Entscheidung ist gefallen 14.11.2018, 14:43 Uhr

Amazon will neue Hauptsitze in New York und Virginia eröffnen

Die beiden Standorte für die neuen Headquarter von Amazon stehen fest. Die Wahl ist auf New York City und Nord Virginia gefallen. Der E-Commerce-Riese plant, die Büros mit je bis zu 25'000 Mitarbeitern gleichmässig zu besetzen.
(Quelle: Miune / Shutterstock.com)
Das grosse Buhlen hat ein Ende: Der weltgrösste Online-Händler Amazon ist bei seiner Suche nach weiteren Zentralen in den USA fündig geworden. Die Wahl ist auf Long Island City im New Yorker Stadtbezirk Queens und auf Arlington im US-Bundesstaat Virginia gefallen, wie der Konzern mitteilte. «Wir freuen uns, unsere neuen Hauptquartiere in New York City und im Norden Virginias zu bauen», verkündete Konzernchef Jeff Bezos. Zudem kündigte Amazon ein grosses Logistikzentrum in Nashville an, das 5000 Arbeitsplätze schaffe.
Der Bürgermeister von New York City, Bill de Blasio, diskutierte am Montagabend während seines wöchentlichen Fernsehauftritts über den Amazon-Deal. Obwohl er dabei nicht bestätigte, dass die Stadt offiziell ausgewählt wurde, zeigte er sich schon da zuversichtlich, dass das HQ2 nach New York City kommen würde. «Wir sprechen über das grösste wirtschaftliche Entwicklungsabkommen in der Geschichte von New York City», sagte er.
Amazon will an den neuen Standorten jeweils 2,5 Milliarden Dollar investieren und 25'000 Jobs schaffen. In New York stellt sich Amazon zugleich auf Subventionen von über 1,5 Milliarden Dollar ein, vor allem durch Steuervergünstigungen – in Arlington sind es nach Rechnung des Konzerns 573 Millionen Dollar. Grund für die Entscheidung, dass Amazon nicht nur einen, sondern gleich zwei neue Standorte eröffnen wird, soll vor allem das Problem gewesen sein, ausreichend qualifiziertes Technik-Personal zu finden. Zudem gebe es Bedenken, dass die geplante Expansion, die mit starkem Zuzug von Arbeitskräften verbunden sein dürfte, einen einzelnen Standort und dessen Infrastruktur überfordern könnte.

Grosse Bewerbungsaktion

Mit der offiziellen Bestätigung der neuen Zentralen endet der seit mehr als einem Jahr andauernde Rummel um das Grossprojekt, bei dem sich etliche Städte, Bundesstaaten und Landkreise Nordamerikas mit teilweise skurrilen Bewerbungen um die Gunst von Amazon-Chef Bezos bemüht hatten. Der US-Konzern, der zuletzt rund 613'300 Angestellte beschäftigte, erhielt 238 Bewerbungen. Einige Kandidaten legten sich besonders ins Zeug – aus Tucson in Arizona bekam Jeff Bezos einen riesigen Kaktus, New York liess das Empire State Building in «Amazon Orange» strahlen und Atlantas Vorort Stonecrest wollte sogar einen Teil der Stadt in «City of Amazon» umbenennen.
Im Januar stellte Bezos' Konzern dann die 20 aussichtsreichsten Kandidaten vor, darunter waren etwa die Grossstädte New York City, Chicago, Los Angeles und Toronto. Dass den Zuschlag letztlich Long Island City und Arlington erhalten würden, war bereits vor einigen Tagen in US-Medien durchgesickert. Während der New Yorker Stadtteil Amazon Zugang zu den vielen Tech-Profis in der Ostküstenmetropole verschafft, gilt Arlington wegen seiner Nähe zum Sitz der US-Regierung in Washington DC als attraktiv für den Konzern. Bezos ist privat Eigentümer der traditionsreichen «Washington Post» – und die Berichterstattung der Zeitung handelte ihm immer wieder Attacken von US-Präsident Donald Trump ein, der auch gleich gegen Amazon wetterte.

Sturm der Entrüstung

Besonders in New York blicken dem Einzug von Amazon nicht alle so freudig entgegen wie Bürgermeister de Blasio. Viele Anwohner zeigten sich entrüstet über die Zusage. Denn die 25'000 Jobs, die Amazon in New York schaffen will, belasten das sonst schon oft überlastete Nahverkehrsnetz zusätzlich. Zudem befürchten viele steigende Mieten und Immobilien-Preise. Seit Amazons Pläne durchsickerten seien die Suchanfragen für Long Island City auf der amerikanischen Immobilien-Seite «StreetEasy» bereits um das Dreifache gestiegen, berichtet das «Wall Street Journal». Der Run auf Immobilien habe teils bereits begonnen.

Laura Melchior
Autor(in) Laura Melchior




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