Im Office von Massimiliano D’Auria, CEO, Computacenter Schweiz 13.11.2019, 05:58 Uhr

«Ohne Mut geht man keine neuen Wege»

Computacenter Schweiz hat dieses Jahr mit einigen grossen Deals für Aufsehen in der Branche gesorgt. Geschäftsführer Massimiliano D’Auria erzählt im Interview, wie er seinen Arbeitsalltag plant, Mitarbeitende führt und wann ihm die besten Ideen für das Business kommen.
(Quelle: Computacenter Schweiz)
Computerworld: Wie beginnen Sie Ihren Tag?
Massimiliano D’Auria: Schon sehr früh; kurz nach dem Frühstück, so gegen 6 Uhr, schreibe ich die ersten E-Mails.
CW: Büro oder Home Office: Wo arbeiten Sie lieber?
D’Auria: Im Büro. Wenn ich nach Hause komme, möchte ich die Zeit mit meiner Familie verbringen. Es kommt leider viel zu oft vor, dass ich trotzdem am Abend noch an den Rechner gehe und E-Mails beantworte.
CW: Und wie kommen Sie morgens ins Büro?
D’Auria: Wenn ich in eines unserer Büros in Dietikon, Wetzikon oder Neudorf muss, fahre ich Auto. Während der Fahrt telefoniere ich – über die Freisprechanlage. Ausserdem habe ich ein GA. Den ÖV bevorzuge ich, wenn ich beispielsweise zu Kunden in anderen Städten oder zu einem unserer auswärtigen Standorte fahre. Im Zug kann man sehr gut arbeiten und so die Zeit optimal nutzen. 
CW: Der Trend geht hin zum Open Space. Wie sieht das bei Ihnen aus, oder arbeiten Sie lieber im Einzelbüro?
D’Auria: Ich nutze ein zum Gang hin verglastes Einzelbüro. Meine Tür ist üblicherweise offen, sofern ich nicht tele­foniere oder jemand zum vertraulichen Gespräch da ist.
CW: Was machen Sie zuerst im Geschäft?
D’Auria: Ich begrüsse die Kollegen und meistens bespreche ich dann mit meiner Assistentin anstehende Aufgaben.
CW: Wie planen Sie Ihren Arbeitstag?
D’Auria: So gut es geht autonom – was für einen CEO nicht ganz einfach ist. Eine Reihe von Entscheidungen kann man nicht delegieren. Um sie zu treffen, sind Meetings mit Kollegen, Kunden oder Zulieferern nötig. Dafür habe ich – wie schon gesagt – meine Assistentin an der Seite, die mir bei der Pla­nung eine unschätzbare Hilfe ist. Wenn es irgendwie geht, blocke ich mir gerne zwischendurch Zeit. Die nutze ich, um ungestört über Ideen, Herausforderungen oder andere knifflige Fragen nachzudenken.
CW: Wann oder wo haben Sie die besten Ideen für Ihr Business?
D’Auria: Das kann in Meetings sein, wenn gemeinsam die verschiedensten Themen diskutiert werden. Manchmal kommt eine Idee, wenn ich Dinge weiterdenke, mit denen ich mich kürzlich beschäftigt habe. Ich spreche viel mit meinen Mitarbeitern und versuche immer zu verstehen, wo der Schuh drückt. Das kann dann auch durchaus dazu führen, neue Ansätze zu finden.
CW: Welche Tools sind essenziell für Ihren Job?
D’Auria: Computacenter gehört in der Schweiz zu den führenden Anbietern virtuell gemanagter IT-Arbeitsplätze aus der Cloud. Damit arbeite auch ich. Hinzu kommen Kon­ferenz-Applikationen wie etwa Skype. Yammer ist bei uns ein wichtiger Microblogging-Dienst zum internen Wissens­austausch. Weitere zentrale Tools für unsere tägliche Arbeit sind Microsoft Teams und SharePoint.
CW: Auf welche Technik warten Sie noch? Oder anders gefragt: Was fehlt Ihnen?
D’Auria: Eine Technologie zum Beamen oder Teleportieren wäre überaus praktisch – vor allem dann, wenn man im 
Berufsverkehr durch den Gubristtunnel muss. Aber im Ernst: Eine perfekt funktionierende Diktier-Software wäre schon eine grosse Hilfe.
CW: Zu welcher Musik arbeiten Sie am besten?
D’Auria: Ein Leben ohne Musik kann ich mir nicht vorstellen – auch hier bin ich flexibel, mag verschiedene Richtungen und Stile. Allerdings bin ich musikalisch in den 80er und 90er Jahren hängengeblieben. Die Musik dieser Zeit war schon hervorragend. Während der Arbeit höre ich allerdings eher selten Musik.
CW: Welcher ist Ihr bevorzugter Kommunikationskanal?
