Firmenfachbeitrag 14.09.2020, 08:30 Uhr

Das Tessin – das neue Silicon Valley der Schweiz?

Das Tessin hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Innovationsstandort innerhalb Europas entwickelt und bietet nun die idealen Bedingungen, um Talente anzuziehen und zu entwickeln.
Lugano ist ein attraktiver Standort für Unternehmen mit Innovations-Potential
(Quelle: Shutterstock/Dave Z )
Immer mehr Unternehmen entschliessen sich deshalb, im Süden der Schweiz eine Niederlassung zu eröffnen.
Den Kanton Tessin assoziiert man in den übrigen Teilen der Schweiz automatisch mit dem Stau vor dem Gotthard, der Piazza Grande und der «Sonnenstube der Schweiz». Aber Begriffe wie Innovation,  Standortattraktivität und Start-Ups verbindet man (noch) nicht zwangsläufig mit dem Süden der Schweiz – zu Unrecht. Der Kanton Tessin hat in den letzten Jahren eine gewaltige Entwicklung zurückgelegt. Die Region hat sich gemäss dem «European Regional Innovation Scoreboard» zu einem wichtigen Innovationsstandort innerhalb Europas gemausert und bietet nun die idealen Standortbedingungen, um neue Mitarbeitende zu rekrutieren und zu fördern.
Die adesso Schweiz AG hat diesen Trend erkannt, und vor einigen Monaten im Tessin eine neue Geschäftsstelle eröffnet. Mit dem neuen Standbein in Lugano kann sich adesso nun auch diese Region vertrieblich erschliessen und qualifizierte Fachkräfte akquirieren. Unter der Bezeichnung «TI-Shore», einer Kombination aus den Worten Tessin und Onshore, bietet adesso hier High-end-Dienstleistungen für die anderen adesso-Standorte in der Schweiz an, was eine deutliche Prozess- und Kostenoptimierung ermöglicht. Daneben werden aber auch regionale Kunden mit dem umfassenden Portfolio an Beratungs- und IT-Dienstleistungen versorgt. Dies wird den eingeschlagenen Wachstumskurs weiter unterstützen.
Andrea Buzzi, der bei adesso die neue Geschäftsstelle leitet, hat Stefano Rizzi, Leiter des Amts für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Tessin darüber befragt, was das Tessin als Standort so attraktiv macht:

Was macht den Kanton Tessin zu einem bedeutenden Innovationsstandort, der Talente aus ganz Europa anzieht?

Die Innovationsförderung stellt ein zentrales Element der Wirtschaftsentwicklungsstrategie des Kantons Tessin dar. Unser Kanton bietet insbesondere ein exzellentes akademisches Umfeld, welches die Universität und die Fachhochschule der italienischen Schweiz (USI und SUPSI), sowie mehrere Forschungsinstitute von Weltrang umfasst. Dazu gehören zum Beispiel das Forschungsinstitut für künstliche Intelligenz dalle Molle IDSIA oder das Forschungsinstitut für biomedizinische Forschung IRB. Auf dieser Basis konnte ein «regionales Innovationsystem» entwickelt werden, das alle Akteure auf einfache Weise miteinander vernetzt und optimale Bedingungen für die Realisierung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten bietet. In der Tat befindet sich das Tessin gemäss dem «Innovation Scoreboard 2019» der europäischen Kommission hinter Zürich auf dem zweiten absoluten Rang von 234 berücksichtigten Regionen Europas, dies insbesondere dank der innovativen Aktivitäten seiner KMU’s.

Weshalb ist die Region für Arbeitnehmer attraktiv?

Abgesehen von seiner strategischen Lage zwischen zwei der wichtigsten Wirtschaftsregionen Europas – 1,5 Stunden von Zürich und eine Stunde von Mailand entfernt – und seinem innovativen Umfeld, bietet das Tessin einen hervorragenden «Humus» für die Ansiedlung neuer Firmen. Unser Kanton ist Teil der «Greater Zurich Area» (GZA) und kann auf dem Arbeitsmarkt qualitativ hochstehende Berufsprofile zur Verfügung stellen. Ausserdem können Innovations- und R&D-Aktivitäten unter bestimmten Bedingungen mit à fonds perdu-Beiträgen und fiskalischen Vorteilen gefördert werden und so zur Schaffung von interessanten Arbeitsplätzen beitragen. Nicht zuletzt kommt dazu eine hervorragende Lebensqualität im Tessin, der Sonnenstube der Schweiz.
Stefano Rizzi
Stefano Rizzi
adesso
Stefano Rizzi hat an der Universität St. Gallen Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt auf kleine und mittlere Unternehmen studiert. Nach einer Tätigkeit in der Privatwirtschaft ist er seit Juli 2005 in der kantonalen Verwaltung tätig. Zunächst als Wirtschaftsberater des Amts für Wirtschaftsförderung und seit August 2009 als persönlicher Mitarbeiter im Stab der Direktion des Finanz- und Wirtschaftsdepartements. Seit dem 1. Januar 2012 ist er Direktor der Abteilung für Wirtschaft (www.ti.ch/economia). Stefano Rizzi bekleidet auch wichtige Ämter im Bereich des Arbeitsmarktes und der wirtschaftlichen Entwicklung: er ist Präsident der tripartiten Kommission (TPK) zum Vollzug der flankierenden Massnahmen im Rahmen der Personenfreizügigkeit, Präsident der Kommission für wirtschaftliche Innovation, Vizepräsident der Stiftung AGIRE, Stiftungsrat der Jubiläumsstiftung «Fondazione del Centenario» von BancaStato, Vizepräsident von «Ticino for Finance» und Mitglied der Jury des «Prix Swiss Venture Club» der italienischen Schweiz.

