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«Die nächste Evolutionsstufe von SASE wird im Betrieb entschieden»

Open Systems-CEO Dennis Monner und CPO Stefan Keller über SASE, digitale Souveränität und die Transformation vom Service-Anbieter zur Plattform-Company.

Stefan Keller und Dennis Monner (rechts): «Die nächste Evolutionsstufe von SASE wird nicht durch zusätzliche Funktionen definiert, sondern durch die Fähigkeit, Netzwerk- und Security-Operations intelligent, automatisiert und skalierbar zu betreiben.»

© Computerworld
Dennis Monner (CEO) und Stefan Keller (CPO) von Open Systems sind überzeugt, dass europäische Cybersecurity-Anbieter dank technischer Kompetenz, Souveränität und operativer Qualität sich durchaus gegenüber den US-Platzhirschen behaupten können. Wir haben nachgefragt.

Computerworld: Herr Monner, zuerst eine Frage an Sie: Was hat Sie an der Aufgabe als CEO bei Open Systems besonders gereizt, als Sie dort  im Oktober 2025 nach der Übernahme durch die Schweizerische Post eingestiegen sind. 

Dennis Monner: Es waren eigentlich mehrere Faktoren. Zum einen habe ich meine gesamte Karriere im Cybersecurity- und Netzwerkumfeld verbracht und Open Systems immer wieder als Wettbewerber erlebt. Als Chief Commercial Officer bei Aryaka Networks sind wir uns in Ausschreibungen regelmässig begegnet. Dabei hatte ich oft das Gefühl, dass Open Systems technologisch stärker ist, als viele im Markt wahrnehmen. Nach meinen ersten Monaten hier hat sich dieser Eindruck bestätigt. Wir verfügen über einen hervorragenden Technologie-Stack, starke Teams und eine einzigartige Security- und Operations-DNA. Gleichzeitig habe ich gesehen, dass in Open Systems deutlich mehr steckt, als der Markt bisher wahrgenommen hat. Genau dieses Potenzial sichtbar zu machen und das Unternehmen in die nächste Wachstumsphase zu führen, hat mich besonders gereizt.

CW: Sie sprechen von Sichtbarkeit. Ist das die grösste Herausforderung?

Dennis Monner: Unsere Herausforderung ist heute grösser als reine Sichtbarkeit. Wir befinden uns in einer entscheidenden Wachstumsphase. Wir entwickeln Open Systems konsequent weiter – von einem Unternehmen, das primär über Service wahrgenommen wurde, hin zu einer Plattformfirma mit eigener Kategorie. Diese Transformation verändert nicht nur unser Geschäftsmodell, sondern auch unsere Rolle im Markt.

Stefan Keller: Unser Fokus lag und liegt darauf, Probleme zu lösen, stabile Plattformen zu bauen und unsere Kunden erfolgreich zu machen. Vielleicht haben wir deshalb manchmal zu wenig darüber gesprochen, was wir eigentlich leisten. Wir sind ein Unternehmen von Ingenieuren. Da steht oft die technische Herausforderung im Vordergrund und weniger die Frage, wie man eine Geschichte erzählt.

Kunden kaufen Sicherheit, Verfügbarkeit und operative Entlastung; genau daran messen wir uns, erklärt Dennis Monner.

© Computerworld

CW: Der Cybersecurity-Markt wird von amerikanischen Anbietern dominiert. Wo liegen die Chancen für Schweizer Unternehmen?

Monner: US-Anbieter verfügen über enorme Ressourcen und eine starke Marktpräsenz. Entscheidend ist jedoch, wer die Probleme der Kunden am besten löst. Wir konkurrieren nicht mit amerikanischen Anbietern, weil wir Schweizer sind. Wir konkurrieren mit ihnen, weil wir technologisch und operativ in derselben Liga spielen. Gleichzeitig verschieben sich die Bewertungskriterien im Markt. Resilienz, Transparenz und digitale Souveränität werden zunehmend zu strategischen Faktoren. Das spielt europäischen Anbietern in die Karten.

Keller: Aus technischer Sicht sehen wir noch einen weiteren Aspekt. Viele Anbieter liefern hervorragende Produkte, überlassen den Betrieb aber weitgehend dem Kunden oder einem Partner. Wir entwickeln unsere Plattform nicht nur selbst, sondern betreiben sie auch. Dadurch fliessen Erfahrungen aus dem täglichen Betrieb direkt zurück in die Weiterentwicklung. Gerade bei sicherheitskritischen Anwendungen wird das immer wichtiger. Kunden wollen heute nicht nur eine Liste von Features, sondern einen Partner, der Verantwortung übernimmt und die Lösung im Alltag zuverlässig betreibt. Genau dort sehen wir eine grosse Chance – denn Operations und Betrieb werden zunehmend zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal.

