchen auf einer Glasfläche lotrecht hochzüchtet, wobei ein Katalysator für die exakte Positionierung sorgt. Diese Methode unterscheidet sich von denen anderer Forscher, die ihre Nanoröhrchen mittels einer Art Leim einbetten. Dabei können jedoch erstens schädliche Partikel entstehen, zweitens hapert es oft an der Präzision.
Der Prototyp aus dem Motorola-Labor hat eine Bilddiagonale von 12,7 cm und erreicht eine Auflösung von 1280 mal 720 Pixel - gerade genug Leistung für einen HDTV-Monitor (High-Definition TV). In absehbarer Zukunft lägen sogar 1920 mal 1080 Pixel drin, verspricht Motorola. Die Amerikaner werden die Hardware nicht selbst fertigen, sondern an Lizenznehmer delegieren. Wenn die sich sputen, könnten die ersten Zuschauer schon in zwei Jahren in die NED-Röhre glotzen. Denn die Umrüstung einer LCD-Fertigungsstrasse auf NED erfordere den Austausch etwa der Hälfte der Maschinen, in einer Plasma-Fabrik können sogar rund drei Viertel der Maschinen zur Produktion genutzt werden.


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