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«Gute Informatik ist möglichst unsichtbar»

Das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) sorgt dafür, dass die Bundesverwaltung sicher, zuverlässig und digital arbeiten kann. Direktor Dirk Lindemann erklärt, weshalb dabei gute Informatik möglichst unsichtbar bleibt.

Seit 2019 ist Dirk Lindemann Direktor des BIT. Der Diplom-Betriebswirt war zuvor Vizedirektor und Leiter der Hauptabteilung Ressourcen der ESTV. Seine Karriere begann er 1991 bei Siemens, wo er mehrere internationale Führungsfunktionen übernahm, zuletzt als CFO der Telekommunikationssparte.

© Bundesamt für Informatik und Telekommunikation

Seit 2019 leitet Dirk Lindemann das BIT. Im Interview spricht er über die digitalen Arbeitsplätze des Bundes, das Behörden-Login AGOV, Lehren aus der Pandemie sowie über Open Source, digitale Souveränität und die eigene KI-Plattform KOBY.

Computerworld: Herr Lindemann, Sie leiten ein zentrales Bundesamt, ohne dessen Dienste die tägliche Arbeit in Bundesbern und allen angeschlossenen Ämtern vermutlich schnell stillstehen würde. Wie gehen Sie mit dieser grossen Verantwortung um? Und wo finden Sie Ausgleich?

Dirk Lindemann: Die Verantwortung ist zweifellos gross, aber ich trage sie nicht allein. Der Erfolg des BIT basiert auf einem engagierten Team, klaren Verantwortlichkeiten, etablierten Prozessen und einer offenen, transparenten Kommunikation. Mir ist wichtig, Prioritäten klar zu setzen, Vertrauen zu schaffen und Entscheidungen gemeinsam zu tragen. Gute Führung bedeutet für mich, den Mitarbeitenden Orientierung zu geben und ihnen gleichzeitig den notwendigen Handlungsspielraum zu ermöglichen.

Den Ausgleich finde ich vor allem im privaten Umfeld – bei meiner Familie, beim Lesen und durch meine Begeisterung für neue Technologien. Themen wie Künstliche Intelligenz, digitale Innovationen und technologische Entwicklungen beschäftigen mich auch ausserhalb des Berufs. Diese persönliche Neugier hilft mir, neue Trends frühzeitig zu erkennen und ihre Chancen für die Bundesverwaltung besser einzuschätzen. Daneben koche ich sehr gerne und verbringe Zeit am Grill. Das Kochen ist für mich ein kreativer Ausgleich zum Berufsalltag: Gute Zutaten auswählen, Neues ausprobieren und gemeinsam mit Familie und Freunden geniessen; das schafft einen willkommenen Kontrast zur strategischen und operativen Verantwortung im Beruf.

CW: Sie kamen mit einem prall gefüllten Rucksack zum BIT und sind im Kern ein Finanzfachmann mit sehr viel ICT-Erfahrung. Wird Ihr Arbeitsalltag nun eher von Überlegungen zum Kosten-/Nutzenverhältnis oder von Informatikfragen dominiert?

Lindemann: Beides gehört untrennbar zusammen. Eine moderne Informatikorganisation muss technologisch exzellente Lösungen entwickeln, diese müssen aber gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig und nachhaltig sein. Mein beruflicher Hintergrund hilft mir, beide Perspektiven miteinander zu verbinden und Entscheidungen ganzheitlich zu beurteilen. Als Direktor des BIT beschäftige ich mich heute weniger mit einzelnen Technologien als mit strategischen Fragestellungen: Wie schaffen wir den grössten Nutzen für die Bundesverwaltung? Wo investieren wir gezielt in Innovation? Und wie stellen wir sicher, dass wir Sicherheit, Qualität und Wirtschaftlichkeit langfristig miteinander vereinbaren können? Gerade in Zeiten rasanter technologischer Entwicklungen ist es entscheidend, nicht nur die technischen Möglichkeiten zu verstehen, sondern auch deren Auswirkungen auf Organisation, Finanzen und den nachhaltigen Nutzen für unsere Kundinnen und Kunden. Diese Verbindung von Technologie, Wirtschaftlichkeit und Führung prägt meinen Arbeitsalltag.