Für welche Branchen lohnt sich eine Produktionsverlagerung ins Tessin?

Vor allem für internationale Firmen, die im Tessin eine Niederlassung zur Produktion, Forschung und Entwicklung oder ein Welt-, EMEA oder Europa-Hauptquartier einrichten wollen. Anders gesagt, Innovations- oder Hightech-orientierte Unternehmen, die hochqualifiziertes Personal benötigen. Sie stammen vorwiegend aus den Schlüsselsektoren Life Sciences, Lifestyletech, Mechatronik, Blockchain und ganz allgemein ICT.

Wie schätzen Sie den Effekt der digitalen Transformation auf der Region ein?

Die «Digitale Transformation» muss proaktiv behandelt werden, um die möglichen Risiken zu minimieren und die Chancen zu nutzen. Mit diesem Ziel hat der Kanton Tessin in den letzten Jahren mehrere Massnahmen und Initiativen ausgebaut – wie das eben erwähnte umfassende «regionale Innovationssystem», die Stärkung der Innovationsförderungsstiftung «AGIRE» oder eine Förderstrategie für innovative Start-ups –, welche positive Synergien zwischen Behörden, Instituten und Partnern auf dem ganzen Kantonsgebiet schaffen. Parallel dazu können wir eine stetig wachsende Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Forschungsinstituten und eine sehr erfreuliche Zunahme von Forschungsprojekten (insbesondere Innosuisse) verzeichnen, welche auch dank der Unterstützungsbeiträge auf der Grundlage unseres Gesetzes über wirtschaftliche Innovation ermöglicht wird.

Wo sehen Sie die Positionierung bzw. die wirtschaftliche Bedeutung des Kantons Tessin in 10 Jahren?

Das Tessin muss seine Positionierung als «Innovationshub im Herz Europas» verstärken und konsolidieren. Um die bestehende positive Dynamik zu fördern, gibt es bereits einige interessante Projekte. Ich erwähne insbesondere unsere Kandidatur für den Anschluss an das Netzwerk Switzerland Innovation Park sowie die Schaffung von Kompetenzzentren in den Sektoren Life Sciences, Mechatronik, Drohnen sowie ICT (Blockchain, künstliche Intelligenz). Grosse Hoffnungen hegen wir auch in die bereits laufende Entwicklung des neuen Arbeits-, Bildungs- und Wohnquartiers und zukünftigen Standorts des Innovationsparks auf dem Areal des jetzigen SBB-Industriewerks gleich beim Bahnhof Bellinzona, das ab dem Jahr 2026 realisiert werden soll. Dieses Gebiet wird dank dem Gotthard- und dem Ceneri-Basistunnel nach Norden sowie nach Süden optimal vernetzt sein. Es hat das Potenzial, zu einem Leuchtturmprojekt der Innovation auf nationaler Ebene zu werden.
Zum Autor
Andrea Buzzi
adesso
Andrea Buzzi ist seit über 20 Jahren im Business- und IT-Consulting tätig und leitet bei der adesso Schweiz AG das schweizweit eingesetzte IT-Service Center in Lugano (TI-Shore). Er begleitet Kunden mit Beratungsdienstleistungen im Bereich Prozess Automation, Customer Engagement und Operational Excellence.
Zum Unternehmen: Die adesso Schweiz AG ist ein unabhängiger Beratungs- und IT-Dienstleister und konzentriert sich mit Consulting, individueller Softwareentwicklung und Software Integration auf die Kerngeschäftsprozesse von Unternehmen. Die Strategie von adesso beruht auf drei Säulen: einem umfassenden Branchen Know-how der Mitarbeitenden, einer breiten Technologiekompetenz und erprobten Methoden bei der Umsetzung von Softwareprojekten. Das Ergebnis sind IT-Lösungen, mit denen Unternehmen wettbewerbsfähiger werden. Die adesso Schweiz AG ist ein Unternehmen der adesso Group. Die adesso Group beschäftigt rund 4’200 Mitarbeitende an zahlreichen Standorten in Europa.
Mehr Informationen: www.adesso.ch/ti-shore
Dieser Beitrag wurde von adesso zur Verfügung gestellt und stellt die Sicht des Unternehmens dar. Computerworld übernimmt für dessen Inhalt keine Verantwortung.


Das könnte Sie auch interessieren