Paketverkehr 30.03.2020, 08:18 Uhr

Online-Handel hält die Post auf Trab

Der Online-Handel floriert aufgrund des Lockdowns – und die Schweizerische Post wird mit Paketsendungen überschwemmt. Dem Post-Chef zufolge transportiert das Unternehmen derzeit gleich viele Pakete wie üblicherweise vor Weihnachten.
(Quelle: Die Schweizerische Post)
Seit hierzulande alle Non-Food-Läden, Restaurants, Bars sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe geschlossen sind, bestellen sich Schweizerinnen und Schweizer alle nötigen Waren bei Online-Händlern direkt nach Hause. So verzeichnete die Migros-Tochter Digitec Galaxus vor rund zwei Wochen alleine etwa ein Versandvolumen von jeweils 30'000 Paketen pro Tag. Bei der Schweizerischen Post gibt es derzeit also alle Hände voll zu tun. Das Unternehmen wird mit Paketsendungen überschwemmt, wie Post-Chef Roberto Cirillo in einem Interview mit den Zeitungen der CH-Media erklärte.
«Vor zwei Wochen hatten wir bei den Paketen einen Zuwachs von etwa 15 Prozent gegenüber normalen Zeiten». Dies habe aber nochmals stark zugenommen. «Mittlerweile transportieren wir gleich viele Pakete wie üblicherweise vor Weihnachten», sagte er. Und letzten Mittwoch habe die Post sogar ein Volumen verzeichnet, wie sonst nur am Online-Kauftag «Black Friday». 
Online-Bestellungen sei momentan meist der einzige Weg, um an gewisse Waren zu kommen. Daher sei die Post in der aktuellen Situation mit der Coronavirus-Ausbreitung sehr wichtig. Die Menschen könnten zu Hause bleiben und die Schweiz stehe dennoch nicht still, erklärte Cirillo weiter. Die Post liefere derzeit zudem etwa dreimal so viel Lebensmittel aus wie üblich – deshalb gebe es lange Wartezeiten und ein Ausbau der Kapazitäten sei innerhalb kürzer Zeit ohnehin unrealistisch. 

Sondereinsatz am Samstag

Die Post hat aber nach eigenen Angaben auf die neuen Einkaufsgewohnheiten reagiert. So sortieren die Mitarbeitenden in den Paketzentren neu auch am Samstag, was sie sonst nur in der Weihnachtszeit machen. «Wir können aber nur beschränkt mehr Mitarbeitende für die Verarbeitung planen. Denn auch sie sollen sich an die Social Distancing-Vorgaben halten», schrieb die Post am Freitag in einer Mitteilung. 
Bereits vergangene Woche habe die Post beim Bundesrat um eine Sonderbewilligung ersucht, auch am Sonntag Lebensmittel zustellen zu dürfen. So sollen gerade Menschen, die zu Risikogruppen gehören, beim Einkaufen weniger exponiert sein. Der Bundesrat habe dies für alle Postdienstleister genehmigt. Die Post könne diese Dienstleistung nun ihren Vertragspartnern auch am Sonntag zur Verfügung stellen. 

Grösse von Sperrgutsendungen begrenzt 

Auch die Anzahl von Sperrgutsendungen wie Velos, Sofas oder Gartenhäuschen sind laut der Post in den vergangenen Tagen überproportional stark angestiegen. Diese grossen Pakete seien für einen Mitarbeitenden kaum alleine zu heben, und zu zweit stelle sich die Frage des Social Distancing. Die Konzernleitung habe deshalb entschieden, die erlaubte Grösse für Sperrgutsendungen vorübergehend so zu begrenzen, dass sie von einem einzelnen Mitarbeitenden getragen werden könnten. 
Ab sofort betrage die maximale Länge der einzelnen Seiten neu 150 cm/80 cm/60 cm. Für die Kombination der Seiten gelte ein maximales Gurtmass (2 × Höhe + 2 × Breite + 1 × längste Seite) von 350 cm. Bisher galt eine maximale Länge von 250 cm und das Gurtmass, also der Umfang über die beiden kleineren Seiten plus die längste Seite, betrug maximal 400 cm. Das Maximalgewicht bleibe unverändert bei 30 Kilogramm, teilte die Post weiter mit. 
Bezüglich der Einschränkung von Angeboten sagte der Post-Konzernchef, dass die A-Post nicht mehr in jedem Falle am nächsten Tag zugestellt werden könne. Ausserdem habe man die Öffnungszeiten einiger Filialen reduziert und manche geschlossen, erklärte Cirillo im Interview abschliessend.


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