Sichere Kommunikation 16.02.2021, 19:45 Uhr

Polycom-Erneuerungsprojekt: Dem Bund läuft die Zeit davon

Laufende Erneuerungsarbeiten am nationalen Kommunikationssystem Polycom stellen den Bund vor Probleme. Auch, weil der Lieferant Atos bei der Umsetzung die hohen Sicherheitsanforderungen unterschätzte. Nun sind die geplanten Zeitreserven beinahe ausgeschöpft.
(Quelle: VBS/DDPS; Andrea Campiche )
Am nationalen Kommunikationssystem Polycom, über das Behörden und Blaulichtorganisationen kommunizieren, führt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs) derzeit Erneuerungsarbeiten für den Werterhalt durch. Obwohl man mit der Fertigstellung der Schnittstellenlösung für die Kommunikation zwischen der alten und neuen Technologie «einen grundlegenden Zwischenschritt» erreicht habe, seien beim Projekt «grössere Verzögerungen» entstanden, teilt das Babs mit.
Den Angaben zufolge stellt die laufende Einbettung der neuen Funksystemkomponenten in die kantonalen Datennetzumgebungen «hohe Anforderungen an die Qualität und Sicherheit». Denn die Netzzonen müssen gegen Cyber-Angriffe geschützt werden, was fundiertes und spezifisches Fachwissen erfordert. Und genau dieses fehlte offenbar dem Systemintegrator Atos, der die Polycom-Zuschläge einst in Freihändern erhalten hatte. Hierzu schreibt das Babs, dass dieser die Komplexität und Schwierigkeit der Sicherheitsanforderungen unterschätzte.
Nun wird die Zeit offenbar knapp, um die kantonalen Netzinfrastrukturen für die Umstellung vorzubereiten. Die geplanten Zeitreserven seien «nahezu erschöpft». Sollten die Netze nicht rechtzeitig bereit sein, müssten die alten und neuen Komponenten über 2025 hinaus parallel laufen – was zu Mehrkosten führen würde, schreibt das Bundesamt.

Intensivere Zusammenarbeit mit Atos

Das Babs intensivierte laut eigenen Angaben per Jahresbeginn die Zusammenarbeit mit Atos. Die Rede ist dabei von wöchentlichen bilateralen Kontakten zwischen dem neuen Atos-Schweiz-Chef Bruno Schenk und der neuen Babs-Direktorin Michaela Schärer, «um bei Bedarf mit Sofortmassnahmen reagieren zu können». Ebenfalls stimme man wöchentlich den Projektfortschritt ab. Atos habe zudem angekündigt, die Projektorganisation mit zusätzlichen Steuerungsmassnahmen und Fachspezialisten zu verstärken, heisst es weiter.

Auch neues Datenverbundsystem hat Verspätung

Verzögerungen gibt es auch beim Aufbau des «sicheren Datenverbundsystems». Dies, weil es aufgrund der «grossen technischen Komplexität» zunächst einer Gesamtbeurteilung unterzogen wurde, heisst es in der Mitteilung. Nun wird das Vorhaben in drei Projekte aufgeteilt – «sicheres Datenverbundnetzes», «Datenzugangssystem» und «Lageverbundservices». Das Babs könne sich so zunächst auf die dringenden und umsetzungsreifen Projektschritte konzentrieren. Noch im März sollen die Projekte «sicheres Datenverbundnetz» und «Datenzugangssystem» in die Konzeptphase starten. Das Bundesamt stockt dafür das Personal auf.


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