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Lesedauer 4 Min.

Roboter treten bei Halbmarathon in China an

Ein Sportereignis als Blick in die Zukunft? In der chinesischen Hauptstadt Peking haben sich mehrere humanoide Roboter bei einem Halbmarathon mit Menschen gemessen.
© (Quelle: Youtube)

Die 21,0975 Kilometer lange Laufstrecke führte durch den Pekinger Stadtteil Yizhuang. 20 Unternehmen und Forschungseinrichtungen beteiligten sich mit ihren Modellen, die unter anderem die Regel erfüllen mussten, zwei Beine zu haben.

Manch ein Roboter blieb gleich beim Start liegen, wie in einer Übertragung des chinesischen Staatsfernsehens zu sehen war. Andere liefen so langsam, dass ihre Erbauer hintergehen konnten. Neben den Robotern hatten sich nach Veranstalterangaben mehr als 10'000 Menschen zu dem Lauf angemeldet.

Absperrungen trennten die Laufstrecke der Roboter von der ihrer menschlichen Konkurrenten. Zudem galten spezielle Regeln: Ingenieure durften bei ihren Hightech-Schützlingen nachjustieren, die sonst nicht ins Ziel gekommen wären. Dafür gab es allerdings Zeitstrafen.

Alles nur Show?

Wenig überraschend kam nach 1 Stunde 11 Minuten und 07 Sekunden ein Mensch und kein Roboter ins Ziel. Der schnellste Humanoid war «Tiangong» mit 2 Stunden 40 Minuten und 24 Sekunden. Ein zweiter Roboter folgte knapp eine Stunde danach. War der gross angekündigte und laut Veranstaltern weltweit erste Halbmarathon mit Robotern also nicht mehr als ein PR-Stunt?

«Generell testet so ein Wettbewerb natürlich die Einsatztauglichkeit von Humanoiden», sagt Expertin Maren Bennewitz von der Universität Bonn. Dies gelte nicht nur für die Hardware, sondern auch für die Software, erklärt die Professorin, die in Bonn an humanoiden Robotern forscht. Bei so einem Wettbewerb sei es eine der Herausforderungen, dass der Roboter seine Umgebung, also den Untergrund sowie die anderen Wettbewerbsteilnehmer, wahrnimmt und darauf reagiert.

«Der Halbmarathon in Peking ist meines Erachtens eindeutig eine PR-Aktion, um die technologische Exzellenz Chinas in diesem Bereich zu demonstrieren», sagt Daniel Rixen, Professor für angewandte Mechanik an der Technischen Universität München. Er vergleicht ihn mit der Formel 1, die Fähigkeiten moderner Technologie im Automotive-Bereich zur Schau stellt.

Kräftemessen zwischen USA und China

Die Herausforderungen, um die Roboter auf den Halbmarathon zu schicken, liegen Rixen zufolge darin, dass die Humanoiden energetisch effizient sind und über gute Energiequellen verfügen müssen. Die Komponenten müssen robust sein und den hohen dynamischen Belastungen standhalten können. Zudem muss die Bewegung des Roboters so geplant und gesteuert werden, dass dieser autonom und ohne zu stürzen, einem Pfad folge.

Der Lauf soll ein Wink an den grössten Technologie-Rivalen USA sein. Mit Washington ficht Peking derzeit einen erbitterten Zollstreit aus. Die US-Konkurrenz im Humanoid-Bereich um Figure AI, Tesla, Agility oder Boston Dynamics arbeitet an komplizierten Bewegungen und Denkfähigkeiten bei Künstlicher Intelligenz.

Doch im Tech-Rennen will China zeigen, dass es die Nase vorn hat. China habe sich einen technologischen Vorsprung bei Humanoiden aufgebaut, sagt Rixen. Dies sei das Ergebnis einer sehr aktiven Industrie, die in der Lage sei, hochmoderne Humanoide zu einem niedrigen Preis zu bauen.

Humanoide: Ein Zukunftsgeschäft?

Der Markt für Roboter verspricht in den kommenden Jahrzehnten Hunderte Milliarden US-Dollar wert zu werden. Wie die «Financial Times» jüngst berichtete, gehen Analysten grosser Banken davon aus, dass die jährlichen Verkäufe von Robotern bis 2050 bis zu 50 Millionen Stück erreichen könnten.

In Zukunft sollen Roboter nützliche Aufgaben erledigen. Chinas Firmen erproben Humanoide bereits als Arbeiter in Fabriken oder Lagern. Start-ups wie Unitree, AgiBot, Engine AI, Fourier oder UBTech, arbeiten mit solchen und anderen Robotern. Unitree will etwa mit dem staatlichen Autobauer Great Wall Motor bei einer Integration von Robotik in der Autoindustrie zusammenarbeiten. Die beiden Firmen wollen in Geländewagen «Roboterhunde» einbauen, die Ausrüstung transportieren könnten, wie Great Wall Motor mitteilte.

So mischt Chinas Regierung mit

Der Fortschritt in der Roboter-Technologie ist staatlich gewollt. Für 2025 schrieb sich Peking die Entwicklung des Bereichs in ihren Arbeitsbericht. Schon zu Jahresbeginn hatte der technologische Durchbruch des chinesischen KI-Unternehmens DeepSeek für viel Beachtung gesorgt. Nun will Peking auch mehr Geld für Zukunftsindustrien wie «verkörperte KI» schaffen, hatte die Regierung zum Volkskongress im März verkündet.

Was sich Peking auf die Fahnen schreibt, soll auch die eigenen Landsleute begeistern. Zur grossen Frühlingsfest-Gala im Januar liess Chinas Branchen-Primus Unitree etwa eine Gruppe von Robotern des Typs H1 vor Hunderten Millionen von Fernsehzuschauern einen Volkstanz aufführen.

Seitdem feiert die staatliche Propaganda regelmässig Erfolge von Robotern. In einem Park eines Pekinger Randbezirks patrouilliert die Polizei mittlerweile mit vierbeinigen, hundeartigen Robotern. Die mit Multispektralkameras und hochpräzisen Sensoren ausgestatteten Maschinen, seien die «jüngste Innovation in Pekings laufenden Bemühungen um den Aufbau einer intelligenten Stadt», schreibt die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.

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