Mit Künstlicher Intelligenz gegen den Dauer-Stau

System stösst auf Interesse

Für jeden Einzelnen eine optimale und dabei die Pläne Anderer nicht «gefährdende» Route zu erarbeiten, erfordert enorme Rechenleistung. «Wir haben das mittlerweile an externe Dienstleister vergeben», so Heise.
Das Ergebnis zweier Simulationen für Berlin und Peking wirft er auf einen anderen Schirm: Ohne dynamische Führung sammeln sich Autos alsbald an neuralgischen Punkten auf der digitalen Karte – bei Nutzung weniger Hauptstrecken passiert das selbst in einer Megacity vergleichsweise rasch. Mit der KI in der Hinterhand ergeben sich dagegen deutlich weniger rote «Flaschenhälse» in der Animation.
Das «collaborative routing» stösst bei privaten wie staatlichen Kunden auf Interesse. Unter anderem verwenden die Messen Köln und Hannover, der Paketdienst Hermes, die Post in Österreich, die Stadt Salzburg, Busfirmen und Lieferservices oder die Verkehrsmanagement-Zentrale (VMZ) in Hannover die Systeme von Graphmasters. Letztere nutzt die Routenempfehlungen auch zu Anreise- und Parksteuerung bei Grossevents.
«Inzwischen sind wir so in der Lage, die Verkehre dahin zu lenken, wo wir sie haben wollen», sagt Holger Heuer aus der VMZ. Er ist dort mit weiteren Angestellten und Beamten aus der Region Hannover sowie dem Wirtschafts- und Innenministerium Niedersachsen für die Koordination zuständig. «Auch weil wir Meldestelle für den Verkehrswarndienst sind, ist es gut, mit dem System arbeiten zu können.»
Dieses sei vor allem bei Ausstellungen oder Konzerten nützlich. «Der Vorteil im Vergleich zum normalen Navi ist, dass wir aktive Korridore einrichten können», sagt Heuer. So liessen sich Besucher gezielt zu Park-and-Ride-Flächen ausserhalb des Zentrums lenken. «Bei Rammstein und Phil Collins war alles ausverkauft. Aber einige Gäste erzählten, sie hätten gar nicht gemerkt, dass noch Tausende andere unterwegs waren.» Bei der Agrartechnikmesse Agritechnica seien Busladungen aus ganz Deutschland relativ geräuschlos zum und vom Gelände gekommen.

Zukunftsträchtig

Der ADAC hält «kollektiv gekoppeltes Routing» für zukunftsträchtig. «Oft sind ja auch Umleitungen überlastet», meint Felix Kaufmann, Sprecher für Technik und Umwelt bei dem Autoclub, mit Blick auf die Ferien-Staulage.
Systeme wie NUNAV sollten zudem noch mehr mit der Infrastruktur («Car-to-X-Kommunikation») wie Ampelsteuerungen zusammengebracht werden. «Das Ziel ist es, den Verkehr im gesamten Strassennetz zu verflüssigen. Und wenn das Netz leistungsfähiger ist, gibt es weniger Staus und Emissionen und mehr Verkehrssicherheit.»
Auch in der Logistik hat sich die Technik herumgesprochen – zumal Faktoren wie Höhenbegrenzungen oder Einfahrbeschränkungen von der KI berücksichtigt werden. Bei der Tourenplanung zähle oft jede Sekunde, sagt Carsten Hansen vom Bundesverband Paket und Expresslogistik. Dynamisches Routing könne die Effizienz und Sicherheit erhöhen: «Das bekommt man hin, wenn man im Idealfall auch die Beladung der Fahrzeuge mit der Navigation und zur Auslieferung mit den Endgeräten der Zusteller koppelt.»
Am Ende liessen sich Wege einsparen – was manchen vom Lieferverkehr belasteten Innenstädter freuen dürfte.


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