Wo der ICT-Franken hängen bleibt
Kommentar
Das Diagramm der umsatzstärksten ICT-Sparten zeigt eine klare Machtverteilung. Drei von vier Franken werden in Bereichen erwirtschaftet, die Technologie beschaffen, verbinden, betreiben oder in Geschäftsprozesse übersetzen.
Der Spitzenplatz der Dienstleistungen überrascht kaum. Je komplexer die IT-Landschaften werden, desto mehr Unterstützung wird benötigt. Neue Plattformen treffen auf ältere Systeme, Daten liegen an unterschiedlichen Orten und regulatorische Anforderungen nehmen zu. Davon profitieren Dienstleister. Erklärungsbedürftiger ist der zweite Platz von Verkauf und Distribution. Die Sparte gilt nicht als eigentliches Innovationszentrum, ihr hoher Anteil folgt jedoch der Marktstruktur. Die meisten Geräte, Komponenten und Systeme gelangen über Importeure, Distributoren und Handelspartner zu den Kunden. Der gesamte Warenwert läuft dabei durch deren Bücher, auch wenn die eigene Marge nur einen kleinen Teil davon ausmacht. Der Distributor entwickelt sich vom Zwischenhändler zur Drehscheibe eines umfangreichen Ökosystems.
Die starke Stellung der Telekommunikation folgt einer einfachen Logik: Ohne Verbindung findet Digitalisierung nicht statt. Mobilfunk, Festnetz, Glasfaser und Datennetze bilden die Grundversorgung der digitalen Wirtschaft. Hinzu kommt, dass Telekomunternehmen längst mehr als Verbindungen anbieten. Cloud-Anbindungen, Rechenzentren, Sicherheitsdienste, IoT und digitale Arbeitsplatzlösungen erweitern das Geschäft. Business-Software vervollständigt das Spitzenquartett. Ihr Anteil zeigt, wo Digitalisierung konkret wird: in Finanzwesen, Personal, Produktion, Logistik, Vertrieb und Kundenservice. Diese Anwendungen sind tief in den Betriebsabläufen verankert und lassen sich nicht kurzfristig ersetzen. Cloud-Abonnemente verstärken diesen Effekt, weil aus unregelmässigen Lizenzkäufen laufende Zahlungen werden. KI-Funktionen eröffnen zusätzliche Umsatzchancen. Ob der versprochene Produktivitätsgewinn eintritt, muss sich allerdings erst zeigen.
Das Diagramm zeigt weniger, welche Technologien gerade besonders angesagt sind. Es zeigt vielmehr, wo die wirtschaftlichen Schaltstellen des ICT-Markts liegen. Kleinere Sparten wie Netzwerktechnologie, Halbleiter, Peripherie oder Infrastrukturmanagement bleiben wichtige Bestandteile des Ganzen. Der grösste Teil des Umsatzes entsteht aber dort, wo Technologien zu nutzbaren, verfügbaren und dauerhaft betriebenen Lösungen verbunden werden. Genau dort bleibt der ICT-Franken am zuverlässigsten hängen.