Nach schwächerem Wachstum 04.06.2020, 11:10 Uhr

Corona-Krise sorgt für Bewegung im Crowdfunding-Markt

2019 wuchsen Schweizer Crowdfunding-Plattformen laut einer Studie der Hochschule Luzern langsamer als in den Jahren zuvor. Im laufenden Jahr könnte der Markt von Initiativen aufgrund der Corona-Krise profitieren.
(Quelle: Pixabay)
Insgesamt knapp 600 Millionen Franken konnten im Jahr 2019 über Crowdfunding-Plattformen vermittelt werden. Damit erreichte das Volumen des Marktes den nächsten Rekordwert, wie die Hochschule Luzern (HSLU) im Rahmen einer Studie ermittelte. Angestiegen ist dieses gegenüber dem Vorjahr um rund 15 Prozent. Gemäss dem Crowdfunding-Monitor der Hochschule nahm die Wachstumsgeschwindigkeit allerdings ab. Auch hätten sich die einzelnen Formen des Crowdfundings sehr unterschiedlich entwickelt.
Der Auswertung der Hochschule bescheinigt dem Crowdlending insgesamt das stärkste Wachstum. Hierbei wurden 2019 Kredite im Umfang von knapp 420 Millionen Franken finanziert, was einem Anstieg von fast 60 Prozent entspricht. Dazu beigetragen hätten insbesondere hypothekarisch gedeckte Kredite, teilt die HSLU mit. Rückläufig waren dagegen das Crowdinvesting (-24,8 %) und das Crowdsupporting/Crowddonating (-4 %).
Mit dem Crowdfunding soll eine grosse Anzahl von Personen mobilisiert werden, um ein Projekt zu finanzieren. Im Crowdlending und dem Real-Estate-Crowdinvesting finanzieren hingegen verstärkt professionelle Investoren gewisse Kredite oder Immobilien direkt. Die Experten der HSLU prognostizieren deshalb, dass Privatpersonen dadurch in diesen Bereichen relativ gesehen an Bedeutung verlieren werden. Im Bereich Crowdsupporting und Crowddonating werde dagegen die Crowd weiterhin zentral sein.
Die Veränderungen im Schweizer Crowdfunding-Markt in der Übersicht
Quelle: Hochschule Luzern
«Die Wachstumsquoten des Schweizer Crowdfunding-Markts im Jahr 2019 waren positiv, lagen aber etwas unter den Erwartungen», heisst es in der Mitteilung zum Crowdfunding-Monitor weiter. Für das laufende Jahr gehen die Studienautoren nun davon aus, dass das Gesamtvolumen erneut im eher tiefen zweistelligen Prozentbereich wachsen wird. Insgesamt rechnen sie mit einem Volumen zwischen 700 und 900 Millionen Franken. Dabei soll das Wachstum in erster Linie vom Real-Estate-Crowdinvesting und vom Crowdlending vorangetrieben werden.

«Viel Bewegung» aufgrund der Corona-Krise

Auch die Corona-Krise soll sich laut ihren Angaben auf den Markt auswirken. «Viel Bewegung» sei aufgrund der aktuellen Situation besonders beim Crowdsupporting und dem Crowddonating festzustellen. Einerseits hätten bestehende Crowdfunding-Plattformen spezielle Initiativen gestartet, um KMU und selbstständig Erwerbende zu unterstützen. Andererseits seien in den letzten Monaten auch über 40 temporäre Online-Plattformen entstanden, über die vor allem Gutscheine für lokale KMU verkauft wurden. «Es ist denkbar, dass unter den Geldgebern auf solchen Plattformen auch viele Personen sind, die zum ersten Mal ein Unternehmen oder ein Projekt online unterstützen. Das könnte langfristig positive Effekte haben», wird Simon Amrein, Studienautor und Dozent an der HSLU, im Communiqué zitiert.
Für einen Rückgang sorgte die Krise dagegen beim Business-Crowdlending. «Hintergrund dieser Entwicklung ist unter anderem wohl auch, dass KMU seit Ende März bei Banken einen vom Bund abgesicherten COVID-19-Kredit bis 500'000 Franken zinslos und praktisch ohne Prüfung von den Banken erhalten», sagt der zweite Studienautor Andreas Dietrich. Auch er ist Professor an der HSLU.
Insgesamt erwarten Dietrich und Amrein aber, dass Crowdlending-Plattformen in der zweiten Jahreshälfte wieder stärker zum Zug kommen werden, weil einige KMU wohl bald zusätzliche Mittel benötigen, wenn die Krise länger anhält.


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