Erster Versuch in China 17.08.2020, 14:30 Uhr

Banknotenhersteller: Das Digitalgeld kommt

Private Kryptowährungen wie Bitcoin gibt es schon, digitale Dollarmünzen oder Euroscheine dagegen noch nicht. Doch das könnte sich in Zukunft ändern.
Privaten Kryptowährungen wie Bitcoins könnte in absehbarer Zukunft von Zentralbanken ausgegebenes digitales Geld folgen.
(Quelle: Ina Fassbender/dpa)
Das internationale Geldwesen steht vor einer grossen Veränderung: Privaten Kryptowährungen à la Bitcoin könnte in absehbarer Zukunft von Zentralbanken ausgegebenes digitales Geld folgen. Einem ersten chinesischen Versuch zu den Olympischen Winterspielen würden voraussichtlich andere Länder folgen, das erwartet zumindest Ralf Wintergerst, der Chef des Münchner Banknotenherstellers Giesecke +Devrient.
«Die People’s Bank of China hat angekündigt, zu den Olympischen Winterspielen 2022 eine sogenannte 'digital currency electronic payment' einzuführen», sagte Wintergerst. «Das ist neu.» Er betrachte die chinesische Ankündigung als ersten Live-Versuch. «China und Schweden sind die zwei Länder, die am weitesten fortgeschritten sind, wobei China mit dem angekündigten Launch zu den Winterspielen ein Zeichen gesetzt hat. Wir stehen als Europa gerade erst am Anfang der Entwicklung.»
Technisch würde ein digitaler Euro dem Bitcoin ähneln. Aber im Gegensatz zu der berühmten Kryptowährung stünde er unter Aufsicht einer Zentralbank. Digitale Währungen funktionieren auf Basis einer sogenannten Blockchain - also über eine Kette von Datenblöcken, die sich mit jeder Transaktion ausbaut. Ein solcher Euro würde dabei als digitale Einheit existieren und für Online-Geschäfte verfügbar sein. Man bräuchte, wie beim Bitcoin, eine eigene Wallet, in der das digitale Geld abgelegt wird. Moderne Smartphone-Banken haben diese schon standardmässig an die Girokonten angedockt.
G+D hat international mehr als 100 Zentralbanken als Kunden. Neben dem Banknotendruck ist das Unternehmen mittlerweile auch auf digitale Sicherheitstechnologien wie die Verschlüsselung spezialisiert.
«Es findet momentan auch in der EU ein Aufwachen statt», sagte Wintergerst. «Die EZB beschäftigt sich mit dem Thema, und auch die G20-Finanzminister erarbeiten gerade ein Grundsatzpapier, das Grundregeln digitaler Zentralbankwährungen beschreiben soll.»

Kommt ein digitaler Euro?

Die Pläne von Facebook, die Kryptowährung Libra einzuführen, hatten eine Debatte um die Frage ausgelöst, ob Zentralbanken wie die EZB mit einer eigenen Digitalwährung eine Antwort geben sollten. Die deutschen Banken wollen sich für die Einführung einer Digitalwährung im Euroraum stark machen. «Wir brauchen in Europa einen digitalen Euro», hatte der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken, Hans-Walter Peters, im Herbst 2019 gesagt.
«Ein digitaler Euro wäre ein wichtiger Beitrag für ein stärkeres Europa, das die Herausforderungen der digitalen Revolution mit Entschlossenheit angeht», sagte Peters. Wenn sich Europa bei dem Thema nicht selbst bewege, werde es von anderen getrieben oder «aus dem Weg geschubst».
Bundesbank-Chef Jens Weidmann warnte allerdings im Januar im «Handelsblatt» vor der unüberlegten Einführung von digitalem Zentralbankgeld. «Ich halte nichts davon, immer gleich nach dem Staat zu rufen. In einer Marktwirtschaft ist es zunächst an den Unternehmen, für Kundenwünsche ein entsprechendes Angebot zu entwickeln.» Weidmann plädierte dafür, Vor- und Nachteile abzuwägen. «Erst mal geht es darum, die positiven und negativen Seiten von digitalem Zentralbankgeld zu verstehen. Dann kann entschieden werden, ob es gebraucht wird und sich die Risiken beherrschen lassen.»


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