CW: Reicht das aus? Schweizer Qualität allein gewinnt heute kaum noch einen Wettbewerb.

Monner: Da stimme ich Ihnen zu. Niemand kauft heute eine Security-Lösung allein wegen ihrer Herkunft. Am Ende zählt nicht die Anzahl Features, sondern das Ergebnis. Kunden kaufen Sicherheit, Verfügbarkeit und operative Entlastung. Genau daran messen wir uns.

Digitale Souveränität entwickelt sich gerade von einem Compliance-Thema zu einer strategischen Managementfrage. 

Dennis Monner

CW: Viele Anbieter sprechen über SASE. Was unterscheidet Open Systems von den grossen internationalen Plattformen?

Monner: Der Unterschied liegt im Betriebsmodell. Viele Anbieter konzentrieren sich darauf, immer mehr Technologien in eine Plattform zu integrieren. Wir glauben, dass die eigentliche Herausforderung inzwischen eine andere ist: der Betrieb. Denn Unternehmen kämpfen v.a. mit Komplexität. Deshalb entwickeln wir unsere Plattform konsequent weiter. Kunden sollen selbst entscheiden können, ob sie die Plattform direkt nutzen, durch KI-gestützte Workflows beschleunigen oder als Managed Service beziehen. Die nächste Evolutionsstufe von SASE wird nicht durch zusätzliche Funktionen definiert, sondern durch die Fähigkeit, Netzwerk- und Security-Operations intelligent, automatisiert und skalierbar zu betreiben.

Keller: Genau darin liegt ein wesentlicher Unterschied. Wir gehören zu den wenigen SASE-Anbietern weltweit, die Technologie und Betrieb aus einer Hand liefern. Dadurch denken wir Security konsequent End-to-End. Es geht nicht darum, möglichst viele Features bereitzustellen. Entscheidend ist, dass die Lösung im Alltag zuverlässig funktioniert und Probleme tatsächlich löst.

CW: Viele Unternehmen kämpfen mit immer komplexeren Security-Stacks. Wird Managed Security wichtiger?

Monner: Definitiv. Wir sehen gerade, wie sich Managed Security vom Zusatzangebot zum strategischen Betriebsmodell entwickelt. Gleichzeitig erwarten Kunden heute mehr Flexibilität. Sie wollen selbst steuern können, wo sie Kontrolle behalten, wo sie KI nutzen und wo sie Verantwortung an einen Partner übertragen. Genau deshalb entwickeln wir Open Systems von einem service-dominierten Modell zu einer Plattform, die alle drei Betriebsmodelle unterstützt.

Keller: Die Komplexität ist wie bereits gesagt in den letzten Jahren massiv gestiegen. Aus technischer Sicht wird deshalb Integration zunehmend wichtiger als zusätzliche Funktionen. Die Herausforderung besteht nicht darin, noch ein weiteres Security-Tool einzuführen, sondern die vorhandenen Komponenten effizient zu betreiben und sinnvoll miteinander zu verbinden.

CW: Datensouveränität ist derzeit eines der grossen Schlagworte der Branche. Wie beurteilen Sie diesen Trend?

Monner: Digitale Souveränität entwickelt sich gerade von einem Compliance-Thema zu einer strategischen Managementfrage. Vor fünf Jahren spielte die Herkunft eines Technologieanbieters bei vielen Beschaffungsentscheiden nur eine Nebenrolle. Heute wollen Unternehmen verstehen, wo ihre Daten liegen, welchem Rechtsraum sie unterstehen und welche Abhängigkeiten dadurch entstehen. Dabei geht es nicht um Ideologie, sondern um Risikomanagement und Resilienz.

Stefan Keller, Open Systems: «Wir gehören zu den wenigen SASE-Anbietern weltweit, die Technologie und Betrieb aus einer Hand liefern. Dadurch denken wir Security konsequent End-to-End.»

© Computerworld

CW: Viele amerikanische Anbieter werben inzwischen ebenfalls mit Souveränität...

Monner: Das zeigt vor allem, wie relevant das Thema geworden ist. Gleichzeitig reicht es nicht mehr, Souveränität zu behaupten. Kunden verlangen Transparenz. Sie wollen verstehen, wie Daten verarbeitet werden, welche Abhängigkeiten bestehen und welche Optionen sie im Bedarfsfall haben. Genau deshalb sprechen wir lieber über Wahlfreiheit und Kontrolle als über Marketingbegriffe.

Keller: Wichtig ist, Souveränität nicht auf die Frage «USA oder nicht USA» zu reduzieren. Entscheidend ist, dass Unternehmen echte Optionen haben und die Kontrolle behalten.

CW: Welche technologischen Entwicklungen werden den Markt in den kommenden Jahren prägen?

Monner: KI wird den Security-Markt grundlegend verändern. Nicht nur, weil Analysten produktiver werden, sondern weil sich ganze Betriebsmodelle verändern. Unser Ziel ist es, operative Intelligenz zunehmend direkt in die Plattform einzubetten. KI ist für uns kein Zusatzfeature, sondern ein zentraler Baustein auf dem Weg zu einem intelligenteren und zunehmend autonomen Netzwerk- und Security-Betrieb. Die Kombination aus Plattform, Daten und operativer Erfahrung eröffnet Möglichkeiten, die weit über klassische Automatisierung hinausgehen.

CW: Fachkräftemangel bleibt dennoch ein Problem. Wie gelingt es Ihnen, Talente zu gewinnen?

Keller: Natürlich konkurrieren wir mit internationalen Technologiekonzernen um dieselben Fachkräfte. Deshalb müssen wir mehr bieten als nur interessante Aufgaben. Kontinuierliches Lernen ist Teil unserer Unternehmenskultur. Unsere Teams arbeiten interdisziplinär und übernehmen früh Verantwortung. Dadurch entsteht ein sehr breites Know-how.

Monner: Wir glauben nicht, dass man im Wettbewerb um Talente nur über Gehälter gewinnt. Menschen wollen lernen, Verantwortung übernehmen und an relevanten Problemen arbeiten. Unser Operations Center auf Hawaii ist ein gutes Beispiel dafür. Dort arbeiten Mitarbeitende aus Zürich für mehrere Monate gemeinsam mit internationalen Teams. Solche Erfahrungen prägen Menschen, und sie stärken gleichzeitig unser Unternehmen.
 

Wichtig ist, Souveränität nicht auf die Frage «USA oder nicht USA» zu reduzieren. Entscheidend ist, dass Unternehmen echte Optionen haben und die Kontrolle behalten.

Stefan Keller

CW: Europa bleibt Ihr Kernmarkt. Wo sehen Sie die grössten Wachstumschancen?

Monner: Europa befindet sich in einem strategischen Moment. Themen wie digitale Souveränität, Resilienz und geopolitische Risiken stehen heute auf der Agenda von Verwaltungsräten und Geschäftsleitungen. Gleichzeitig suchen viele Unternehmen nach Alternativen zu den etablierten Plattformanbietern. Wir sehen uns hervorragend positioniert, diese Entwicklung mitzugestalten.

CW: Welche Rolle spielt die Schweizerische Post als Eigentümerin?

Monner: Die Kombination ist aussergewöhnlich. Auf der einen Seite haben wir die Stabilität und Langfristigkeit eines Eigentümers wie der Schweizerischen Post. Auf der anderen Seite verfolgen wir ambitionierte Wachstumsziele. Genau diese Kombination ermöglicht es uns, langfristig zu investieren und gleichzeitig den Markt aktiv mitzugestalten.

CW: Was braucht es heute, um als Cybersecurity-Anbieter international relevant zu sein?

Monner: Grösse allein reicht nicht mehr. Entscheidend sind Glaubwürdigkeit, operative Exzellenz und eine klare Positionierung. Open Systems verfügt über eine eigenentwickelte Plattform, jahrzehntelange Erfahrung im globalen Betrieb und eine einzigartige Security- und Operations-DNA. Unser Anspruch ist klar: Wir wollen der führende europäische Anbieter für die nächste Generation von SASE und Security Operations werden. Gleichzeitig wollen wir die nächste Evolutionsstufe von SASE mitgestalten – mit einer Plattform, die Kunden direkt nutzen, durch KI beschleunigen oder als Managed Service beziehen können. Genau darin sehen wir die grösste Wachstumschance der kommenden Jahre.

Keller: Internationale Relevanz entsteht nicht durch die längste Feature-Liste, sondern durch die Fähigkeit, komplexe Technologien in eine funktionierende Gesamtlösung zu integrieren. Kunden erwarten heute Plattformen, die Sicherheit vereinfachen, statt zusätzliche Komplexität zu schaffen. Genau darauf fokussieren wir uns.

Open Systems

Das Unternehmen ist ein Schweizer Anbieter für sichere Konnektivität und Cybersecurity mit Hauptsitz in Zürich. Es entwickelt und betreibt eine globale SASE-Plattform, die Netzwerk-, Sicherheits- und Betriebsfunktionen in einem integrierten Modell verbindet. Internationale Organisationen vertrauen auf Open Systems, um ihre Standorte, Mitarbeitenden und kritischen Anwendungen weltweit sicher zu vernetzen und zu schützen. 1990 gegründet, gehört Open Systems seit 2024 zur Schweizerischen Post.
open-systems.com

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