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Nachhaltigkeit von Rechenzentren

Am 16. September 2024 lud die «Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit» (Parldigi) ins Bundeshaus ein. Zum Thema «Nachhaltigkeit von Rechenzentren» referierten Experten aus Politik, Wirtschaft und Forschung.
Astrid Benz, und Benjamin Megerle (beide Energie 360°), Dr. Jan Bieser (Berner Fachhochschule), Niklaus Hug (NTS) und Yves Zischek (Digital Realty) v.l.n.r.
© (Quelle: Rüdiger R. Sellin)

Im Zentrum der Vorträge und der nachfolgenden Diskussion standen die Auswirkungen von Rechenzentren (RZ) auf unser Klima. Wie nachhaltig sind Schweizer Datacenter? Wie können sie klimafreundlich betrieben werden? Und welchen Beitrag leisten sie im Zuge der Digitalisierung für die Nachhaltigkeit?

NTS Workspace AG, Bern

Nach Begrüssung und Einführung durch Min Li Marti (Nationalrätin und Parldigi Co-Präsidentin) berichtete Niklaus Hug (CEO NTS) von den Erfahrungen bei der NTS Workspace AG. Das vor 20 Jahren gegründete Berner Unternehmen betreibt einen schweizweiten Glasfaser-Backbone sowie drei RZ in Bern und Zürich. Das RZ Colobern Nord² wurde 2018/2019 entsprechend den neuesten Anforderungen geplant und erstellt. Es ist vom Uptime Institut nach Tier IV zertifiziert. Das Datacenter wurde so ausgelegt, dass innert kurzer Zeit Racks und auch private Cages/Suites verfügbar sind. Zudem betreibt NTS mehrere eigene Photovoltaik(PV)-Anlagen, um einen Teil der verbrauchten Energie selbst zu erzeugen.

Digital Realty, Zürich

Diesen Sommer wurde die Firma Digital Realty von der Swiss Datacenter Efficiency Association (SDEA) für ihre Energieeffizienz und die tiefen CO2-Emissionen ausgezeichnet. Sie betreibt in Glattbrugg die Rechenzentren ZUR1 und ZUR2. Yves Zischek (Managing Director) stellte ZUR2 als erstes SDEA Gold+ zertifizierte RZ der Schweiz vor. Zur Erhöhung der Energieeffizienz ihrer RZ optimierte Digital Realty z.B. die Auswahl von Luftfiltern und die Einstellungen der Kondensatorpumpen. Man rechne zudem mit einem Einsparpotential von 15-20'000 t CO2 aus Fernwärmeprojekten, was 5,6 Mio. Liter Heizöl entspricht. Zischek stellte etwas ernüchtert fest, dass der Föderalismus der Schweiz die Digitalisierung der Schweiz bremse, da jeder Kanton seine eigene Digitalisierungsstrategie entwickle.

Energie 360°, Zürich

Das Potential von RZ für Energieverbunde beleuchteten Astrid Benz (Fachexpertin Energie- & Umweltpolitik Energie 360°) und Benjamin Megerle (Gesamtprojektleiter Lösungen Energie 360°). Das Unternehmen mit Hauptsitz in Zürich bietet massgeschneiderte, umweltfreundliche Energielösungen und will dazu bis 2040 ausschliesslich erneuerbare Energiequellen nutzen. Das Unternehmen befindet sich in einer tiefen Transformation und untersucht dabei die vier Bereiche Biomasse, Geothermie, Umweltwärme und Abwärme. Am vielversprechendsten verlaufe zurzeit die Nutzung von Umweltwärme (Seewasser aus dem Zürichsee und dem Lac Leman) sowie die Nutzung von RZ-Abwärme.

Forschungen an der BFH

Die technische Entwicklung mache grosse Fortschritte, sagte Prof. Dr. Jan Bieser, Professor für Digitalisierung und Nachhaltigkeit an der Berner Fachhochschule (BFH). So führten neue Prozessor-Architekturen trotz höherer Prozessing Power zu deutlich tieferen Energieverbräuchen und somit zu weniger Abwärme. Da aber immer mehr Prozessorleistung benötigt würde, gleiche das Wachstum die Effizienzgewinne meist aus oder führe sogar zu erhöhtem Stromverbrauch. Die kritischen Folgen der IT-Branche gingen jedoch über den reinen Energieverbrauch hinaus.

Fazit

Nach einer Diskussionsrunde, die durch Prof. Dr. Matthias Stürmer (Geschäftsführer Parldigi) moderiert wurde, verabschiedete Franz Grüter (Nationalrat und Parldigi Co-Präsident) die Besucher. Die Schweiz habe die weltweit grösste Dichte von RZ pro Kopf der Bevölkerung. Trotzdem existiere keine Raumplanung, welche Rechenzentren berücksichtige, was jedoch für die Abwärmenutzung in der Nähe der Verbraucher von zentraler Wichtigkeit sei. Grüter bemerkte, dass es zum Stromverbrauch von Datacentern keine verlässliche Zahlen gebe. Die letzten Schätzungen für die Schweiz stammen von 2021 und sind vage. Hier bleibe noch viel zu tun – vielleicht eine Aufgabe für das Bundesamt für Energie?

Parldigi

Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit (Parldigi)

Die 2009 gegründete Parldigi ist eine interfraktionelle Vereinigung und im Verzeichnis der parlamentarischen Gruppen der Bundesversammlung eingetragen. Sie setzt sich für einen nachhaltigen Umgang mit Wissensgütern ein und nutzt dazu parlamentarische Vorstösse, Dinner Anlässe, Open Hearings, Medienmitteilungen sowie Blog-Einträge. Parldigi gehören rund 40 Mitglieder des National- und Ständerats aus den Parteien FDP, SP, SVP, Mitte, Grüne, GLP und EVP an. Seit 2021 führt der Verein Parldigi die Geschäftsstelle der parlamentarischen Gruppe. Mitglieder des Vereins können Juristische Personen (Firmen, Verbände etc.) sowie Amtsträgerinnen und Amtsträger aus allen föderalen Stufen werden.

Weitere Informationen unter www.parldigi.ch.

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