Recycling 30.07.2020, 15:52 Uhr

Aufgemotzte Gebraucht-Handys erleben Verkaufsboom

Smartphones aus zweiter Hand sind ein Verkaufsschlager. Das berichtet der Online-Händler Digitec Galaxus.
Warum nicht ein gebrauchtes Smartphone kaufen?
(Quelle: 49325737)
Handykäufer entscheiden sich gemäss einer Erhebung des Online-Versandhändlers Digitec Galaxus immer öfters für ein Mobiltelefon aus zweiter Hand. Die Verkäufe solcher Occasions-Smartphones haben stark zugenommen und sollen bis in zwei Jahren sogar noch markant weiter steigen. Die grössten Verkaufsrenner sind dabei aufgemöbelte iPhones. 
Zwischen Januar und Juni 2020 haben die Kunden von Digitec Galaxus zweieinhalb Mal so viele Gebraucht-Handys gekauft wie in der gleichen Zeitspanne im Vorjahr, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Damit seien diese Geräte beim Unternehmen die neuen Verkaufsrenner. Bis Ende Jahr dürfte gemäss den Angaben fast ein Prozent des gesamten Handy-Umsatzes aus den Verkäufen von Occasions-Handys stammen. Bis in zwei Jahren sollen gemäss der Mitteilung zudem bis zu drei Prozent der Verkäufe auf Occasions-Handys zurückzuführen sein. 
Um die Handys für den Wiederverkauf aufzubereiten, werden sie gemäss der Mitteilung professionell geprüft und instand gesetzt. Digitec Galaxus arbeitet dafür mit den vier Marken Remade, Revendo, Recommerce und Recommerce Swiss zusammen, die allesamt solche Occasions-Telefone anbieten. 
Die absoluten Stars unter den Gebraucht-Handys sind gemäss der Mitteilung iPhones: Sie machen 90 Prozent der verkauften Geräte aus. Die Telefone aus dem Hause Apple seien aufgrund ihrer Qualität und Bauweise bis zu zweimal wieder auffrischbar, wird Stefan Franchi, Handy-Chefeinkäufer bei Digitec Galaxus, in der Mitteilung zitiert. Abgeschlagen dahinter lägen die Verkaufszahlen wiederaufbereiteter Smartphones von Samsung, Sony, Huawei und Xiaomi. Solche Android-Geräte hätten allerdings in den letzten Monaten einen Umsatzsprung hingelegt, so Franchi weiter. 

Verkäufe übertreffen auch bei Swisscom Erwartungen

Seit Juni hat auch der Telekomkonzern Swisscom Occasionstelefone im Angebot, wie Sprecherin Sabrina Hubacher gegenüber der Nachrichtenagentur AWP sagte. Und die Kunden scheinen auch dort bereits Gefallen am Angebot zu finden: «Unsere Absatzerwartungen in den ersten Wochen wurden übertroffen», so Hubacher.
Swisscom zählt bei den sogenannten «Refreshed Smartphones», also den aufgemotzten Gebrauchthandys, ebenfalls auf Recommerce Swiss. Dabei gebe es zwei Vorgehensweisen: Entweder kauft Swisscom die Handys im Rahmen des Programms Buyback zurück und überweist ihnen den Betrag für das Telefon oder die Kunden geben das Handy als Spende ab, wobei der Erlös für Mahlzeiten an SOS Kinderdorf gespendet wird.  Funktionstüchtige Telefone werden nach dem Aufmöbeln auf dem internationalen Gebrauchthandymarkt weiterverkauft, defekte in der Schweiz fachgerecht entsorgt, so Hubacher.

Frauen und ältere User mögen Occasionen 

Ein Grund, Occasionshandys zu kaufen, ist der Preis. Gemäss Digitec Galaxus kosten 43,8 Prozent der verkauften Gebraucht-Telefone zwischen 0 und 199 Franken, nur knapp 4 Prozent hingegen mehr als 900 Franken. Bei den neuen Mobiltelefonen hingegen kosten nur 18,7 Prozent weniger als 200 Franken und ganze 13,3 Prozent über 900 Franken. «Preissensitive Kunden können Geld sparen, indem sie ein bereits gebrauchtes, aber gut funktionierendes Gerät günstiger kaufen», sagt Hubacher.
Andererseits ist der Wiedergebrauch auch nachhaltig, wie Digitec Galaxus und Swisscom betonen. Gemäss Swisscom hätten Befragungen gezeigt, dass dies ein grosses Kundenbedürfnis sei.
Frauen und ältere Anwender stehen am meisten auf Smartphones aus zweiter Hand
Quelle: Digitec
Laut der Erhebung von Digitec Galaxus scheinen besonders Frauen auf diesen Aspekt anzusprechen: Während jedes vierte neue Smartphone von einer Frau gekauft wird, geht bei den gebrauchten Telefonen jedes dritte an eine Käuferin. Digitec Galaxus verweist auf Studien, wonach Frauen im Schnitt nachhaltiger einkaufen.
Einen Unterschied stellten die Autoren auch bezüglich des Alters der Käufer fest. Die 40- bis 49-Jährigen kaufen am häufigsten Gebrauchthandys. Bei den neuen Handys sind hingegen die 30 bis 39-Jährigen die grösste Kundengruppe.


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