3D-Modell mit Radaraufnahmen 15.06.2020, 10:35 Uhr

Archäologie ohne Schaufeln

Archäologen erkunden derzeit eine antike Stadt bei Rom ohne dabei das Erdreich umzugraben. Vielmehr erstellen sie ein 3D-Modell aus Aufnahmen mit einem Bodenradar.
Die «Ausgrabungsstätte» Falerii Novi bei Rom von oben
(Quelle: Lieven Verdonck/Uni Gent )
Archäologen haben in der Nähe von Rom erstmals mit Hilfe eines Bodenradars ein 3D-Modell einer antiken Stadt erstellt. Dabei ist es gelungen, neue Erkenntnisse über den Städtebau und die Architektur der damaligen Zeit zu gewinnen.
Studienautor Martin Millett schreibt in der Fachzeitschrift «Antiquity» von einer Premiere: Zum ersten Mal seit mit einem Bodenradar eine ganze Stadt kartiert worden, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Es sei «ein fantastisches, hochauflösendes Bild» entstanden. Die Stadt Falerii Novi, deren Gründung auf das Jahr 241 vor Christus datiert wird, war bis zum frühen Mittelalter bewohnt und ist seit Jahrhunderten unter der Erde begraben.

Quad mit Bodenradar

Die Archäologen der Universitäten Cambridge und Gent verzichteten auf Ausgrabungen. Stattdessen nutzten sie Satellitentechnik und einen an einem Quad befestigten Bodenradar. Auf diese Weise enthüllten sie mehrere Tempel, Verwaltungsgebäude, einen Badekomplex sowie einen Säulengang, der offenbar als Denkmal fungierte.
Lieven Verdonck von der Universität Gent vor dem Quad mit Bodenradar, mit dem er die antike Stadt Falerii Novi erkundet
Quelle: Frank Vermeulen
Zwar sei Falerii Novi viel kleiner gewesen als Rom, aber der Aufbau der Stadt sei «ausgeklügelter gewesen als man es in einer kleinen Stadt erwarten würde», schrieben die Archäologen. Sie verwiesen unter anderem auf ein komplexes System von Wasserleitungen.
Bodenradare könnten auch an anderen antiken Stätten eingesetzt werden, um in der Erde verborgene Strukturen ohne Ausgrabungen sichtbar zu machen, sagte Millett. Die Auswertung der in Falerii Novi gesammelten Daten wird nach Angaben der Forscher noch Monate dauern.


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