Digitale Agilität fürs Business
Solutions im Fokus: SAP
Unternehmen versinken in Daten, nur sind diese oft über isolierte IT-Landschaften verteilt, von schwankender Qualität und von zeitlich begrenztem Wert noch obendrauf. Minderwertige Daten führen zu suboptimalen Entscheidungen. Hier setzt die SAP Business Data Cloud (BDC) an. Mit dieser neuen Lösung wollen die Waldorfer eine universelle Informationsplattform schaffen – eine strukturierte, vertrauenswürdige Datenbasis – für den generativen KI-Assistenten Joule (in der Physik ist Joule eine Einheit für Arbeit, der springende Punkt auch bei SAP eben). Auf dem Unterbau der SAP Business Data Cloud (BDC) soll Joule den produktiven Einsatz von KI-Agenten ermöglichen. SAPs neuestes Geheimrezept für betriebliche Effizienz nimmt mit dieser Technologie Gestalt an. Bei den KI-Agenten (Stichwort: «Agentic AI») ist von autonomen Softwareeinheiten die Rede, die über die Befugnis verfügen, bestimmte Entscheidungen zu treffen und Handlungen auszuführen, um definierte Ziele zu erreichen. So wird die Wertschöpfung aus Daten greifbare Realität – im grossen Massstab.
Wertschöpfung aus Daten
Die Wirtschaft und den öffentlichen Sektor der Schweiz wälzt gerade der digitale Wandel um, zum Teil sogar unbemerkt. Der SAP-Konzern will dabei eine Schlüsselrolle übernehmen. SAP hat sich über die Jahre als vertrauenswürdiger Partner für Organisationen jeder Grösse etabliert, von multinationalen Konzernen wie Nestlé bis hin zu mittelständischen Betrieben und öffentlichen Verwaltungen. SAP-Lösungen bilden oft das digitale Rückgrat für kritische Geschäftsprozesse mit weitreichenden Auswirkungen. Diese tiefe Verankerung in der Schweizer Wirtschaft erklärt auch, warum Entwicklungen bei SAP so genau beobachtet werden. Vor diesem Hintergrund zeichnet sich aktuell eine fortschreitende Durchdringung von SAP-Technologien in verschiedenen Bereichen der Verwaltung und in kritischen Infrastrukturen ab – von Kantonen und Bundesbehörden bis hin zu Energieversorgern und Transportdienstleistern. Besonders bemerkenswert sind die Investitionen des Kantons Basel-Land in Höhe von 15 Millionen Franken in SAP-Projekte in den Bereichen: Personal, Finanzen, Data Analytics und Innovation.
KI-Agenten mit einer Wissensbasis
Die Bedeutung künstlicher Intelligenz nimmt in der SAP-Strategie schon seit geraumer Zeit eine zentrale Rolle ein. Im Fokus steht dabei der generative KI-Copilot Joule, der als «Super-Orchestrator» die Zusammenarbeit autonomer, kontextbewusster KI-Systeme – der KI-Agenten – innerhalb der SAP-Landschaft steuert. Joule-Agenten haben einen Einblick in die Unternehmensdaten und eine reichhaltige Wissensbasis der relevanten Branchen. Sie können auf die SAP Business Data Cloud zurückgreifen und für den Kontext den SAP Knowledge Graph zu Rate ziehen, eine semantische Wissensdatenbank, die das Prozesswissen aus 50 Jahren SAP-Erfahrung in einem strukturierten Netzwerk abbildet. SAP Knowledge Graph reduziert Halluzinationen von grossen Sprachmodellen (den sogenannten LLMs) mit seinem Realitätssinn und kontextualisiert Anfragen mit branchenspezifischem Know-how.
Bei der SAP Business Data Cloud handelt es sich um eine neue universelle semantische Datenschicht für Unternehmensdaten, die SAP-eigene und Drittsysteme zusammenführt. Sie kombiniert SAP Datasphere, SAP Analytics Cloud, SAP Business Warehouse und Databricks-Technologie (als First-Party-Datenservice). Für die Erstellung von KI-Agenten mit SAPs Tools sind tiefgehende Programmierkenntnisse nicht zwingend erforderlich. Agent Builder, ein Werkzeug im Rahmen von Joule Studio, einer neuen Komponente innerhalb der Entwicklungs- und Automatisierungsumgebung SAP Build, führt SAP-Nutzer durch einen strukturierten No-Code-Workflow. Eine Bibliothek mit über 1'300 vorkonfigurierten Fähigkeiten kann helfen, gängige Aufgaben in SAP- und Fremdanwendungen in KI-Agenten zu erfassen.
