Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Lesedauer 5 Min.

Verschlafen Schweizer Banken die Künstliche Intelligenz?

Im Vergleich zum Ausland verfolgen Schweizer Banken einen eher zurückhaltenden Ansatz bei der Implementierung von Künstlicher Intelligenz. Ohne Strategieänderung könnte dies zu einem signifikanten Wettbewerbsnachteil werden.
Conversational and Generative AI in Finance
© (Quelle: Austin Distel auf Unsplash)

Schweizer Banken machen bei der Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) – insbesondere in den Bereichen Betrugsprävention, Portfoliomanagement und Prozessautomatisierung – erste Fortschritte. Die Nutzung von KI-gesteuerten Chatbots und virtuellen Assistenten nimmt zu und steigert die Effizienz bei der Bearbeitung von Kundenanfragen und der Bereitstellung von personalisiertem Support. Darüber hinaus wird das automatisierte Erstellen von Content wie Blogs und Produktbeschreibungen als wichtiger Einsatzbereich wahrgenommen.

Im Bereich Compliance-Herausforderungen haben laut einer Studie der Hochschule Luzern bereits 54 % der Banken entsprechende Technologien eingeführt. Darüber hinaus nutzen 55 % der Bankenhäuser KI zur Prozessautomatisierung und 31 % zur Unterstützung der IT-Entwicklung und des Datenmanagements. Dies zeigt, dass KI zunehmend zur Effizienzsteigerung und Personalisierung in der Schweizer Finanzbranche beiträgt.

Conversational and Generative AI in Finance © Quelle: Hochschule Luzern, 2023

 

Im Vergleich zu vielen ihrer amerikanischen und europäischen Konkurrenten sind Schweizer Banken aber eher zurückhaltend. Die Wettbewerber erzielen bereits Effizienzsteigerungen durch den verstärkten Einsatz von Robotic Process Automation (RPA) und KI-Technologien, darunter Optical Character Recognition (OCR) und Natural Language Processing (NLP). Diese Zurückhaltung kann dazu führen, dass Schweizer Banken zurückbleiben, was ihre Wettbewerbsfähigkeit auf internationaler Ebene beeinträchtigen könnte. Beim Evident AI Index, der international den Aufbau und Einsatz von KI-Lösungen bei führenden Banken aufzeigt, kommen sieben der Top-10-Banken dann auch aus Nordamerika.

Mehrwert erzielen ist nicht einfach

Die Implementierung von KI stellt Schweizer Banken vor eine Reihe interner und externer Herausforderungen, die häufig den Fortschritt verlangsamen und zu einem vorsichtigen Vorgehen führen. Intern sind Verantwortlichkeiten und Governance-Strukturen für KI-Projekte oft nicht klar definiert. Dies macht es schwierig, Projekte zielgerichtet zu steuern und sicherzustellen, dass die eingesetzte Technologie den gewünschten Mehrwert liefert. KI-Initiativen erfordern in der Regel eine funktionsübergreifende Zusammenarbeit und Entscheidungsfindung. Aber ohne eine klare Führungsstruktur sind die Fortschritte oft langsam.

Ein weiteres grosses Hindernis für die KI-Entwicklung ist der Fachkräftemangel in den Bereichen Data Science und KI. Im internationalen Vergleich hat die Schweiz hier Nachholbedarf. Schweizer Banken müssen erhebliche Ressourcen in die Ausbildung ihrer Mitarbeitenden investieren, um sicherzustellen, dass diese über die erforderlichen Fähigkeiten verfügen. Der Aufbau dieses Fachwissens ist jedoch ein langer Prozess, der sowohl Zeit als auch Geld erfordert.

IT, Regulierung und Ethik bremsen

Darüber hinaus werden KI-Projekte häufig durch eine veraltete IT-Infrastruktur behindert. Viele Banken in der Schweiz nutzen noch immer Systeme, die nicht auf grosse Datenmengen und Echtzeitverarbeitung vorbereitet sind. Die Modernisierung dieser Systeme ist teuer und zeitaufwändig, und der schnelle technologische Wandel erfordert kontinuierliche Investitionen, um mit den neuesten Entwicklungen Schritt zu halten.

Zusätzlich zu diesen internen Herausforderungen stehen Schweizer Banken auch externen Hürden gegenüber. Dazu gehören neben regulatorischer Unsicherheit auch ethische Fragen. Beispielsweise verlangt die FINMA, dass KI-Anwendungen diskriminierungsfrei und ihre Entscheidungen nachvollziehbar sind (Finma, 2024). Solche Anforderungen erfordern zusätzliche Compliance-Prüfungen und detaillierte Analysen. Ohne einen klaren regulatorischen Rahmen bleibt die Implementierung neuer KI-Lösungen für viele Banken riskant, da ungewiss ist, ob sie langfristig allen Anforderungen gerecht werden können.

