Mobilfunk-Messe 14.02.2020, 15:17 Uhr

Barcelona rechnet mit Riesen-Einbussen wegen MWC-Absage

In Barcelona sorgt die Absage des Mobile World Congress für Verwunderung und Ärger. Dort rechnet man nun mit Millionenverlusten. Schliesslich ist die wichtigste Mobilfunk-Messe der Welt ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Hauptstadt Kataloniens.
(Quelle: Arturo Martinez / Unsplash )
Die Absage der weltweit wichtigsten Mobilfunk-Messe MWC in Barcelona wegen der Coronavirus-Gefahr hat in Spanien für Verwunderung und Ärger gesorgt. Die Handels-, Industrie- und Tourismus-Ministerin Reyes Maroto sagte in Madrid, die Firmen des Branche müssten nun erklären, weshalb sie den Mobile World Congress abgesagt, nicht aber ihre Teilnahme an anderen ähnlichen Events gestrichen hätten.
Die Messe ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Barcelona – der Effekt für das Gastgewerbe und andere Branchen wird auf nahezu eine halbe Milliarde Euro geschätzt. Am Tag nach der Absage gab es viele Klagen und Kritik von Hotel- und Restaurant-Betreibern, von Taxifahrern und Ladenbesitzern. «Eine kalte Dusche», titelte die katalanische Zeitung «El Periódico», «La Razón» sprach von «einem wahren Erdbeben». 110'000 Besucher bleiben weg, von der Absage sind nach Schätzungen 14'000 Jobs betroffen.
Die Mobilfunk-Anbieter-Vereinigung (GSMA), die die Messe veranstaltet, habe sich «die Entscheidung nicht leicht gemacht», beteuerte unterdessen ihr Chef John Hoffman. «Wir sprechen hier von sehr wichtigen Leuten der Business-Welt», sagte er auf einer Pressekonferenz in Barcelona. Man habe eine Verlegung des MWC auf einen späteren Zeitpunkt zwar in Erwägung gezogen. Es sei aber unmöglich, vorherzusagen, wann sich die Situation um das Coronavirus ändern werde. In den vergangenen Tagen hatten viele grosse Aussteller ihre Teilnahme am dem für 24. bis 27. Februar angesetzten Branchentreff abgesagt.
Auf die Millionenverluste angesprochen sagte GSMA-Generaldirektor Mats Granryd in Barcelona: «Es geht nicht um Geld. Es geht um die Sicherheit und um die Gesundheit der Menschen.» Obwohl man die GSMA-Entscheidung «respektiert», lässt man dieses Argument aber weder in Barcelona noch in Madrid gelten. Die Vizechefin der sozialistischen Zentralregierung, Carmen Calvo, versicherte, der MWC sei «nicht aus gesundheitlichen Gründen» abgesagt worden. «Es gibt andere Motive», meinte sie, ohne diese aber zu nennen.
Barcelona-Bürgermeisterin Ada Colau betonte auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit den GSMA-Vertretern: «Wir waren darauf vorbereitet, die beste Messe aller Zeiten zu organisieren.» Der Präsident des Hotelierverbandes von Barcelona, Jordi Mestre, hatte bereits kurz vor der Absage durch die GSMA den Unternehmen der Branche «unbegründete Panikmache» vorgeworfen. Einer der angesehensten Epidemiologie-Experten Spaniens, Antoni Trilla, beklagte: «Die Angst hat irgendwie die Wissenschaft besiegt.»


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