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Router unter Verdacht: Neue Debatte um Europas Netze

Cloud, KI und Halbleiter stehen seit Jahren im Fokus der Debatte um digitale Souveränität. Nun rücken europäische Hersteller ein weiteres Element der digitalen Infrastruktur ins Rampenlicht: den Router. Eine neue Studie und die Herstellerallianz SAFENet sehen hier ein bislang unterschätztes Sicherheits- und Abhängigkeitsrisiko.
Router unter Verdacht

Neue Studie, neue Forderungen: Europäische Hersteller sehen Router als kritische Infrastruktur und fordern mehr Aufmerksamkeit für Sicherheit und Herkunft der Geräte

© ChatGPT

Wer über digitale Souveränität spricht, denkt meist an Rechenzentren, Cloud-Dienste oder künstliche Intelligenz. Router spielen in dieser Diskussion bislang kaum eine Rolle. Das wollen mehrere europäische Netzwerkausrüster ändern.

Mit SAFENet (Sovereignty Alliance for European Network Technology) haben sich die Hersteller Fritz, Devolo, Lancom und TDT zusammengeschlossen. Ihr Ziel: Router und andere Netzwerkkomponenten sollen in Europa ähnlich kritisch betrachtet werden wie Mobilfunknetze oder Cloud-Infrastrukturen.

Auslöser ist eine gemeinsam mit der Innovate Europe Foundation (IE.F) veröffentlichte Studie. Ihr zufolge laufen rund 93 Prozent des europäischen Internetverkehrs über Router und Heimnetz-Gateways, während lediglich etwa sieben Prozent auf Mobilfunknetze entfallen. Gleichzeitig sollen chinesische Hersteller inzwischen knapp 40 Prozent des europäischen Routermarktes kontrollieren.

Nach Ansicht der Studienautoren entsteht dadurch eine strategische Abhängigkeit. Da Router als Schnittstelle zwischen Internet und lokalem Netzwerk fungieren, könnten Sicherheitslücken oder kompromittierte Firmware weitreichende Folgen haben. Die Studie verweist dabei auf Risiken wie Datenausleitung, Botnetze oder staatlichen Einfluss auf Hersteller ausserhalb Europas.

Anlehnung an die 5G-Debatte

Die Forderungen erinnern an die Diskussion um Huawei und ZTE im Mobilfunknetz. SAFENet plädiert für eine Art «Router Security Toolbox» nach dem Vorbild der europäischen 5G-Toolbox. Zudem sollen Hersteller und Provider transparenter offenlegen, wo Hardware, Firmware und Software-Updates entwickelt und produziert werden. Öffentliche Einrichtungen und Betreiber kritischer Infrastrukturen sollen verstärkt auf europäische Anbieter setzen.

Allerdings verweisen Beobachter darauf, dass Sicherheitsprobleme nicht allein von der Herkunft eines Herstellers abhängen. Fachleute sehen seit Jahren veraltete Firmware und fehlende Sicherheitsupdates als zentrale Schwachstellen vieler Router. Ungepatchte Geräte gelten regelmässig als Einfallstor für Cyberangriffe und Botnetze.

Relevanz für den Handel

Für den TK-Fachhandel dürfte die Diskussion dennoch interessant werden. Router, Mesh-Systeme und Netzwerkkomponenten gehören bei vielen Händlern längst zum Standardportfolio. Sollten Fragen nach Herkunft, Lieferketten und Sicherheitsanforderungen künftig stärker in politische Vorgaben oder öffentliche Ausschreibungen einfliessen, könnte dies auch Auswirkungen auf Produktauswahl und Beratung haben.

Noch handelt es sich bei den Forderungen um Vorschläge einer Herstellerallianz. Die Debatte zeigt jedoch, dass sich die Diskussion um digitale Souveränität zunehmend auf weitere Bereiche der IT-Infrastruktur ausdehnt. Nach Cloud, KI, Halbleitern und Mobilfunknetzen rücken nun auch die Geräte in den Fokus, über die der Grossteil des europäischen Internetverkehrs läuft.

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