«Erfolg entsteht nur durch Vertrauen»
Interview mit Martin Kull
Als Managing Director DACH und Osteuropa bei Orange Business war Martin Kull in einer komfortablen Führungsposition. Dann entschied sich der Top-Manager plötzlich für einen Neuanfang. Disruptiv und doch irgendwie logisch. Wir sprechen über Hintergründe und Erfahrungen.
Computerworld: Martin, du bist schon lange im IT-Business tätig. Wie bist du gestartet?
Martin Kull: Den Anfang nahm meine Laufbahn bei der Etrali S.A., einem Produkthaus und Systemintegrator für die Finanzindustrie, deren Schweizer Niederlassung ich von einem kleinen Unternehmen mit 800'000 Franken Umsatz und 14 Mitarbeitenden zu einer etablierten Marke und einem höchst profitablen Standort ausbauen konnte. Später wurde die Etrali S.A. erfolgreich an France Télécom verkauft. Eine weitere wichtige Station war Avaya, wo ich mehrere Jahre als Managing Director tätig war. Die letzte prägende Etappe erlebte ich in den acht Jahren bei Orange Business.
CW: Bestimmt auch ein emotionaler Entscheid.
Kull: Auf jeden Fall. Man bleibt nicht so lange bei einem Unternehmen, ohne dass man ohne Emotionen weggeht. Inzwischen fühle ich mich entspannt und bestätigt, dass es für mich der richtige Entscheid war, loszulassen und ein neues Kapitel einzuläuten.
CW: Lassen wir die Vergangenheit auf sich beruhen. Du verfügst über sehr viel Erfahrung im Management von IT-Firmen. Was war dein Antrieb über all die Jahre in deiner Karriere als Führungskraft?
Kull: Bis zu einem gewissen Punkt muss ich wohl ein Masochist sein (lacht). Ich bin selbstgetrieben und versuche stets, das Beste für meine Mitarbeitenden zu erreichen. Für mich war es immer wichtig, dass meine Mitarbeitenden erfolgreich sein konnten. Deshalb habe ich sie stets gefördert. Okay, das haben jene vielleicht nicht so empfunden, welche ihre eigene Agenda hatten und selbst nicht restlos überzeugt waren.
CW: Das tönt eher harmlos und konform. Wie bist du wirklich?
Kull: Ich bin sicher eher auf der disruptiven Seite, um das diplomatisch zu sagen. Das heisst, wenn es zu ruhig und bequem wird, fange ich an die Dinge zu hinterfragen. Ich bin fest überzeugt, dass ein stetiger Wandel nötig ist, damit die Leute nicht einschlafen. Einer Firma, einem Team tut es gut, immer wieder neue Herausforderungen zu haben. Das heisst konkret, den Kunden zuzuhören und gemeinsam innovativ zu sein. Nicht einfach, Bestehendes zu akzeptieren, sondern zu hinterfragen und besser zu machen. Eine Transformation ist nie abgeschlossen. Alles Vorhandene – Firma, Team, Produkte, Strategie – muss immer wieder auf den Prüfstand. Ich betone, Transformation ist ein laufender Prozess.
CW: Resignieren dann die Mitarbeitenden nicht irgendwann und sagen, ich weiss nicht was morgen ist, daher mache ich mal gar nichts?
Kull: Transformation heisst ja nicht, dass man jeden Tag etwas Neues erfinden muss. Aber wenn Kunden beispielsweise nach neuen Lösungen suchen, weil sie unter Umständen mit bestehenden Technologien nicht mehr zufrieden sind, dann braucht es den Mut, bestehende Produkte zu hinterfragen und bessere, innovativere Ansätze zu suchen. Das verstehe ich unter Transformation. Es ist die Bereitschaft, neue Wege zu gehen.