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Die Zürcher Datenleck-Affäre: Heikle Personendaten landen im Milieu

Eine bekannte Figur aus dem Zürcher Drogen- und Sexmilieu brachte die Datenleck-Affäre im Jahr 2022 ins Rollen. Bei seinem eigenen Gerichtsprozess wegen Drogenhandels überreichte er Behördenvertretern und Journalisten einen Bundesordner voller heikler Daten.
© (Quelle: Jens Stark/NMGZ)

An diese Daten sei er vor Jahren über seinen Bruder gelangt, sagte der Hinweisgeber beim Gerichtsprozess. Der Bruder habe früher im Auftrag der Informatikabteilung der kantonalen Justizdirektion Computer, Festplatten und USB-Sticks entsorgt.

Wenige Wochen später fuhr die Milieu-Figur vor dem Kantonsratsgebäude vor und schob einen Rollwagen mit Akten und Festplatten ins Foyer. Er wolle die Sachen «zurückbringen», sagte er zu den erstaunten Ratsmitgliedern.

Die Ermittlungen ergaben, dass die Justizdirektion ab dem Jahr 2002 wohl rund 2700 Computer sowie unzählige Festplatten und USB-Sticks bei einem externen Dienstleister, dem Bruder des Hinweisgebers, entsorgen liess. Der Bruder fuhr jeweils mit einem Lieferwagen vor und lud den Elektroschrott der Justizdirektion ein.

An zehn verschiedenen Orten fanden die Ermittler schliesslich noch über 200 Festplatten und USB-Sticks. Gelöscht waren die Daten offensichtlich nicht. So war beispielsweise ersichtlich, wer in welche Strafverfahren verwickelt war.

Schriftlich festgehalten wurden die Entsorgungsaktionen nicht. Ab 2010 war der Mann nicht mehr in die Entsorgungen involviert, ab diesem Zeitpunkt gibt es auch Löschzertifikate.

Die Datenleck-Affäre sorgte für breite Kritik in den Medien und der Politik. Auch Justizdirektorin Jacqueline Fehr (SP) geriet unter Druck, obwohl sich die fragwürdigen Entsorgungsaktionen lange vor ihrer Amtszeit ereigneten.

Strafrechtliche Folgen hat die Affäre nicht. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen ein, weil sie keiner Person innerhalb oder ausserhalb der Justizdirektion allfällige strafbare Handlungen nachweisen konnte.

Politik Recht
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