D’Auria: Ich bin ein Fan gesprochener Kommunikation; 
direkt in Meetings, über das Handy oder via Skype. Gleich danach kommt E-Mail – und selbst dabei läuft sehr viel mit der Voice-Funktion. Da ich zwischen Deutsch, Englisch und Italienisch wechseln muss, arbeite ich so effizienter.
CW: In wie vielen Meetings sitzen Sie pro Woche?
D’Auria: Okay, jetzt haben Sie meine Achillesferse getroffen. In zu vielen, im Schnitt sind es mindestens vier bis fünf Meetings pro Tag.
CW: Wie viele davon halten Sie selbst?
D’Auria: Die meisten – und trotzdem möglichst wenige.
CW: Was ist eie grösste Herausforderung in Ihrem Job?
D’Auria: Ein gesundes und nachhaltiges Wachstum ist meines Erachtens die schwierigste und grösste Herausforderung für die Geschäftsführung eines Unternehmens.
CW: Wie lautet Ihr Arbeitsmotto?
D’Auria: Ich muss wissen, was ich tue – und davon überzeugt sowie professionell in der Umsetzung sein. Ohne Mut geht man keine neuen Wege und erreicht kein erfolgreiches Wachstum. Aber auch ein Quäntchen Glück ist ein wichtiger Bestandteil unseres Geschäfts.
CW: Wie vermeiden Sie Produktivitätskiller?
D’Auria: Um gute Entscheidungen zu treffen, muss man immer konzentriert bei der Sache sein. Wird man regelmäs­sig abgelenkt, etwa durch Telefonate, ist das mühsam. Bei der täglichen Routine lassen sich Störungen aber kaum vermeiden. Wenn ich im Büro nicht gestört werden will, schalte ich das Handy ab und schliesse meine Bürotür. Das funk­tioniert recht gut. Für die Produktivität ist eine effiziente Fehlerkultur unerlässlich.
CW: Wie pflegen Sie die Fehlerkultur in Ihrem Team?
D’Auria: Grundsätzlich gilt bei uns: Wenn im Unternehmen Fehler passieren, kann ich das tolerieren – aber nicht akzeptieren. Ich toleriere, weil ich die Vergangenheit nicht ändern kann, im Leben gibt es nun mal keine [CTRL]- und [Z]-Taste. Aber derselbe Fehler darf nicht erneut gemacht werden.
CW: Aus welchem Misserfolg haben Sie am meisten gelernt?
D’Auria: Jeder Unternehmer erlebt im Geschäft ein Auf und Ab. Wer zu spät reagiert, der verliert Geld – und möglicherweise die Zeit, das Problem zu bewältigen. Ich war noch ziemlich jung, als ich diese Lektion gelernt habe. Glücklicherweise blieb mir genug Zeit. Ich habe danach unverzüglich meine Hausaufgaben in Bezug auf Finanzen, Märkte und Strategie gemacht. Trends und Risiken früh zu erkennen, ist eine wesentliche Grundlage erfolgreicher Entscheidungen. Wenn man dann hartnäckig am Ball bleibt und konsequent umsetzt, kommt auch der Erfolg.
CW: Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?
D’Auria: Mir ist ein kollegiales und offenes Klima im Unternehmen und innerhalb der Geschäftsführung wichtig; deshalb treffen wir Entscheidungen, wann immer möglich, im Team. Genaue Vorbereitung auf anstehende Themen und nachfragen sind sicher wesentliche Elemente meines Führungsstils.
CW: Auf welche Eigenschaften achten Sie besonders bei Ihren Mitarbeitenden?
D’Auria: Unterschiedliche Eigenschaften der Mitarbeitenden sind genau das, wovon ein Unternehmen erheblich profitiert – sofern es gelingt, jeden nach seinen Fähigkeiten richtig einzusetzen und zu fördern. Es gibt nur drei Eigenschaften, mit denen jemand bei mir gar keine Chance hat: lügen, faul oder überheblich sein.
CW: Wie fördern Sie Diversity bei Computacenter Schweiz?
D’Auria: Für die Einstellung bei Computacenter spielt das Geschlecht keine Rolle. Aber ja, der Männeranteil ist bei uns leider deutlich höher. Allerdings liegt das weniger an uns als Arbeitgeber, sondern vor allem an der Verfügbarkeit von Fachpersonal an sich. Gute Leute zu bekommen, ist in unserer Branche nicht ganz einfach. Bereits seit Jahren hängt bei uns die Entlohnung nicht vom Geschlecht, sondern von den individuellen Fähigkeiten und Leistungen ab.
CW: Innovation ist eine wichtige Triebfeder für den geschäftlichen Erfolg. Wie befähigen Sie Ihre Mitarbeitenden, damit diese innovativ arbeiten?