KI-Agenten schaffen einen Mehrwert durch ihre Fähigkeit, Daten zu analysieren, Pläne zu erstellen und im Grunde genommen autonom zu schalten und zu walten. Sie übernehmen mehrstufige Aufgaben in Bereichen wie Rechnungsprüfung, Lieferkettenoptimierung oder die Abwicklung von Serviceanfragen, die dadurch erstmals weitgehend ohne menschliches Zutun ablaufen können. Die Integration von KI in bestehende SAP-Systeme erfordert jedoch nicht nur technische Anpassungen, sondern auch neue Kompetenzen und organisatorische Veränderungen. Der Umgang mit dieser Technologie bringt mit sich neue Chancen wie auch neue Risiken.
SAP als «virtueller Gast»
Ein besonders innovativer Ansatz ist die Integration von SAP als «virtuellen Gast» in der öffentlichen Verwaltung. SAP bietet nämlich cloudbasierte Dienste an, die sich nahtlos in bestehende Verwaltungsstrukturen «einklinken» können, ohne umfangreiche Hardware-Investitionen oder tiefe Infrastrukturänderungen vorauszusetzen. Dies ermöglicht eine agile Digitalisierung von Behörden, die auf bestehende SAP-Lösungen wie SAP S/4HANA, SAP Analytics Cloud oder SAP BTP (Business Technology Platform) zurückgreifen.
KI-gestützte Analysetools aus der Cloud können so grosse Datenmengen in Echtzeit analysieren und behördenübergreifend aufbereiten. Diese Technologie ermöglicht es den Ämtern, Entscheidungen auf Basis vorhandener Daten zu treffen und administrative Prozesse zu beschleunigen. Der Einsatz von KI-Agenten eröffnet der öffentlichen Verwaltung neue Möglichkeiten zur Umsetzung von komplexen Verwaltungsabläufen mit minimaler menschlicher Intervention. Diesen Weg der Integration hat zum Beispiel das Schweizer Zollsystem Passar im Rahmen der DaziT-Initiative beschritten. Die GTS-Edition for HANA (SAP Global Trade Services) fungiert als «Gast» im Zollsystem, indem es über Webservices direkt mit Passar kommuniziert, um Export-/Importprozesse abzuwickeln.
Unternehmen übermitteln Zolldeklarationen aus SAP-Systemen an Passar. SAP GTS prüft Sanktionen und Freihandelsabkommen in Echtzeit, während Passar die behördliche Seite abdeckt. Die Prozedur läuft im Idealfall automatisch und ohne manuelle Eingriffe ab, sofern die nötigen Voraussetzungen dafür erfüllt sind. Der Übergang von e-dec zu Passar erfolgt schrittweise. Passar 1.0 (Exporte) ist seit Anfang 2024 im Einsatz und verpflichtend für zugelassene Nepro-Versender in der Schweiz, die ihre Waren mit NCTS Phase 5 abfertigen. Die Implementierung von Passar 2.0 für Importe soll in den Jahren 2026-2027 abgeschlossen sein. Gleichzeitig wechselt SAP Global Trade Services, die SAP-Lösung für die private Wirtschaft zur Verwaltung von Zollprozessen, Freihandelsabkommen, Sanktionen und Exportkontrollen, von SAP GTS 11 zu SAP GTS Edition für HANA.
Vor der Einführung von Passar wurde e-dec (elektronische Deklaration) verwendet, das Unternehmen die Möglichkeit bot, Import- und Exportzollanmeldungen elektronisch zu übermitteln. E-dec Export wird bis 31.12.2025 parallel zu Passar betrieben, e-dec-Import voraussichtlich bis 31.03.2027. Spezielle Zollsoftware von Drittanbietern wie AEB kann bereits mit Passar kommunizieren. Das BAZG (Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit, bazg.admin.ch) plant, im Rahmen der Passar-Einführung neue Web-Anwendungen bereitzustellen. Auch der Kanton Bern setzt auf SAP. Die Daten des Grossen Rats sind nun als Open Government Data in maschinenlesbarer Form zugänglich, was die Transparenz politischer Prozesse erhöhen soll. Diese Initiative steht im Einklang mit der fortschreitenden Digitalisierung von Verwaltungsprozessen.
Die Transformation der Verwaltung erfordert sorgfältige Planung und ein klares Verständnis der spezifischen Anforderungen des öffentlichen Sektors. Datenschutz und Datensicherheit spielen dabei eine kritische Rolle. Gleiches trifft auf Betreiber kritischer Infrastrukturen.
Integriert und digitalisiert
Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) stehen exemplarisch für die erfolgreiche Implementierung von SAP-Technologien in einem kritischen Infrastrukturunternehmen. Mit einem weitverzweigten Schienennetz von 3'265 Kilometern, das mehr als 800 Destinationen miteinander verbindet und täglich 1,16 Millionen Passagiere und 180'000 Tonnen Fracht mit rund 11'300 Zügen befördert, steht die SBB vor enormen logistischen Herausforderungen. Zur Unterstützung ihres Betriebs haben die SBB eine digitale Entsprechung ihres Schienennetzes in der AWS-Cloud umgesetzt. Dieser digitale Zwilling bildet alle Infrastrukturen des physischen Schienennetzes – von Weichen bis zu Signalen – digital ab.