03.02.2006, 17:30 Uhr

Rückkehr der Tischplatte

ETH-Forscher haben einen virtuellen Arbeitstisch entwickelt, an dem räumlich getrennte Teammitglieder dem Brainstorming frönen können.
Mit speziellen Infrarotstiften können Ideen direkt am gemeinsamen Arbeitstisch festgehalten werden.
Die Globalisierung hat auch die Tüftler erfasst. Vor allem bei der Produktentwicklung sind die daran beteiligten Ingenieure oft über den halben Globus verteilt. Das ist meist kein Problem in späteren Phasen des Prozesses, wenn etwa schon CAD-Zeichnungen (Computer Aided Design) und sonstige Dokumente elektronisch vorliegen. Für die ersten, äusserst kreativen Schritte müssen die Designer allerdings nach wie vor auch physisch in einem Raum zusammenkommen und in einem Akt des gemeinsamen Brainstormings ihre Ideen austauschen.
Dabei geht es meist äusserst analog zu und her: Skizzen werden auf einem Blatt Papier angefertigt und Formeln an eine Tafel gekritzelt. Nonverbale Kommunikation wie Gestik und Mimik der Beteiligten tragen dabei stark zum gemeinsamen Verständnis bei.
Forscher am Institut für Werkzeugmaschinen der ETH Zürich wollen diesen analogen Teil der Produktentwicklung nun digitalisieren und eine Art virtuellen Gruppenarbeitsplatz entwickeln. Dadurch könnten die kreativen Köpfe auch in der Brainstorming-Phase räumlich getrennt voneinander ihre Ideen ausbrüten, und zwar ähnlich gut, wie wenn sie dabei gemeinsam in einem Zimmer zusammensässen.
Das ist schwieriger als gedacht. Denn der PC ist alles andere als kreativitätsfördernd. Wer einmal mit der Maus versucht habe, etwas zu zeichnen, wisse, wovon die Rede ist, gibt Andreas Kunz zu bedenken, der an der ETH das Innovation Center Virtual Reality leitet und sich mit der Entwicklung des digitalen Arbeitsplatzes beschäftigt. Vor allem für gemeinschaftliches Entwickeln seien PC völlig ungeeignet. Wie der Name es andeute, sei der persönliche Computer auf eine Person fixiert, sagt er. «Deshalb hat er auch nur eine Maus und eine Tastatur», argumentiert Kunz.
Ziel der ETH-Forschungsgruppe ist es daher, die für die Gruppenarbeit relevanten Arbeitsuntensilien wie Stifte, Lineal, aber auch den Arbeitstisch zu virtualisieren. Wie das Team in einem wissenschaftlichen Paper, das es vor kurzem an der International Conference on Engineering Design (ICED) in Sydney präsentiert hat, ausführt, besteht das System aus einem Stift, der Infrarotsignale aussendet, und einem speziellen Tisch, der sowohl als virtueller Zeichentisch als auch als Display für die Beiträge der Kollegen dient. Die Infrarotsignale des Stifts, die von der Spitze des Griffels ausgesendet werden, nimmt eine spezielle Kamera auf und wandelt die so festgehaltenen Bewegungen in eine digitalisierte Zeichnung um. Diese wird nicht nur dem Designer auf den Tisch projiziert, sondern auch allen anderen Gruppenmitgliedern.
Diese Grundkonfiguration wird zudem durch ein ausgefuchstes Videokonferenzsystem ergänzt. Dazu wird für jeden Teilnehmer ein LCD-Bildschirm mit integrierten Stereolautsprechern am Rande des Tischs montiert, und zwar genau dort, wo er am entfernten Arbeitsort, an dem ein identischer Tisch aufgestellt worden ist, Platz genommen hat. Durch diese Anordnung können die Entwickler sich in die Augen schauen sowie Mimik und Gestik wahrnehmen. «So wird eine Face-to-face-Kommunikation möglich», sagt Kunz.


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