CW: Die Schweizer Bundesverwaltung besteht aus sieben Departementen, der Bundeskanzlei und umfasst insgesamt knapp 90 Bundesämter. Die Ansprüche Ihrer internen Kunden sind hoch und sehr vielschichtig. Wie stellt das BIT sicher, dass alle Kunden vom Bundesrat über Bundesamts-Kader und Sachbearbeitern bis hin zum Magaziner stufengerecht behandelt werden?

Lindemann: Das BIT stellt als zentraler Informatik-Leistungserbringer der Bundesverwaltung rund 50'000 digitale Arbeitsplätze bereit. Unser Anspruch ist, dass alle Mitarbeitenden – unabhängig von Funktion oder Hierarchiestufe – zuverlässig, sicher und effizient arbeiten können. Deshalb setzen wir konsequent auf standardisierte, moderne Arbeitsplätze und einheitliche Services. So arbeiten beispielsweise auch die Mitglieder des Bundesrates mit den gleichen Standard-Notebooks wie alle anderen Mitarbeitenden der Bundesverwaltung. Dort, wo besondere Anforderungen bestehen, bieten wir gezielte Zusatzleistungen an. Für den Bundesrat und weitere besonders exponierte Funktionen steht beispielsweise ein spezialisierter Support zur Verfügung, der eine rasche Unterstützung sicherstellt.

Entscheidend ist für mich jedoch ein anderer Grundsatz: Gute Informatik zeichnet sich dadurch aus, dass sie möglichst unsichtbar ist. Anwendungen und digitale Services müssen intuitiv, stabil und benutzerfreundlich sein, damit die Technologie die Arbeit unterstützt und nicht komplizierter macht. Unser Ziel ist es, dass sich die Mitarbeitenden auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren können – und nicht auf die IT.

CW: Uns sind auf der BIT-Homepage zwei Sätze aufgefallen: «Das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) ist einer der internen IKT-Leistungserbringer der Bundesverwaltung.» Welche sind die anderen? Und: «Wo immer sinnvoll nutzt das BIT die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den anderen IKT-Leistungserbringern». Sind darunter kantonalen Informatikämter oder halbstaatliche Anbieter wie Swisscom oder weitere Anbieter wie Sunrise, Salt etc. zu verstehen?

Lindemann: Das BIT ist der grösste IT-Leistungserbringer der Schweizer Bundesverwaltung. Daneben gibt es bundesintern noch weitere IT-Leistungserbringer, namentlich die Informatik EDA, das Informatik Service Center des EJPD, Information Service Center des WBF sowie das Kommando Cyber des VBS. Mit diesen bundesinternen IT-Leistungserbringern pflegen wir einen regelmässigen fachlichen Austausch, um Synergien zu nutzen und die Leistungen für die Bundesverwaltung optimal abzustimmen. Je nach Bedarf arbeitet das BIT auch mit externen Partnern aus der Privatwirtschaft zusammen.

CW: Welches sind die wichtigsten Kernaufgaben des BIT? Geht es dabei primär um die digitalen Arbeitsplätze in der Verwaltung oder profitiert dabei auch die Bevölkerung?

Lindemann: Das BIT schafft die digitale Grundlage dafür, dass die Verwaltung, Unternehmen und zu­nehmend auch die Bevölkerung moderne, sichere und zuverlässige digitale Dienstleistungen nutzen können. Zu unseren Kernaufgaben gehört die Bereitstellung und der Betrieb von digitalen Arbeitsplätzen für die Bundesverwaltung. Wir entwickeln und betreiben über 1'000 Fachanwendungen, stellen Daten- und Telekommunikationsnetze und betreiben mehrheitlich unsere eigenen Rechenzentren. Gleichzeitig unterstützen wir unsere Kundinnen und Kunden mit einem professionellen Benutzersupport und sorgen dafür, dass die IT-Infrastruktur zuverlässig funktioniert. Ein gutes Beispiel ist AGOV, das Behörden-Login der Schweiz, das einen sicheren und benutzerfreundlichen Zugang zu digitalen Dienstleistungen von Bund, Kantonen und Gemeinden ermöglicht. Kurz gesagt: Unsere Aufgabe ist es, die Digitalisierung der Bundesverwaltung sicher, wirtschaftlich und zukunftsorientiert zu ermöglichen, damit sich unsere Kundinnen und Kunden auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren können und die Bevölkerung von modernen digitalen Behördenleistungen profitiert. 

