HSLU 30.09.2020, 09:43 Uhr

Luzerner Forscher brauen erstes KI-Bier

Ein Forschungsteam der Hochschule Luzern hat zusammen mit den Zentralschweizer Unternehmen Jaywalker Digital und MNBrew das erste KI-basierte Bier der Schweiz entwickelt.
Marc Bravin von der Hochschule Luzern, Kevin Kuhn von Jaywalker Digital und Adrian Minnig von MNBrew bei der Degustation des ersten KI-Biers der Schweiz, Deeper (v.l.n.r.)
(Quelle: HSLU )
Kürzlich konnten Mitglieder eines interdisziplinären Forschungsteams der Hochschule Luzern (HSLU) mit «Deeper» anstossen, dem schweizweit ersten von einer Künstlichen Intelligenz (KI) kreierten Bier. Das Hopfen-lastige Indian Pale Ale mit Zitrus-Note ist das Produkt eines gemeinsamen Forschungsprojekts der HSLU, der Rothenburger Mikrobrauerei MNBrew und des Luzerner Softwareunternehmens Jaywalker Digital.

157'000 Rezepte auf Muster durchsucht

Als digitale Braumeisterin beim Projekt fungierte die KI-Applikation «Brauer AI» (ausgesprochen als «Brauerei»). Entwickelt hat sie das Algorithmic Business Research Lab, eine auf KI-Anwendungen spezialisierte Forschungsgruppe am Departement Informatik der HSLU. Die Vorschläge der «Brauer AI» basieren auf einer Datenbank mit 157'000 internationalen Bierrezepten. Mit Hilfe sogenannter neuronaler Netze sucht die KI in diesen Rezepturen nach Mustern und leitet daraus ihre eigenen Kreationen ab.
«Für Brauereien ist es angesichts hunderttausender Rezepte enorm schwierig, den Überblick zu behalten», erklärt Marc Bravin, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Lab. «‹Brauer AI› kann sich diesen Überblick nicht nur viel schneller verschaffen als ein Mensch, sondern auch Vorschläge liefern für ein wirklich noch nie dagewesenes Bier», fügt er an.
Dazu muss zuerst der Bierstil festgelegt werden  – Indian Pale Ale, Weizen, Amber etc. Diesen gibt entweder ein Mensch vor oder die KI wählt ihn zufällig. Aufgrund des Stils schlägt «Brauer AI» dann eine Liste von Malzsorten und deren Anteil am Sud vor. Als nächstes folgen Vorschläge für passende Hopfensorten und deren Kochzeiten.

Mensch kontrolliert «Trinkbarkeit»

Jedes KI-generierte Rezept wird vor dem Brauvorgang von einem menschlichen Braumeister mit seinem Fachwissen auf Tauglichkeit überprüft und wo nötig angepasst. Denn: «Das originellste Bier der Welt ist nichts wert, wenn es niemand trinken möchte», sagt Adrian Minnig, der Brauexperte von MNBrew. «Deeper» dürfte seiner Einschätzung nach aber auf breiten Anklang stossen. «Sehr spannend und sehr fruchtig», so Minnigs Fazit.
Der Brauer sieht die KI als Chance, neue und spannende Kombinationen zu testen, auf die er von alleine nicht gekommen wäre. «Der Schweizer Biermarkt ist sehr dynamisch», sagt Minnig. «Eine KI als Inspirationsquelle bietet uns einen willkommenen Innovationsvorsprung.» Auch Kevin Kuhn von Jaywalker Digital und KI-Forscher Bravin betonen, dass es nicht darum geht, mit «Brauer AI» den Menschen aus dem Brauprozess auszuschliessen. Im Gegenteil: «Die besten Ergebnisse erzielen Mensch und Maschine gemeinsam.»


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