Digitalisierung 12.12.2017, 14:30 Uhr

Bei Schweizer Vermögensverwalter harzt der technologische Wandel

Der Einbindung neuer Technologien stehen Schweizer Vermögensverwalter eher skeptisch gegenüber – im Gegensatz zur internationalen Konkurrenz, wie eine Studie zeigt.
Mittlerweile hat die Digitalisierung auch im Vermögensverwaltungsgeschäft Einzug gehalten. Start-ups bieten etwa Dienste mit Robo-Beratern an, die das Portfoliomanagement der traditionellen Bank übernehmen. Auch internationale Banken sind mittlerweile auf diesen Zug aufgesprungen. Der Robo-Advisor der Danske Bank etwa, berät mittlerweile mehr als 11'000 Kunden des Finanzinstituts.

Schweizer Vermögensverwalter tun sich aber offenbar mit dem Wandel schwer, wie eine Studie des Beratungsunternehmens Ernst & Young zeigt. Den Erkenntnissen aus der Studie zufolge, hat bisher jeder sechste Schweizer Vermögensverwalter noch keine Schritte im Hinblick auf die digitale Transformation unternommen. Die Hälfte aller Unternehmen sei zwar dabei, eine Digitalstrategie zu entwickeln, aber nur knapp ein Drittel habe eine solche bereits im Einsatz.

Robo-Berater nur bei wenigen ein Thema

Die Zahlen zeigen zudem auf, dass Schweizer Vermögensverwalter bei der möglichen Anwendung von Robo-Advice einen Trend verschlafen. Denn gemäss der Untersuchung sind 70 Prozent der sehr vermögenden Kunden (High Net Worth Clients) bereit, Robo-Advice für die Verwaltung ihrer Vermögen zu nutzen. Während viele Mitbewerber mittlerweile dieser Nachfrage versuchen gerecht zu werden, kommt Robotic Process Automation (RPA) und Künstliche Intelligenz lediglich bei 17 Prozent der Schweizer Vermögensverwalter zum Einsatz. Gemäss Rober Rümmler, Spezialist für Vermögensverwaltungstechnologie bei Ernst & Young in Zürich, steht der Einsatz dieser Technologien bei den hiesigen Unternehmen noch nicht zuoberst auf der Prioritätenliste: «Schweizer Vermögensverwalter sind nach wie vor mit der Umsetzung von sich ändernden Regulierungsanforderungen beschäftigt und kümmern sich zu wenig um zukünftige digitale Geschäftsmodelle.»

Die ausländische Konkurrenz legt vor

Bruno Patusi ist Managing Partner im Bereich Wealth and Asset Management bei Ernst & Young Schweiz
(Quelle: Ernst & Young)
Weil ausländische Vermögensverwalter ihre Dienstleistungsmodelle digitalisierten und eine höhere Innovationskraft an den Tag legten, würden sie den Schweizern zunehmend den Rang ablaufen. Dies zeigt der internationale Vergleich der befragten Firmen auf. Ein Grossteil (63 %) der Vermögensverwalter in APAC- und EMEA-Ländern sowie Nord- und Lateinamerika erwartet von IT-Innovationen eine transformative Wirkung auf die Geschäftsstrategien. Im Gegensatz dazu steht die Schweiz. Hierzulande teilen diese Prognose nur 33 Prozent der Befragten. Laut Bruno Patusi, Managing Partner im Bereich Wealth and Asset Management, riskieren Schweizer Akteure dabei, bei der Innovation und Digitalkompetenz ins Hintertreffen zu geraten. «Schweizer Vermögensverwalter zögern nach wie vor, in die Integration von externen Applikationen und anderen technologischen Möglichkeiten zu investieren. Stattdessen beschränken sie sich nur auf die nötigsten Ausgaben im IT-Bereich», fügt er an.

Die IT hat nicht die höchste Priorität

Die Experten von Ernest & Young kommen zum Schluss, dass die Schweizer Vermögensverwalter – im Gegensatz zu den meisten anderen Branchen – die IT nicht als wesentlichen Bestandteil des Kerngeschäfts wahrnehmen, sondern als blosse Unterstützungsfunktion. Einerseits sei bei den meisten Unternehmen längst eine Modernisierung der IT-Infrastruktur nötig. Auch andere kritische Bereiche der IT, wie die Cybersicherheit, werde aufgeschoben. Schweizer Vermögensverwalter legen den Fokus der IT-Strategie primär auf die Einhaltung von Regulierungsvorschriften (80 %), danach auf die Risikobegrenzung einschliesslich Cyber-Security (53 %).
Robert Rümmler ist Spezialist für Vermögensverwaltungstechnologie
(Quelle: Ernst & Young)
Andererseits äussere sich dies aber auch in der finanziellen Wertschätzung der Mitarbeitenden in den IT-Abteilungen. Denn während die Zahl der IT-Fachkräfte im Verhältnis zum Gesamtpersonalbestand seit 2013 beinahe um 7 Prozent zunahm, sanken die Gehälter etwa um denselben Prozentsatz. Gleichzeitig seien aber die Gehälter anderer Angestellten stabil geblieben. «Vermögensverwalter, welche die Markttrends bei Vergütungs- und Anreizfragen ignorieren, werden Probleme bekommen, den Rückstand bei den Technologietalenten aufzuholen. Der scharfe Konkurrenzkampf mit anderen Branchen um diese gefragten Spezialisten ist bereits im Gang», sagt Robert Rümmler dazu.

Sofortmassnahmen

Das Beratungsunternehmen stellte schliesslich vier Tipps zusammen, wie Schweizer Vermögensverwalter ihre digitale Strategie umsetzen können:

  1. Digitale Ziele und Erfolgskriterien definieren, wie beispielsweise eine Erhöhung der Kundenzufriedenheit oder Reduktion der Betriebskosten.
  2. Die weiteren Auswirkungen der digitalen Strategie auf das gesamte Unternehmen und das Betriebsmodell festlegen.
  3. Die erforderlichen digitalen Fähigkeiten beurteilen und deren Implementierung auf kurz-, mittel- und langfristige Sicht priorisieren.
  4. Eine allgemeine Roadmap für die Digitalisierung ausarbeiten.


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