Dirk Lindemann: «Gute Informatik zeichnet sich dadurch aus, dass sie möglichst unsichtbar ist.»

© Bundesamt für Informatik und Telekommunikation

CW: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit allen diesen Instanzen? Sind die Aufgaben klar abgegrenzt und wer hat den Lead? Und entsteht da keine Konkurrenz unter den Instanzen?

Lindemann: Die Zusammenarbeit zwischen den IT-Leistungserbringern der Bundesverwaltung ist klar geregelt. Alle IT-Leistungserbringer verfolgen das gemeinsame Ziel, die Bundesinformatik effizient, sicher und zuverlässig zu gestalten. Die Zusammenarbeit ist partnerschaftlich ausgerichtet und darauf ausgelegt, Synergien zu nutzen, Wissen auszutauschen und die Gesamtleistung für die Verwaltung kontinuierlich zu verbessern.

CW: Vor wenigen Jahren wurde das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) ins Leben gerufen. Wäre das nicht eher ein Thema für das BIT gewesen? Wie müssen wir uns die Zusammenarbeit zwischen BACS und BIT vorstellen? Beide gehören zu völlig unterschiedlichen, aber ähnlich komplexen Departementen (VBS und EFD).

Lindemann: Die Aufgaben von BIT und BACS sind klar definiert: Während das BIT für die IT-Sicherheit in den von ihm betriebenen Infrastrukturen gewährleistet, übernimmt das BACS eine übergeordnete und beratende Rolle auf nationaler Ebene. Die Zusammenarbeit zwischen dem BIT und BACS erfolgt eng und abgestimmt. Das BIT profitiert beispielsweise von Lagebeurteilungen, Warnungen und Handlungsempfehlungen des BACS, während es seinerseits Erkenntnisse aus dem Betrieb und aus Vorfällen einbringt. Trotz der Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Departementen ist die Kooperation eng und zielgerichtet. Wir verfolgen das gleiche gemeinsame Ziel: die Cyber-Resilienz der Bundesverwaltung und der Schweiz insgesamt zu stärken.

CW: Ihr Bundesamt beschäftigt sich neben Informatik auch mit Telekommunikation. Können Sie uns näher beschreiben, was dieser zweite Teil alles umfasst?

Lindemann: Zum Telekommunikationsaspekt im BIT gehören der Betrieb der Netzinfrastruktur, wie zum Beispiel VPN-Lösungen, sowie die Bereitstellung von Telefonie- und Unified-Communications-Diensten, wie etwa Microsoft Teams. Zudem stellt das BIT geschäftliche Mobiltelefone inklusive einer Mobile-Device-Management-Lösung zu einer sicheren Nutzung von E-Mail sowie Kalender zur Verfügung.

CW: Während  der Corona-Pandemie hat das BIT das Covid-Zertifikatssystem mit Unterstützung kantonaler Gesundheitsdirektionen in Rekordzeit und erfolgreich umgesetzt. Wie haben Sie diese Zeit erlebt und von wo kam der stärkste Gegenwind?

Lindemann: Die Corona-Pandemie war für das BIT eine intensive und prägende Zeit. Und das nicht nur in Bezug auf das Covid-Zertifikat, das wir innerhalb von sieben Wochen realisiert haben. Das BIT hat ausserdem in kürzester Zeit die technische Infrastruktur für ein stabiles und flächendeckendes Homeoffice für die Mitarbeitenden der Bundesverwaltung bereitgestellt. Der grösste Druck entstand weniger durch «Gegenwind», sondern vielmehr durch die erschwerenden Umstände durch faktisch flächendeckendes Homeoffice und die Notwendigkeit, unter grosser Unsicherheit schnelle und gleichzeitig sichere Lösungen bereitzustellen. Insgesamt hat diese Phase jedoch gezeigt, wie leistungs- und anpassungsfähig die Bundesinformatik ist. 

«Unser Ziel ist es, für jede Aufgabe die bestgeeignete Lösung einzusetzen, unabhängig davon, ob sie auf Open Source oder proprietärer Software basiert.»

Dirk Lindemann

CW: Was hat das BIT aus dieser Zeit als «lessons learned» mitgenommen und was würde bei einer weiteren Pandemie anders laufen?

Lindemann: Die Pandemie hat die Digitalisierung beschleunigt. Wir konnten zeigen, dass die Bundesverwaltung über das nötige Know-how und die technische Kompetenz verfügt, um ihre Kernaufgaben auch unter ausserordentlichen Bedingungen zu erfüllen. Zu den wichtigsten «lessons learned» gehört, dass schnelle Entscheidungswege, klare Prioritäten und eine enge Zusammenarbeit entscheidend sind. Es hat sich gezeigt, wie wichtig flexible, skalierbare Infrastrukturen und standardisierte Lösungen sind. Bei einer vergleichbaren Situation können wir auf Erfahrungen aufbauen: Prozesse und Technologien sind heute deutlich besser auf Krisenszenarien ausgerichtet und die Zusammenarbeit ist eingespielter.

CW: Hochschulen und Teile des Parlaments fordern mehr Open Source. Welche Rolle spielt das Thema beim BIT und wo setzt es quelloffene Software ein?

Lindemann: Open Source ist für das BIT kein neuer Trend, sondern seit vielen Jahren ein fester Bestandteil unserer IT-Strategie. Wir setzen bereits seit langem dort auf Open-Source-Technologien, wo sie fachlich, sicherheitstechnisch und wirtschaftlich überzeugen. Dabei verfolgen wir keinen ideologischen Ansatz, sondern treffen unsere Technologieentscheide nach klaren Kriterien: Sicherheit, Stabilität, Wirtschaftlichkeit, langfristige Wartbarkeit und der konkrete Nutzen für unsere Kundinnen und Kunden stehen dabei immer im Vordergrund.

Unser Ziel ist es, für jede Aufgabe die bestgeeignete Lösung einzusetzen, unabhängig davon, ob sie auf Open Source oder proprietärer Software basiert. Diese technologieoffene Herangehensweise ermöglicht es uns, einen stabilen, sicheren und kosteneffizienten Betrieb sicherzustellen und gleichzeitig Abhängigkeiten von einzelnen Herstellern dort zu reduzieren, wo dies sinnvoll ist. Auch bei der Softwareentwicklung verfolgt das BIT seit Jahren konsequent den Open-Source-Gedanken. Eigenentwicklungen werden – sofern keine Schutzinteressen entgegenstehen – als Open Source veröffentlicht und stehen anderen Behörden, Unternehmen und der Öffentlichkeit zur Nachnutzung zur Verfügung. Bekannte Beispiele sind die e-ID-Infrastruktur, das Covid-Zertifikatssystem oder Komponenten des Behörden-Logins AGOV.

Ebenso wichtig sind für uns offene Standards. Sie schaffen Interoperabilität, erleichtern den Datenaustausch und ermöglichen es, unsere Systeme langfristig unabhängig weiterzuentwickeln. So stärken wir die digitale Souveränität der Bundesverwaltung und schaffen gleichzeitig die Grundlage für nachhaltige und wirtschaftliche Informatiklösungen.

CW: Open Source lebt von Communities, in denen sich auch Hersteller mit eigenen Interessen engagieren. Wie und in welchem Umfang beteiligt sich das BIT an solchen Gemeinschaften?

Lindemann: Unser Engagement in der Open-Source-Community erfolgt auf mehreren Ebenen. Einerseits stellen wir wie bereits erwähnt selbst entwickelte Software als quelloffene Lösungen zur Verfügung. Andererseits bringen sich unsere Mitarbeitenden aktiv ein. Sie beteiligen sich an fachlichen Communities, tauschen Erfahrungen aus, leisten Beiträge zu Code, Dokumentation oder Architekturfragen und profitieren umgekehrt vom Wissen anderer Organisationen. Ein wichtiger Bestandteil dieses Engagements sind zudem Veranstaltungen wie Hackathons, Fachmeetings oder Community-Events. 

«Wir betrachten digitale Souveränität als Teil unseres Risiko- und Kontinuitätsmanagements.»

© Bundesamt für Informatik und Telekommunikation

CW: Auch Themen wie «Digitale Nachhaltigkeit» und «Digitale Souveränität» sind in aller Munde. Was kann das BIT zu höherer Unabhängigkeit der Schweiz? Baut das BIT hier eigenes Know-how auf oder greift es auf externe Spezialfirmen zurück?