Ein weiterer externer Faktor, der Schweizer Banken von der Implementierung von KI abhält, sind ethische Bedenken beim Umgang mit Daten. Neben Transparenz bezüglich der KI-Algorithmen und dem Schutz der Privatsphäre spielt die Datensicherheit eine wichtige Rolle.

So wird die KI-Implementierung beschleunigt

Schweizer Banken stehen zur Bewältigung der Herausforderungen bei der KI-Implementierung eine Vielzahl von Lösungen zur Verfügung. Ein zentraler Ansatz ist der Aufbau strategischer Partnerschaften mit Technologieunternehmen. Externe Partner verfügen über Fachwissen, das intern nur schwer aufzubauen ist. Solche Kooperationen erweitern damit nicht nur die Technologiebasis, sondern bieten auch grosses Potenzial, etwaige Risiken zu reduzieren. Auf diese Weise können Schweizer Banken technologische Lücken schneller schliessen und gleichzeitig von Best Practices profitieren.

Ein weiterer Ansatz besteht darin, gezielt in die Weiterbildung der eigenen Mitarbeitenden zu investieren. Durch eine fundierte Ausbildung und regelmässige Schulungen können Banken nicht nur ihre Abhängigkeit von externer Expertise reduzieren, sondern auch interne Innovationsprozesse anstossen und beschleunigen. Die Ausbildung eigener KI- und Data-Science-Experten wird langfristig ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein.

Auch eine Erhöhung der finanziellen Unterstützung durch die Schweiz könnte dabei helfen, die Entwicklung des Bankensektors zu fördern. Die bescheidene Erhöhung der Bundesmittel für die Forschung um 4 % von 2020 bis 2021 deutet auf ungenutztes Potenzial hin.

Eine starke und moderne IT-Infrastruktur ist zudem eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche KI-Implementierung. Flexible und skalierbare IT-Infrastrukturen bieten die Möglichkeit, schneller auf neue Technologien zu reagieren und diese effizient in bestehende Prozesse zu integrieren. Dies ist nicht nur eine Investition in die Zukunft, sondern auch eine Voraussetzung für das Überleben im internationalen Wettbewerb.

Ein vorsichtiger Weg in die Zukunft

Angesichts der regulatorischen und ethischen Unsicherheiten sind Schweizer Banken verständlicherweise zurückhaltend bei der Einführung von KI. Allerdings besteht die Gefahr, dass sie aufgrund dieser Vorsicht im internationalen Vergleich ins Hintertreffen geraten. Durch strategische Partnerschaften, Investitionen in Fachkompetenzen und die Modernisierung der IT-Infrastruktur könnten Schweizer Banken ihre Marktposition stärken und das Potenzial künstlicher Intelligenz umfassender nutzen. In den kommenden Jahren wird es darauf ankommen, eine Balance zwischen Fortschritt und Risikominimierung zu finden.

Dieser Beitrag ist erschienen im Computerworld Briefing IT in Finance.

Banking Künstliche Intelligenz (KI)
Anzeige

Neueste Beiträge

KI bringt sich selbstständig neues Wissen bei
Ein wenig angeleitet, kann sich Künstlichen Intelligenz (KI) selbst neues Wissen aneignen. Das haben Ingenieure der USC Viterbi School of Engineering herausgefunden.
3 Minuten
12. Mär 2026
Oppo entwickelt Technik für Falt-Smartphones weiter
Bei seinem neuen Falt-Smartphone will Oppo einen technologischen Schritt nach vorne machen und die Falte im Display komplett entfernen.
4 Minuten
12. Mär 2026
Tina Rodriguez wird CEO ad interim bei Zattoo
Der Verwaltungsrat von Zattoo ernennt Tina Rodriguez per 1. April 2026 zur CEO ad interim. Sie folgt auf Roger Elsener.
2 Minuten
12. Mär 2026

Das könnte Sie auch interessieren

Darum lohnt sich eine Weiterbildung - Karriere-Tipps
Ihre berufliche Karriere stockt? Sie fühlen sich unterfordert und auch finanziell soll es aufwärtsgehen? Dann verlieren Sie keine Zeit. Computerworld nennt fünf Gründe für eine Weiterbildung und zeigt, wie Sie erfolgreich durchstarten.
5 Minuten
25. Okt 2024
Swiss GRC im int. Marktüberblick zu Software für Governance, Risk und Compliance - Pressemitteilung
Swiss GRC aus Luzern ist im Governance, Risk, And Compliance Platforms Landscape, Q4 2025 von Forrester Research, Inc. vertreten – als einziges Unternehmen mit Hauptsitz in der DACH-Region.
3 Minuten
20. Jan 2026
Digital Recovery: Praxisnahe Incident-Response-Strategien - Pressemitteilung
Cyberangriffe mit Verschlüsselungstrojanern setzen Unternehmen immer häufiger unter enormen Druck.
4 Minuten
20. Jan 2026
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige