Direkt aus dem Silicon Valley 02.03.2018, 14:35 Uhr

Frame bringt rechenintensive Anwendungen in die Cloud

Das US-Unternehmen Frame hat eine cloudbasierte Plattform entwickelt, mit der sich auch rechenintensive Windows-Anwendungen im Browser ausführen lassen. Frame spielte damit Grössen wie VMware und Microsoft aus – beide setzen mittlerweile auf die Lösung.
(Quelle: Frame)
Computerworld hat sich einer Gruppe europäischer Journalistinnen und Journalisten angeschlossen und ist mit ihnen nach San Francisco gereist, um abzuchecken, was das Silicon Valley an neuen Technologien im Bereich der Business- und IT-Applications zu bieten hat. Einen Zwischenhalt machte die Redaktion in San Mateo – rund 30 Kilometer südlich von San Francisco –, wo sich ein Büro des US-Unternehmens Frame befindet. Ihre Lösung bezeichnet die Firma ganz bescheiden als «next big thing» im End User Computing.
Frame entwickelte eine Plattform, mit der es möglich ist, auch ressourcenintensive Windows-Anwendungen in einer virtuellen Maschine in der Cloud auszuführen. Somit würden diese in den Webbrowsern Chrome, Firefox, Internet Explorer und Safari nutzbar und zwar auf jedem Device – egal ob Smartphone, Tablet oder PC, erklärt Carsten Puls, Chief Product Officer bei Frame. Im Prinzip lässt sich über den cloudbasierten Service etwa das rechenintensive Programm Photoshop auf einem Chromebook ausführen. Beim Einsatz im Business-Umfeld steht Administratoren ein Dashboard zur Verfügung, über das neue Anwendungen innert kürzester Zeit eingespielt und auf die verschiedenen Desktops verteilt werden können.
Abgerechnet wird Frame im Business-Modell monatlich pro User – die Preise beginnen bei 20 Dollar. Hinzu kommen allerdings noch die stündlichen Kosten für das Cloud-Computing. Da haben Nutzer die Wahl zwischen verschiedenen Leistungsmodellen mit bis zu 64 GB RAM für besonders rechenintensive Jobs. Ab einem Monatstarif von zehn Dollar bietet Frame seine Plattform auch Privatnutzern an, auch hier kommen noch zusätzliche Kosten für die Rechenleistung hinzu. Frame nutzt bereits die Cloud-Dienste Azure und AWS, die Google Cloud soll noch in diesem Jahr hinzukommen.

Ritterschlag

Frame wurde 2012 von den beiden serbischen Unternehmern Nikola Bozinovic und Ivan Vuckovic gegründet. Das Unternehmen konnte im letzten Jahr eine Series-A-Finanzierung über 16 Millionen US-Dollar abschliessen – mit Bain Capital Ventures als Lead-Investor. Weiter wurde Frame in der Vergangenheit unter anderem durch Microsoft Ventures und In-Q-Tel, dem Investitionsarm des US-Geheimdienstes CIA, unterstützt.
Carsten Puls demonstriert vor den Pressevertretern, was Frame auf dem Kasten hat
Quelle: lp/NMGZ
Mit seiner Lösung konkurrenziert Frame direkt mit den grossen Virtualisierungsspezialisten VMware und Citrix. Grosse Anbieter wie Microsoft und VMware stellten sich laut Angaben von Carsten Puls jedoch unterdessen auf die Seite von Frame. «Zwar boten diese mit RemoteApp und One App Express auch Lösungen an, die unserer nahe kamen, aber deren Funktionalität konnte Frame nie das Wasser reichen», sagt Puls. Deshalb setzt Microsoft mittlerweile auf die Plattform von Frame – ebenso VMware. Citrix fährt weiterhin mit der eigenen Lösung. «Citrix-Kunden konnten wir deshalb oftmals am einfachsten von unserer Technologie überzeugen, denn sie kannten sich mit Virtualisierung bereits aus, waren aber mit der Funktionalität von Citrix' Lösung unzufrieden.»

Breite Kundenbasis

Das mittlerweile fünfjährige Unternehmen hat sich in der Zwischenzeit einen ansehnlichen Kundenstamm erarbeitet. Dazu zählen unter anderem Adobe, Siemens, VMware, Autodesk, HP oder auch Solidworks. Grössere Projekte mit Frame wurden laut Carsten Puls auch im Schulbereich lanciert. Hierbei kooperiert die Firma aus San Mateo mit Adobe und dem amerikanischen Jahrbuch-Hersteller Jostens. Letzterer bietet Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit an, über ein Web-Interface in Adobe Photoshop Jahrbücher zu gestalten. Da kommt nun die Frame-Plattform zum Einsatz, damit das Bildbearbeitungsprogramm über den Browser irgendeines Rechners im Land genutzt werden kann. 
Gemäss Carsten Puls wuchs Frame in den vergangenen Jahren stark. 2016 verdreifachten sich die Einnahmen der Firma. Noch rentiere Frame aber nicht ganz, in Anbetracht des Alters der Firma handle es sich jedoch um ein eher geringes Defizit – zumindest für Silicon-Valley-Standards.


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