Lindemann: Digitale Souveränität ist ein vielschichtiges Konzept. Sie umfasst Daten, Technologien, Kompetenzen, Lieferketten und rechtliche Rahmenbedingungen. Seit 2025 gelten für die gesamte Bundesverwaltung verbindliche Leitlinien der Bundeskanzlei, welche digitale Souveränität als notwendige Kontroll- und Handlungsfähigkeit des Staates im digitalen Raum definieren. Ziel ist es, staatliche Aufgaben auch unter veränderten geopolitischen, technologischen oder wirtschaftlichen Rahmenbedingungen jederzeit erfüllen zu können. Aus Sicht eines Informatik-Leistungserbringers ist digitale Souveränität jedoch vor allem auch eine Facette des Business Continuity Managements. Am Ende spielt es keine Rolle, weshalb eine Technologie oder ein Anbieter plötzlich nicht mehr verfügbar ist, sei es aufgrund geopolitischer Entwicklungen, wirtschaftlicher Schwierigkeiten eines Herstellers, technischer Ausfälle, Cyberangriffe oder regulatorischer Veränderungen. Entscheidend ist, dass wir auf solche Szenarien vorbereitet sind und unsere kritischen Leistungen weiterhin zuverlässig erbringen können.

Deshalb betrachten wir digitale Souveränität konsequent als Bestandteil unseres Risiko- und Kontinuitätsmanagements. Bereits bei Architektur- und Technologieentscheiden prüfen wir systematisch mögliche Abhängigkeiten, Alternativen und Exit-Strategien. Wo sinnvoll, setzen wir auf offene Standards, Open-Source-Technologien oder Multi-Vendor-Strategien, um einseitige Abhängigkeiten zu reduzieren. Gleichzeitig akzeptieren wir bewusst Abhängigkeiten dort, wo sie fachlich, wirtschaftlich und sicherheitstechnisch die beste Lösung darstellen; allerdings immer mit einem klaren Verständnis der Risiken und geeigneten Massnahmen, um diese beherrschbar zu machen.

CW: KI entwickelt sich rasant, Chancen und Risiken sind schwerer abzugrenzen. Wie nutzt das BIT die Technologie, wie schützt es sich vor Gefahren – und wird die Schweiz das EU-KI-Gesetz übernehmen?

Lindemann: Künstliche Intelligenz ist keine Zukunftsvision mehr – sie ist Realität. Die entscheidende Frage ist heute nicht mehr, ob KI eingesetzt wird, sondern wie wir verantwortungsvoll mit ihr umgehen. Ob man KI als Chance oder als Bedrohung wahrnimmt, ändert nichts daran, dass sie unsere Gesellschaft, unsere Wirtschaft und auch die öffentliche Verwaltung nachhaltig verändern wird. Diese Entwicklung können und sollten wir nicht ignorieren, wir müssen sie aktiv gestalten.

Für das BIT bedeutet das, die Chancen von KI gezielt zu nutzen und gleichzeitig Risiken konsequent zu beherrschen. KI kann Mitarbeitende bei Routineaufgaben unterstützen, Informationen schneller erschliessen, Softwareentwicklung beschleunigen oder die Qualität von Dienstleistungen verbessern. Gleichzeitig müssen Datenschutz, Informationssicherheit, Transparenz und die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen jederzeit gewährleistet bleiben. Gerade in der Bundesverwaltung ist Vertrauen eine zentrale Voraussetzung für den Einsatz neuer Technologien.

Deshalb investieren wir bewusst in eigene Kompetenzen und eigene Lösungen. Mit KOBY betreibt das BIT eine eigene KI-Plattform in den Rechenzentren des Bundes, in einer besonders geschützten Umgebung. Sie basiert auf leistungsfähigen Open-Source-Sprachmodellen und ermöglicht es, Informationen bis zur Klassifizierungsstufe «vertraulich» sicher zu verarbeiten. Damit schaffen wir eine vertrauenswürdige Ergänzung zu öffentlich zugänglichen KI-Diensten und geben den Mitarbeitenden der Bundesverwaltung die Möglichkeit, KI auch für sensible Aufgaben verantwortungsvoll einzusetzen.

CW: Vielen Dank für das Gespräch.

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