AI Zurich 2020 03.04.2020, 12:49 Uhr

Schweizer KI-Community trifft sich im Netz

Die zweite Ausgabe der KI-Konferenz AI Zurich hat 450 Teilnehmer zusammengeführt. Dieses Jahr wegen der Corona-Krise allerdings virtuell im Web. Dadurch ergaben sich auch Vorteile.
(Quelle: AI Zurich)
Letzte Woche ist die zweite AI Zurich zu Ende gegangen. Aufgrund der Corona-Krise fand der Event, der über KI-Trends im Business informiert, auf der virtuellen Bühne im Web statt. Mit Unterstützung aus der heimischen Tech-Branche und des Event-Partners Aiaibot zogen die Gastgeberin Sophie Hundertmark und der Gastgeber Mischa Stähli innerhalb weniger Tage eine Online-Konferenz auf.
Dafür verwandelten die beiden beim Partner Aiaibot den Empfangsbereich in ein TV-Studio, von wo aus die beiden die Gäste durch das Programm begleiteten, anschliessend die Keynotes zusammenfassten und immer wieder auf das Feedback sowie auf das ein oder andere technische Problem der 450 virtuellen Besucher im Chat eingingen.

Keynotes online 

Auch die Referentinnen und Keynote-Speaker zogen mit und zeichneten Vorträge im Vorfeld auf Video auf. Die Beiträge wurden gemäss Zeitplan pünktlich von den Gastgebern aufgeschaltet und praktischerweise auf Youtube aufgezeichnet. Das bietet den Vorteil, dass man sich die Vorträge nochmals auf dem Youtube-Kanal der Konferenz anschauen kann.
Für die Praxisworkshops wählten sich die Gäste im jeweiligen Kurs auf der von Tech-Partner Avaya bereitgestellten Plattform ein. Dort wurden sie begrüsst von KI-Fachleuten verschiedener Unternehmen und Organisationen, erhielten Einblicke in KI-Projekte aus der Praxis und konnten Fragen stellen. Zwischen 50 und 100 Teilnehmenden besuchten jeweils die Workshops, die (gemäss Stichproben der Redaktion) reibungslos abliefen.
Wem das noch nicht genügte, konnte sich über die von Platin-Partner BSI (weiterer Platin-Partner war Oracle) bereitgestellte KI-Matching-Plattform mit Gleichgesinnten vernetzen lassen und seine noch offenen Fragen vertieft debattieren.

Beispiele aus der KI-Praxis

Ein Beispiel aus der Praxis bot beispielsweise der IT-Dienstleister ti&m. Pascal Wyss, Head AI bei ti&m, erläuterte anhand eines Use Cases, wie man künstliche Intelligenz respektive Machine Learning sinnvoll einsetzt.
Der Schlüssel zur Lösung sei ein iteratives Vorgehen. Man müsse ausprobieren und Ideen wieder verwerfen, betonte Wyss zu Beginn. Für den Kunden SAM – eine Tochter von S+P Global – entwickelte ti&m ein Assistenzsystem für die Analysten der Firma.
Das Analystenhaus untersucht rund 7000 Unternehmen auf Nachhaltigkeit. Auf Basis der Bewertung werden Indizes entwickelt, in die Vermögensverwalter investieren. Dafür müssen rund 600 Fragen beantwortet werden.

Entlastung von Mitarbeitenden

Ein Beispiel ist die Korruption, die meist im Code of Conduct einer Firma geregelt ist. Was darin steht, muss von den SAM-Analysten erst nachgelesen werden. Alle Aktionen halten sie in Kommentarfeldern fest. Eine repetitive und zeitintensive Arbeit, aber auch personalintensiv und technisch kaum skalierbar. Zusätzlich sind die zu analysierenden Dokumente unterschiedlich strukturiert – je nach Layout des Berichts oder nach Ausführlichkeit der Inhalte.
Das von ti&m entwickelte Machine-Learning-System, das in Azure betrieben wird, ist in die Lösung der SAM-Mitarbeitenden integriert. Die Analysten sehen eine Oberfläche mit dem Fragebogen. Rechts davon werden von dem Machine-Learning-System markierte Textstellen angezeigt. Sind diese korrekt, kann man das bestätigen. Dadurch lernt das Modell wieder hinzu und wird im Laufe der Zeit besser. Das spart in der Praxis enorm viel Zeit.

Wenn die KI kreativ wird

Wie kreativ künstliche Intelligenz sein kann, zeigte Dennis Lück, Chief Creative Officer bei der Kommunikationsagentur Jung von Matt/Limmat.
Geholfen haben ihm Jung von Matt Tech, Jung von Matt Limmat sowie BSI Studio. Die Firma entwickelte die Software für die Keynote-KI. Das System wurde mit unzähligen Artikeln, Videos, Reden und Studien zum Thema künstliche Intelligenz gefüttert. Anschliessend entwickelte Lück mit dem Team zwei Verhaltenstypen. Einmal für den Freigeist Lisa und anschliessend für den eher skeptischen Unternehmer Thomas.
Für Lisa generierte die KI eine Präsentation über das schöpferische Potenzial künstlicher Intelligenz. Unterstrichen wurde die These durch Beispiele aus den Bereichen bildende Künste, Filme und Musik. Grafisch war die Präsentation auf einem blauen Hintergrund und mit animierten Inhalten aufgebaut.
5 Merkmale, die eine KI besitzen muss, um künstlerisch tätig zu werden:
  • KI muss in der Lage sein zu lernen, um seine Fähigkeiten zu verbessern
  • KI muss ein eigenes künstlerisches Schaffen und das anderer Künstler beurteilen können
  • KI sollte in der Lage sein, komplett Neues schaffen zu können
  • KI sollte nicht dem menschlichen Willen unterworfen sein, sondern auf Augenhöhe mit Menschen interagieren
Kunst kann nicht ohne sozialen Kontext geschaffen werden. Die KI muss deshalb auch in der Lage sein, auf die künstlerische Produktion als Inspirationsquelle zuzugreifen.

KI erstellt Keynote für Business-Entscheider

Die zweite Keynote galt Thomas: Der Unternehmer, hält KI für ein Buzzwod, hasst Überraschungen, ist stur aber erfolgreich. Für Thomas kreierte die KI eine ganz andere Keynote – mit nachtschwarzem Hintergrund. Die KI hielt sich bei Thomas auch nicht lange mit philosophischen Überlegungen auf.
Vielmehr legte sie gleich los und startete mit der magischen Zahl 7: Sieben Möglichkeiten, mit denen KI das Business unterstützt. Konkret ging es um Customer Service, IT-Security, Business Management, Finanzen und Buchhaltung, Human Resources, technische Verfahren, Marketing und Verkauf.
Interessant daran war, dass die KI bei ihren Beispielen mit Zahlen aus Studien den Nutzwert belegen konnte. Alles Informationen, die für Business-Entscheider relevant sind.

Fazit

Lück wies in seinem Fazit darauf hin, dass eine KI den Vorteil bietet, vor einem Produktlaunch unzählige Male anhand von Personas testen zu können, ob die entwickelten Ideen den Kundengeschmack treffen.
Für Lück ist klar: «Eine KI kann kreativ tätig sein. Aber noch besser ist sie, wenn sie Hand in Hand mit Menschen arbeitet nach dem Prinzip Augmented Human Creativity.»


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