29.08.2017, 14:21 Uhr

Kölner DeepL fordert Google Translate heraus

Das deutsche Start-up DeepL hat einen Online-Übersetzer gleichen Namens lanciert, der drei Mal besser sein soll als die Konkurrenz von Google, Microsoft und Facebook.
Der Kölner Spezialist für KI-basierte Computerlinguistik, DeepL, hat den «DeepL Übersetzer» heraus. Bei dem kostenlosen Dienst handelt sich dabei um ein neues maschinelles Dolmetschsystem, das Übersetzungen in drei Mal besserer Qualität liefern soll als vergleichbare Online-Tools, darunter auch Google Translate. Um diesen Claim zu untermauern, hat DeepL Blindtests durchführen lassen, in denen der eigene Übersetzer mit den bekannten Maschinendolmetschern verglichen wurde. Dabei beurteilten professionelle Übersetzer die Ergebnisse von DeepL drei Mal häufiger als besser als jene der Konkurrenz.
Gemäss DeepL belegen dies auch automatisierte Tests. Im Bereich der maschinellen Übersetzung ist der Goldstandard für die Messung der Qualität der BLEU-Score, der maschinell übersetzte Texte mit denen eines Übersetzers vergleicht. Auch hier führt DeepL mit einem Score von 31 bei der Übertragung vom Englischen ins Deutsche gegenüber allen konkurrenten.

Besseres neuronales Netz

«Wir haben einige bedeutende Verbesserungen an der Architektur der neuronalen Netze vorgenommen», sagt Gereon Frahling, Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens in einer Mitteilung. «Durch eine neue Anordnung der Neuronen und ihrer Verbindungen haben wir es unseren Netzen ermöglicht, natürliche Sprache besser abzubilden als jedes bisherige neuronale Übersetzungsnetz», meint Frahling. Nächste Seite: Isländischer Supercomputer sorgt für Rechenpower

Rechenkraft aus Island

DeepLs künstliche Intelligenz läuft auf einem Supercomputer in Island, der 5.1 petaFLOPS (5'100'000'000'000'000 Operationen pro Sekunde) ausführen kann, genug Leistung, um eine Million Wörter in weniger als einer Sekunde zu übersetzen. «Aufgrund des Überangebots an erneuerbaren Energien können wir unsere neuronalen Netze in Island sehr kostengünstig trainieren. Wir werden dort weiterhin in leistungsstarke Hardware investieren», erklärt CTO Jaroslaw Kutylowski. Das DeepL Team nutzt diesen Supercomputer, um neuronale Netze mit einer riesigen Sammlung mehrsprachiger Texte zu trainieren. Die Netzwerke schauen sich dabei sehr viele Übersetzungen an und lernen selbständig, wie man grammatikalisch korrekt übersetzt und gute Formulierungen wählt. Dabei können die Kölner auf das Vorgängerprodukt Linguee zurückgreifen. In den letzten zehn Jahren hat DeepL mehr als eine Milliarde Übersetzungen zusammengetragen und kann diese nun zum Training der künstlichen Intelligenz nutzen.

42 Sprachkombinationen

Der DeepL Übersetzer unterstützt derzeit 42 Sprachkombinationen zwischen Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Polnisch und Niederländisch. Die neuronalen Netze trainieren bereits, um in Zukunft weitere Sprachen wie Mandarin, Japanisch und Russisch zu beherrschen. DeepL beabsichtigt ausserdem, in den kommenden Monaten eine Programmierschnittstelle (API) zur Verfügung zu stellen. So kann die Übersetzungstechnik auch in anderen Produkten wie digitalen Assistenten, Wörterbüchern, Sprachlernanwendungen und professionellen Übersetzungsprogrammen eingesetzt werden.


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