Auch mit einem schnellen Internetzugang lässt sich kaum noch punkten, denn die Konkurrenz zieht mit. Für die Kunden verlockend sind allenfalls noch gebündelte Pakete aus Festnetz, TV, Internet, Mobile, Geräten und Dienstleistungen. Doch auch hier wird der Spielraum irgendwann ausgereizt sein. Gut möglich, dass die Telekom-Anbieter – ähnlich wie die Software-Sparte – künftig zunehmend mit ergänzenden Dienstleistungen ihr Geld verdienen müssen.
Web-Dienstleister
An Google kommt man nicht vorbei. Der Web-Gigant dominiert umsatzmässig den Schweizer Markt für Internet-Dienstleistungen mit branchenspezifischen Cloud-Angeboten und Business-Services. Der Abstand zu den «Marktbegleitern» ist zwar immens, doch haben sich gleich zwei Schweizer Medienunternehmen an die Fersen von Google geheftet. Ringier und die TX Group haben beide die Metamorphose von der Print-Vergangenheit in die digitale Gegenwart erfolgreich gemeistert, ohne sich aus dem Journalismus zu verabschieden. Beide sind heute international tätige Plattformen und beteiligen sich als Investoren wiederum an namhaften IT-Unternehmen.
Diversität scheint generell das Erfolgsrezept zu sein, um sich als führender Web-Dienstleister zu etablieren. Es scheint, dass sich mit einem Portfolio, das möglichst viele Kundenbedürfnisse aus einer Hand abdeckt, die Marktchancen deutlich erhöhen. Dass es auch anders geht, zeigen Digital Realty, Sunrise oder eBay. Hier werden fokussierte Dienstleistungsangebote konsequent auf die Kunden ausgerichtet und mit viel internationaler Power untermauert. Klar ist, alle Anbieter bewegen sich in einem hart umkämpften Markt. Wer wachsen will oder sein Ranking behalten möchte, kommt um Übernahmen geeigneter Firmen nicht herum. Nur so lassen sich Know-how, Ressourcen und Umsätze rasch und zielgerichtet für die Wachstumsstrategie erwerben. Für die Kunden sind solche Veränderungen immer ein zweischneidiges Schwert und mit viel Unsicherheit verbunden.
Verkauf, Distribution
Händler und Distributoren blicken mit gemischten Gefühlen auf das vergangene Jahr zurück. Bereits in den Vorjahren befanden sich die Umsätze mit Desktop-PCs und Notebooks im Sinkflug. Die Pandemie brachte kurzfristig eine Entlastung, doch bereits 2023 setzte sich die gedämpfte Konjunkturstimmung fort. IDC schreibt, dass der Absatz von PCs (Desktops, Notebooks und Workstations) im ersten Quartal 2023 gar um 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist.
Ursachen dafür seien die Marktsättigung aufgrund der hohen Nachfrage während der Pandemie und die unsichere, inflationäre Wirtschaftslage. Besonders schmerzlich trifft dies den stationären Handel, dem E-Commerce zunehmend das Geschäft vermiest. Nebst dem Preis wird die Verfügbarkeit für die Konsumenten immer wichtiger. Die Schwierigkeiten mit den globalen Versorgungsketten hatte zwischenzeitlich auch mal für leere Regale gesorgt. Ein Unding für eine Wohlstandsgesellschaft, die sich gewohnt ist, dass alles jederzeit und überall in Hülle und Fülle vorhanden ist.
Die Distributoren sehen ihre Zukunft in ergänzenden Dienstleistungen. «Value-added» soll der Mehrwert dafür sorgen, dass die Channel-Kunden treu bleiben und der Umsatz nicht weiter zurückgeht. Doch das ist leichter gesagt als getan. Einerseits braucht es ein geeignetes Sortiment, das auch die Ergänzung von Services und Support möglich macht, andererseits fehlt es vielerorts an Spezialisten mit entsprechendem Know-how. Der Fachkräftemangel lässt grüssen. Als ob das nicht genug wäre, drängen aufgrund der verschärften globalen Wirtschaftslage die Hersteller vermehrt ins Direktgeschäft. Einfacher wird es für die Distributoren und Händler also in Zukunft nicht werden.
Fazit und Ausblick
Die nächste Krise kommt bestimmt. Die Frage ist wann und in welcher Form. Unsere «heile» Welt wird zunehmend als volatil, unbeständig, komplex und mehrdeutig (VUCA) empfunden. Die Verunsicherung ist gross und permanent. Die globale Lage gleicht gesellschaftlich, wirtschaftlich, ökologisch und politisch einem brodelnden Vulkan. Grössere Erdbeben sind in naher Zukunft nicht auszuschliessen.
Willkommen im neuen Normal. Wir alle müssen lernen, mit dieser Unsicherheit umzugehen. Auch wenn die Zukunftsaussichten volatil und unberechenbar bleiben (Hand aufs Herz, waren sie das nicht schon immer?), gilt es, den Herausforderungen die Stirn zu bieten und vom Potenzial der Digitalisierung mit realistischen, konkreten und nutzenorientierten Strategien zu profitieren. Das gilt gleichermassen für Anbieter und Anwender.