«Jede Lieferkette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied»
Lieferketten hätten lange Zeit weitgehend stabil funktioniert, so Klausner. Angebot und Nachfrage seien relativ gut planbar gewesen. Inzwischen hätten sich jedoch sowohl Nachfrage als auch Verfügbarkeit massiv verändert. Bereits einzelne Störungen – etwa blockierte Häfen oder fehlende Komponenten – könnten Dominoeffekte über ganze Industrien hinweg auslösen. Vor diesem Hintergrund gewinne die sogenannte Supply Chain Orchestration an Bedeutung. Ziel sei es, Prozesse über Unternehmensgrenzen hinweg besser zu koordinieren, frühzeitig auf Veränderungen zu reagieren und Entscheidungen stärker zu automatisieren. Unternehmen müssten dazu enger mit Lieferanten, Partnern und Kunden zusammenarbeiten und Daten wie Produktionskapazitäten oder Nachfragesituationen austauschen.
Technologie allein reicht nicht aus
Klausner betont, dass Herausforderungen in der Supply Chain selten nur technologischer Natur seien. Vielmehr müssten Prozesse, IT und Mitarbeitende zusammenspielen. Lieferketten seien kontinuierlichen Veränderungen unterworfen und müssten laufend angepasst werden. Als zentrale technologische Grundlage nennt SAP die SAP Business Technology Platform. Die Plattform solle Anwendungen, Daten und KI-Funktionen verbinden und gleichzeitig offen genug bleiben, damit Unternehmen eigene Erweiterungen entwickeln können. Dadurch könnten bestehende Prozesse flexibler orchestriert und neue Anforderungen schneller umgesetzt werden.
KI soll Entscheidungen beschleunigen
Künstliche Intelligenz sei in Supply Chains zwar kein völlig neues Thema, erklärt Klausner. Bereits seit Jahren würden Prognosemodelle, Machine Learning oder Bilderkennung eingesetzt. Neu sei jedoch die Art der Interaktion mit den Systemen. Mit Business AI wolle SAP Unternehmen einen digitalen Assistenten bereitstellen, der Geschäftsdaten über verschiedene Systeme hinweg verstehe und aufbereite. Dadurch könnten Informationen schneller verfügbar gemacht und Entscheidungen beschleunigt werden. Statt Daten manuell aus unterschiedlichen Anwendungen zusammenzuführen, sollen Nutzer direkt Antworten auf betriebliche Fragestellungen erhalten – etwa zu Lagerbeständen oder Lieferengpässen.
Clean Core statt Eigenentwicklungen
Ein weiterer Schwerpunkt liegt laut Klausner auf der Modernisierung bestehender ERP-Landschaften. Viele Unternehmen hätten ihre Systeme über Jahre hinweg stark individualisiert. Diese Zusatzentwicklungen erschwerten heute jedoch die Anpassungsfähigkeit. SAP propagiert deshalb den sogenannten «Clean Core»-Ansatz. Dabei bleibt der ERP-Kern möglichst standardisiert, während zusätzliche Funktionen über Plattformdienste angebunden werden. Unternehmen sollen dadurch schneller auf neue Anforderungen reagieren können, ohne den Kern ihrer Systeme laufend umzubauen.
Gerade angesichts geopolitischer Veränderungen, neuer Handelsbarrieren und des Fachkräftemangels werde Flexibilität zunehmend wichtiger. Laut Klausner gehe es deshalb weniger darum, starre Systeme für Jahrzehnte zu planen, sondern vielmehr darum, technologische Grundlagen zu schaffen, die kontinuierliche Veränderungen unterstützen können.