D’Auria: Computacenter Schweiz ist allein im letzten Jahr über 20 Prozent gewachsen – und auch die vorherigen Jahre waren sehr gut. Um eine solche Entwicklung gesund zu gestalten, müssen Führungsstrukturen innovativ angepasst und neue Mitarbeitende gefunden sowie eingearbeitet werden. Wir haben unser Geschäft erweitert und technisch aufgerüstet. Entsprechend schulen wir unsere Mitarbeitenden und junge Führungskräfte werden gecoacht. Das Top-Mana­gement muss sich dabei stets fragen: Stimmt unsere Strategie? Haben wir die richtigen Leute am richtigen Ort? Sind wir vorbildlich flexibel und differenzieren sich unsere An­gebote im Wettbewerb? Sind wir 100 Prozent kundenorientiert? Oder kurz gefragt: Geben wir unser Bestes? Indem wir uns täglich diese Fragen stellen, fördern wir Innovation.
CW: Wer viel arbeitet, braucht viel Energie. Wie lautet Ihr Restauranttipp für den Lunch?
D’Auria: Die Pizzeria Ristorante Molino und das Restaurant Zur Krone in Dietikon.
CW: Wie fahren Sie nach der Arbeit runter?
D’Auria: Indem ich meine Zeit gemeinsam mit meiner Familie verbringe, gerne mal ein bisschen privat chatte oder einen Film gucke.
CW: Wann gehen Sie Schlafen?
D’Auria: Meistens zu spät.
CW: Wie laden Sie Ihre Batterien auf?
D’Auria: Für mich ist die Familie meine Oase. Am Wochenende spiele ich gerne Golf, zusammen mit meiner Frau, den Kindern oder mit Freunden.
CW: Aus welchen Quellen schöpfen Sie Informationen für den Job?
D’Auria: Ich benutze die verschiedensten Plattformen und Informationskanäle – interne und externe – natürlich auch die üblichen Business-Netzwerke wie etwa LinkedIn. Wichtige Titel der Schweizer ICT-Fachpresse liegen bei uns im Büro für alle Mitarbeiter aus, ausserdem schaue ich mir regelmässig die entsprechenden Online-Portale dieser Medien an. Insgesamt informiere ich mich multimedial, je nach Situation – im Auto höre ich auch Radio.
CW: Haben Sie einen Buchtipp?
D’Auria: Die Bücher von Dan Brown. Geschickt erzählt er fiktive Geschichten so, als wären sie tatsächlich passiert.  Die meisterhafte Verknüpfung dieser Erzählungen mit Wissenschaft, Kunst und Architektur fasziniert mich immer wieder.
CW: Wenn Sie nochmal einen Beruf erlernen oder studieren würden, welcher wäre das?
D’Auria: Das, was ich heute tue. Aber etwas würde ich anders machen: Zuerst lernte ich Hochbauzeichner und studierte danach knapp zwei Jahre Architektur. Könnte ich nochmals zurück, würde ich das Studium beenden und erst danach den gleichen Weg wie heute einschlagen. Ich bin überzeugt, dass mir mein Wissen über Architektur und die Liebe zur Mathematik als Unternehmer sehr genützt haben.
CW: Haben Sie einen ausgefallenen Glücksbringer auf Ihrem Schreibtisch? Wie sieht dieser aus?
D’Auria: Nein, ich mag einen freien Arbeitsplatz. Allerdings gibt es eine Ausnahme, die Fotos meiner Kinder. Diese Bilder erinnern mich jeden Tag ein bisschen daran, wie schnell die Zeit vergeht.
CW: Wie sieht Ihr nächstes Projekt aus?
D’Auria: Unsere Wachstumsstrategie ist aktuell das zen­trale Projekt. Wir wollen eine Mischung aus organischem und anorganischem Wachstum. Hier das richtige Mass zu finden, ist eine durchaus komplizierte Angelegenheit; allerdings ebenso spannend und lehrreich. Wir haben in den letzten zwei Jahren zwei Firmen übernommen und unser Portfolio so um die strategischen Bereiche Cloud, Mobility, 
Security und ein Produkthaus ergänzt. Für die nächsten 
zwei Jahre ist organisches Wachstum angesagt. Ich möchte 
unsere Standorte in der Schweiz gezielt erweitern.
Massimiliano D’Auria
Geschäftsführer, Computacenter Schweiz
Massimiliano D’Auria gründete 1999 die DAMAX AG, deren Geschäftsführer er war. 2012 verkaufte er das Unternehmen an die inter­national tätige Computacenter plc. DAMAX wurde in den Konzern eingegliedert und firmiert seit­her als Computacenter (Schweiz) AG unter seiner Leitung. Computacenter konzipiert, plant und be­wirtschaftet die IT-In­frastruktur mittelgrosser und grosser Unternehmen. Schweizweit betreut das Unternehmen an über 300 Standorten etwa 60 00 IT-Arbeitsplätze und ist ein führender Anbieter virtuell gemanagter IT-Arbeitsplätze aus der Cloud. 
In der Schweiz hat Com­putacenter fünf Standorte in Dietikon, Wetzikon, Lausanne, Neudorf (bei Luzern) und Lugano. D’Auria hat ein Studium zum Interna­tional Executive MBA absolviert, ist verheiratet 
und hat zwei Kinder.


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