Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Lesedauer 3 Min.

Anforderungen im Nachrichtendienstgesetz (NDG) werden umgesetzt

Das Bundesverwaltungsgericht hat 2025 Anpassungen an der gesetzlichen Regelung der Funk- und Kabelaufklärung verlangt. Der Nachrichtendienst des Bundes hat entschieden, das Urteil nicht weiterzuziehen und die Anforderungen im Nachrichtendienstgesetz (NDG) umzusetzen.
© (Quelle: VBS)

Die Umsetzung erfolgt voraussichtlich in einem eigenen Revisionspaket, um angesichts der verschärften Bedrohungslage die laufenden Arbeiten nicht zu verzögern.

Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Urteil A-6444/2020 festgestellt, dass die gesetzlichen Grundlagen der Funk- und Kabelaufklärung in bestimmten Bereichen nicht grundrechtskonform sind. Das Gericht anerkennt dabei die Bedeutung der Funk- und Kabelaufklärung für die Sicherheit der Schweiz. Es fordert jedoch verstärkte Garantien, insbesondere beim Schutz journalistischer Quellen und anderer besonders schützenswerter Kommunikation wie jener zwischen Rechtsanwalt und Mandant. Zudem soll die Aufsicht gestärkt werden. Das Gericht hat dem Gesetzgeber eine Frist von fünf Jahren eingeräumt, um einen verfassungskonformen Zustand herzustellen. Die Funk- und Kabelaufklärung darf während dieser Frist weiterlaufen.

Weiterentwicklung der internationalen Rechtsprechung seit 2017

Das Nachrichtendienstgesetz trat am 1. September 2017 in Kraft. Seither hat sich die internationale Rechtsprechung zur nachrichtendienstlichen Informationsbeschaffung erheblich weiterentwickelt. Das Bundesverwaltungsgericht stützt sich in seinem Urteil auf die Leiturteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) «Big Brother Watch gegen Vereinigtes Königreich» (Nr. 58170/13) und «Centrum för Rättvisa gegen Schweden» (Nr. 35252/08), beide vom 25. Mai 2021. Diese Urteile wurden vier Jahre nach Inkrafttreten des NDG gefällt und formulierten erstmals detaillierte Anforderungen an den Schutz vor Missbrauch bei der grenzüberschreitenden Kommunikationsüberwachung.

Eigenes Revisionspaket, um die laufenden Arbeiten nicht zu verzögern

Das Schweizer Gesetz soll nun an diese weiterentwickelten Standards angepasst werden. Die angeführten EGMR-Urteile haben auch in mehreren europäischen Ländern zu Gesetzesanpassungen geführt.

Der NDB hat nach sorgfältiger Prüfung entschieden, das Urteil nicht weiterzuziehen. Die vom Gericht formulierten Anforderungen werden in Rücksprache mit dem Chef VBS, Bundesrat Martin Pfister, voraussichtlich in einem eigenen Revisionspaket aufgenommen. Dies, um eine sorgfältige Integration dieser Anforderungen ins Gesetz zu ermöglichen und die beiden laufenden Revisionspakete nicht zu verzögern. Das ist angesichts der aktuellen Bedrohungslage wichtig, denn die Lage hat sich weltweit stark verschärft, auch für die Schweiz. Seit 2020 haben sich die Bedrohungen, die der NDB priorisiert bearbeitet, vervielfacht. Dazu zählen unter anderem Terrorismus, gewalttätiger Extremismus, Spionage, Cyberangriffe, die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen, ihren Trägermitteln und weiterer Rüstungsgüter sowie Angriffe auf kritische Infrastrukturen. Die Schweiz ist von der hybriden Konfliktführung bereits direkt betroffen. Die im Grund- und Zusatzpaket vorgesehenen Massnahmen der NDG-Revision sind daher dringend. Falls sich im Laufe des Revisionsprozesses Möglichkeiten einer beschleunigten Umsetzung ergeben, wird der NDB diese entsprechend nutzen.

Die Botschaft zum Grundpaket der NDG-Revision, das unter anderem Änderungen der Bestimmungen zu Beschaffungsmassnahmen, Datenhaltung und Aufsicht umfasst, soll demnächst vom Bundesrat verabschiedet werden. Die Eröffnung der Vernehmlassung zum Zusatzpaket, das primär Massnahmen gegen Cyberbedrohungen behandelt, ist für Mitte 2026 geplant.

Recht Netzpolitik Politik Privatsphäre
Anzeige

Neueste Beiträge

Bundesrat will mehr Zusammenarbeit in der digitalen Transformation der Bundesverwaltung
Der Bundesrat hat Eckwerte festgelegt, um gemeinsame Lösungen in der digitalen Transformation der Bundesverwaltung zu fördern. Unter anderem sollen neu alle Projekte über einer Million Franken auf Synergien geprüft werden.
3 Minuten
10. Mär 2026
KI hilft in Zukunft beim Müllsammeln im Meer
Ein neues Detektionssystem von Forschern der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL), des Swiss Data Science Center und weiterer Schweizer Institutionen sowie der Universität Wageningen nutzt Künstliche Intelligenz (KI) und Satellitenbilder zur präzisen Ortung von Müllbergen im Meer.
3 Minuten
10. Mär 2026
Frauen sehen Cybersecurity als attraktive Karriere - ISC2 Fachkräfte-Studie
Eine neue Untersuchung von ISC2 zeigt: Rund 72 Prozent der befragten Frauen sehen Cybersecurity als attraktiven Karrierepfad. Gleichzeitig berichten sie deutlich häufiger als Männer von strukturellen Hürden – etwa bei Karrierechancen, Work-Life-Balance oder Entlassungen.
3 Minuten

Das könnte Sie auch interessieren

Besserer Schutz der kritischen Infrastrukturen in der Schweiz - Bundesrat
Der Bundesrat will kritische Infrastrukturen, die für Bevölkerung und Wirtschaft der Schweiz essenziell sind, besser gegen Ausfälle aller Art schützen. Auch die wichtigsten elektronischen Daten von Bund, Kantonen und kritischen Infrastrukturen sollen einen besseren Schutz gegen Cyberangriffe und Manipulation erhalten.
3 Minuten
19. Feb 2026
Ist Ihr Passwort sicher? - Sicherheits-Tipps
Nur mit sicheren Passwörtern und den neuesten Technologien sind Ihre Daten und Ihre Konten im Internet effizient geschützt. Wir haben für Sie die ultimativen Tipps zum Passwort-Check!
9 Minuten
5. Mär 2026
Die meisten KI-Betrugsfälle waren 2025 Deepfakes - Cybersecurity
Die Tech- und Cybersecurity-News-Website Cybernews.com hat die AI Incident Database analysiert und festgestellt, dass Deepfakes im Jahr 2025 die häufigste Art von KI-Vorfällen waren.
2 Minuten
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige