Stand der Digitalisierung heute
Die Digitalisierung ist in den Unternehmen angekommen – aber längst nicht abgeschlossen. Wer heute digital erfolgreich sein will, braucht mehr als nur moderne Systeme. Gefragt ist ein Zusammenspiel aus Technologie, Organisation, Kultur, Governance und Geschäftsmodell. Der digitale Reifegrad entscheidet zunehmend über Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und Resilienz. Die folgenden Dimensionen zeigen, worauf es heute ankommt:
- Vom Werkzeug zum Ökosystem
Cloud-Plattformen haben sich in vielen Unternehmen etabliert – meist als hybride oder Multi-Cloud-Strategien. Gleichzeitig ermöglichen neue Technologien wie generative KI ganz neue Ansätze in der Automatisierung, Content-Produktion und Entscheidungsunterstützung. Daten gelten als zentrales Asset, doch ihre Nutzbarkeit hängt stark von Plattformstrategie, Integration und Governance ab. IT-Architekturen müssen heute nicht nur performant, sondern auch offen, skalierbar und sicher sein. Cybersecurity ist längst kein reines IT-Thema mehr, sondern ein strategischer Bestandteil der Unternehmensführung – insbesondere angesichts wachsender Bedrohungslagen und regulatorischer Anforderungen.
- Agilität und operative Exzellenz
In einer digitalisierten Welt gewinnen Anpassungsfähigkeit und Umsetzungsgeschwindigkeit an Bedeutung. Agile Methoden, iterative Entwicklung und crossfunktionale Teams sind heute fester Bestandteil moderner Organisationen. DevOps-Praktiken helfen, die Kluft zwischen Entwicklung und Betrieb zu überbrücken und erhöhen die Reaktionsfähigkeit auf Veränderungen. Gleichzeitig stehen Effizienz und Automatisierung hoch im Kurs: Durchgängige Prozesse, Plattformökonomien und API-getriebene Integration schaffen Voraussetzungen für Skalierbarkeit und Innovation. Die IT wird so vom Dienstleister zum Business-Enabler – mit wachsender Verantwortung für den Geschäftserfolg.
- Der Mensch im Mittelpunkt
Digitale Transformation gelingt nicht ohne den kulturellen Wandel. Es braucht Offenheit für Veränderung, Mut zum Experimentieren und die Fähigkeit, althergebrachte Strukturen zu hinterfragen. Die Nachfrage nach digitalen Kompetenzen steigt rasant – ebenso die Notwendigkeit, bestehende Mitarbeitende weiterzubilden oder umzuschulen. Gleichzeitig prägen hybride Arbeitsformen, Remote-Zusammenarbeit und neue Erwartungen an Führung und Kommunikation den Alltag. Moderne Unternehmen investieren nicht nur in Technologie, sondern auch in Vertrauen, Eigenverantwortung und ein gemeinsames digitales Verständnis.
- Sicherheit und Verantwortung
Der regulatorische Rahmen für Digitalisierung wird komplexer – Datenschutzgesetze, Cybersicherheitsrichtlinien (wie NIS2) und ESG-Vorgaben fordern Unternehmen auf mehreren Ebenen. IT-Governance wird zur Schlüsseldisziplin: Datenhoheit, Transparenz und Revisionssicherheit sind ebenso gefragt wie effiziente Steuerungsmechanismen. Auch Nachhaltigkeit rückt in den Fokus – ob durch energieeffiziente Rechenzentren oder «Green Coding». Die Frage der digitalen Souveränität wird zunehmend strategisch: Wer kontrolliert die Infrastruktur, auf der unsere Geschäftsprozesse laufen – und wie unabhängig wollen oder müssen wir sein?
