Blockchain-Hilfsprogramm 04.11.2020, 12:13 Uhr

Stadt Wetzikon unterstützt lokales Gewerbe mit «WetziKoins»

Die Stadt Wetzikon will mit einer neuen Plattform auf Blockchain-Basis das lokale Gewerbe unterstützen. Über diese können Wetzikerinnen und Wetziker eCoupons beziehen und bei Betrieben einlösen. Ein ähnliches Angebot richtete auch der Kanton Freiburg ein.
Die «ecoo»-App kann in den App-Stores von Google und Apple heruntergeladen werden
(Quelle: PD )
Die Corona-Krise belastet die gesamte Schweizer Wirtschaft. Schwierig ist die Situation jedoch besonders auch für kleinere Betriebe. Dem lokalen Gewerbe will deshalb nun die Stadt Wetzikon mit einer digitalen Lösung unter die Arme greifen. Und zwar entschied man sich dort, einen Teil des Corona-Rahmenkredits – rund 250'000 Schweizer Franken – in Form von elektronischen Gutscheinen à je 10 Franken an alle Einwohnerinnen und Einwohner von Wetzikon auszugeben, wie es in einer Mitteilung heisst. Sie sollen diese dann ausschliesslich bei Gewerbebetrieben in Wetzikon einlösen können.
Die Stadt setzt hierbei auf eine Plattform namens «ecoo», die gemeinsam von den Firmen DU DA, Papers und Farner Consulting entwickelt wurde. «ecoo» ermöglicht laut Communiqué die Ausgabe und das Management des Kreislaufs der eCoupons. Dabei werden die Coins in einer dazugehörigen Smartphone-App als Guthaben zur Verfügung gestellt. Nutzerinnen und Nutzer laden sich die «WetziKoins» im Wert von 10 Franken den Angaben zufolge nach einer Registrierung als Guthaben ins Wallet ihrer App. Wer kein Smartphone besitzt, kann sich den Gutschein persönlich im Stadthaus abholen. Die Gewerbebetriebe der Stadt kassieren diese ein und wechseln die gesammelten Coins bei der Stadt in Schweizer Franken um – auch das wird via App abgewickelt.
Gebaut ist «ecoo» gemäss Mitteilung auf der Tezos-Blockchain. Diese soll «die erforderliche kontinuierliche Ausbau- und Verbesserungsfähigkeit, Sicherheit und Kontinuität für langfristige Anwendungen» bieten. Für den Einsatz von Tezos spreche unter anderem, dass das Open-Source-Projekt auf einem Proof-of-Stake-System basiere und es über einen Live-Upgrade-Prozess verfüge. So entfalle für die Benutzer jeglicher Verwaltungsaufwand, Transaktionen könnten zudem in Echtzeit verfolgt und ausgewertet werden, heisst es weiter.

Nachhaltige Lösung

Bei der Stadt Wetzikon verspricht man sich, dass die digitale Gutschein-Aktion einen positiven Effekt mit Hebelwirkung für das lokale Gewerbe auslöst. «Im besten Fall berücksichtigt die Bevölkerung auch nach der Einlösung des eCoupons erneut die lokalen Geschäfte», wurde der Stadtpräsident Ruedi Rüfenacht in einer Mitteilung zur Lancierung der Aktion zitiert. Aus Sicht der Standortförderung würde er diese auch über die Corona-Krise hinaus begrüssen. Marc van Nuffel, der CEO von DU DA, sagt zum Projekt: «Es freut mich sehr, mit der Stadt Wetzikon in der Vorreiterrolle ‹ecoo› zu lancieren. Ich bin überzeugt, dass zweckgebundene Zahlungsmittel für Gemeinden und Städte, wie auch in vielen anderen Anwendungsfällen, ein grosses Potenzial für die Gesellschaft haben.»
Auf Anfrage von Computerworld teilt die Stadt Wetzikon mit, dass die Gutscheine, die noch bis Ende 2020 gültig sind, laufend von der Wetziker Bevölkerung eingelöst werden. Rund 35 Unternehmen beteiligten sich zurzeit an der Aktion. Solche, die sich noch nicht angemeldet haben, könnten sich weiterhin anschliessen. Bei der Beteiligung der Bevölkerung gibt es aber noch Potenzial. Laut den Angaben der Stadt wurde die App bislang von rund 500 Personen heruntergeladen. Zum Vergleich: Die Stadt Wetzikon hat mehr als 25'000 Einwohnerinnen und Einwohner.

Webbasierte Aktion im Kanton Freiburg

Ähnliche Projekte wurden auch andernorts eingerichtet. Der Kanton Freiburg lancierte beispielsweise bereits im Juli die Plattform «kariyon.ch». Ihr Hauptziel besteht gemäss Angaben des Kantons darin, durch die Vermarktung der lokalen Geschäfte und des freiburgischen Handwerks die Bevölkerung dazu anzuregen, lokal zu konsumieren. Zudem soll die Plattform den Gewerbetreibenden eine Schnittstelle, auf der sie ihre Gutscheine und ihre Informationen online effizient verwalten können, und Hilfe in Bezug auf die Digitalisierung bieten.
Über die Sofortmassnahme für Geschäfte, Restaurants und Dienstleistungsanbieter, die aufgrund des Lockdowns schliessen mussten oder Terroir Fribourg angeschlossen sind, seien bis Oktober insgesamt 17 Millionen Franken in die lokale Wirtschaft geflossen, teilte der Kanton kürzlich mit. Mitte Oktober beschloss der Grosse Rat, im Rahmen des Plans zur Wiederankurbelung zwei Millionen Franken nachzulegen. So können Freiburgerinnen und Freiburger ab dem 24. November über die Plattform erneut Kariyon-Gutscheine beziehen, für die man jeweils einen Rabatt von 10 Prozent erhält. Diese Kosten werden vom Staat übernommen.
Der Ausdruck «Kariyon» kommt übrigens aus dem freiburgischen Patois und steht für das Glockenklingeln, das ertönt, wenn Kundinnen und Kunden die Türe zu einem Geschäft öffnen.


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