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Bei Galaxus und Digitec können nur noch Käufer Produkte bewerten

So verhindert der Onlinehändler, dass Marken und Hersteller Ratings beeinflussen. Im Zuge des Systemwechsels verschwinden 380'000 alte Reviews.
Digitec Seite mit Bewertung eines Produktes
© Digitec

Wir wissen will, was ein Produkt taugt, sollte hier bei uns vorbeischauen: https://www.computerworld.ch/themen/tests Aber natürlich sind auch die Bewertungen bei den Online-Händlern hilfreich. Digitec unternimmt nun etwas gegen Missbräuche.

Fünf Sterne, Lobeshymnen und null Kaufhistorie: So sah es kürzlich bei der Produktbewertung eines Einbrecherschutzes namens «Kevin» bei Galaxus und Digitec aus. Mitarbeitende des Herstellers und Personen aus deren Umfeld hatten das Produkt überschwänglich beurteilt, ohne es gekauft zu haben. Der Fall war laut Digitec der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Ab sofort lassen Galaxus und Digitec nur noch Bewertungen von Kunden zu, die ein Produkt beim Onlinehändler bestellt und bereits erhalten haben. Bisher konnten Personen mit einem Nutzerkonto uneingeschränkt Sterne vergeben und Rezensionen schreiben. Bei der Rezension stand zwar, ob ein User ein Produkt gekauft hat oder nicht. Aber das war leicht zu übersehen. Und ins durchschnittliche Sterne-Rating flossen auch sämtliche Bewertungen mit ein.

Der Grund: «Wer ein Produkt woanders kaufte oder geschenkt bekam, sollte trotzdem seine Erfahrung bei uns teilen können», sagt Community-Leiterin Eveline Jordi zur bisherigen Philosophie. Das hatte aber zur Folge, dass gewisse Marken und Hersteller die Bewertungen ihrer Produkte frisierten – und womöglich auch Produkte von Konkurrenten böswillig schlecht bewerteten. Wobei dies gegen die Community-Richtlinien verstiess. «Besonders bei Nischen-Produkten und solchen, die frisch auf den Markt kamen, hatte das potenziell einen grossen Einfluss auf den Kaufentscheid sowie aufs Vertrauen ins Rating», ergänzt Thimo Schuster, der die Änderung im Shop verantwortet.

Mit der Umstellung adressiert Digitec auch das sogenannte Backlashing. Thimo Schuster erklärt dies anhand eines Beispiels: «Galaxus und Digitec bieten eine Spielekonsole im Vorverkauf an. Nun kann der Hersteller den versprochenen Liefertermin nicht einhalten, woraufhin Kundinnen und Kunden ihren Unmut via Produktbewertung äussern.» Das Rating der Konsole spiegelt dann nicht etwa deren Grafikleistung oder die Auswahl der Games wider, sondern den Frust ob der verzögerten Vorbestellung.

Weg mit der Altlast

Weil sie laut eigenen Angaben keine halben Sachen mögen, löschen Galaxus und Digitec sämtliche bisherigen Bewertungen von Kunden, die ein Produkt nicht gekauft hatten. Damit bereinigensie sämtliche Ratings. Betroffen sind knapp vier Prozent aller Bewertungen, also rund 380'000 Reviews. Punkte, Levels und Achievements im Rahmen der Gamification bleiben hingegen erhalten. Thimo: «Der Informationsverlust ist minimal, der Schutz vor Manipulation erheblich.»

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