- Von Produkten zu digitalen Services
Wertschöpfung verlagert sich zunehmend in den digitalen Raum. Klassische Produkte werden ergänzt oder ersetzt durch datenbasierte Dienstleistungen, Plattformmodelle und Subscription-Angebote. Kundinnen und Kunden erwarten nahtlose, digitale Erlebnisse – über alle Kanäle hinweg. Unternehmen setzen auf Personalisierung, Self-Service und Echtzeitinteraktion, um sich im Wettbewerb zu differenzieren. Plattformstrategien ermöglichen zudem neue Partner-Ökosysteme, Skaleneffekte und Marktzugänge – auch für kleinere oder hochspezialisierte Anbieter. Entscheidend ist: Digitalisierung darf kein Nebenschauplatz sein, sondern muss integraler Bestandteil des Geschäftsmodells sein.
Was kommt morgen auf uns zu?
Die Digitalisierung entwickelt sich nicht linear – sie ist geprägt von Sprüngen, Umbrüchen und neuen Paradigmen. Wer heute in Technologie investiert, muss nicht nur bestehende Herausforderungen lösen, sondern auch künftige Entwicklungen antizipieren. Klar ist: Die nächsten Jahre werden durch weitere Beschleunigung, technologische Disruption und neue Erwartungen an Unternehmen geprägt sein. Drei Entwicklungen stehen dabei besonders im Fokus:
1. Technologische Beschleunigung
Mit der massiven Verbreitung von generativer KI, der Weiterentwicklung von Quantencomputing und dem Vormarsch autonomer Systeme stehen Unternehmen vor einem neuen Innovationsschub. Diese Technologien versprechen Effizienzgewinne, neue Geschäftsmodelle – aber auch Unsicherheiten bei Ethik, Kontrolle und Regulierung. Gleichzeitig steigt der Druck, bestehende IT-Landschaften zu modernisieren und technologieoffen zu denken: Composable Architectures, API-Economy und Automation-First sind nur einige Stichworte, die die künftige IT-Landschaft prägen werden.
2. Neue Ansprüche an Führung und Organisation
Die digitale Transformation ist längst nicht mehr nur ein Projekt der IT – sie erfordert unternehmensweite Führung. In Zukunft wird es darauf ankommen, digitale Fähigkeiten breit zu verankern, Silos abzubauen und ein Umfeld zu schaffen, in dem Innovation gefördert und akzeptierte Fehler Teil der Lernkultur sind. Die Rolle des CIO wandelt sich dabei weiter: weg vom IT-Verwalter, hin zum strategischen Partner für Innovation, Transformation und Nachhaltigkeit. Auch Nachhaltigkeit wird nicht mehr nur als Compliance-Thema gesehen, sondern als integraler Bestandteil digitaler Strategien.
3. Strategische Weichenstellungen
Die Frage ist nicht mehr, ob man digitalisiert – sondern wie, wie schnell und mit welchen Partnern. Unternehmen müssen ihre digitale Souveränität sichern, Abhängigkeiten kritisch prüfen und datengetriebene Geschäftsmodelle nachhaltig gestalten. Dabei geht es nicht um Technologiefetischismus, sondern um Wertschöpfung, Resilienz und Relevanz. Der Standort Schweiz steht dabei gut da – mit hoher Innovationskraft, stabilen Strukturen und qualifizierten Fachkräften. Aber: Die Zukunftsfähigkeit wird davon abhängen, wie konsequent Unternehmen ihre Strategien auf eine digitale Realität ausrichten.
Digitalisierung trotz globaler Krisen
Die Digitalisierung findet nicht im luftleeren Raum statt. Ihre Entwicklung wird zunehmend durch geopolitische, gesellschaftliche und ökologische Spannungen beeinflusst: Kriege und Handelskonflikte gefährden globale Lieferketten und werfen Fragen nach digitaler Souveränität auf. Pandemien und Migration verlangen neue Formen von Verwaltung, Bildung und Gesundheitsversorgung. Klimakrisen und Ressourcenknappheit fordern Effizienz, Transparenz – und Verantwortung. Und mit wachsender Cyberkriminalität verschwimmt die Grenze zwischen realer und digitaler Bedrohung. In dieser Welt wird Digitalisierung zur doppelten Kraft: Sie kann Teil der Lösung sein – oder Teil des Problems.