Test 01.09.2020, 14:46 Uhr

Oppo Find X2 Neo im Test

Irgendwie High-End, irgendwie aber auch nicht.
(Quelle: Oppo )
Das Find X2 Neo liegt etwa in der Mitte des Oppo-Angebotes. Leistungsfähiger als das Find X2 Lite, aber günstiger als die High-End-Modelle Find X2 und Find X2 Pro. Mit einem aktuellen Strassenpreis von rund 650 Franken misst es sich am ehesten mit Geräten wie dem OnePlus 8, dem iPhone SE oder älteren Spitzenmodellen von Huawei, Samsung und Co. Da ist der erste Eindruck durchaus wichtig. Gut gelingt dies dem Oppo Find X2 Neo bestens. Rein äusserlich betrachtet ist das Smartphone nicht von einem teureren Modell zu unterscheiden. Das 6,5-Zoll-Display kommt praktisch ganz ohne Rahmen aus und platziert seine Frontkamera modisch in einem kleinen Cutout im Display selbst. Die schmalen Metallseiten und der gläserne Rücken sind für Smartphones über 500 Franken heutzutage Standard. Interessante Farbvarianten inklusive. Mit einer Dicke von nur gerade 7,7 mm ist das Find X2 Neo eines der dünneren 5G-Smartphones auf dem Markt. Packt man die mitgelieferte Hülle darüber, geht einiges davon verloren. Was jedoch bleibt ist das Display.

Dieses ist der strahlende Mittelpunkt des Find X2 Neo. Das 6,5-Zoll-Display bietet eine Auflösung von 1080 × 2400, AMOLED-Technologie und auf Wunsch eine Bildwiederholrate von 90 Hz, was für geschmeidige Animationen sorgt. Bevorzugt man ein paar Minuten mehr Akku, lässt sich das Display auch einfach auf 60 Hz bremsen, was dem Standard der meisten aktuellen Smartphones entspricht. Die Unterstützung von 90 Hz ist insofern spannend, da dies bisher praktisch ausschliesslich in deutlich teureren Geräten verbaut wurde. Das heisst aber auch, dass Oppo woanders sparen musste, um das tolle Display in einem so günstigen Gerät verbauen zu können.

Leistung und Ausstattung

Das ist in der Tat der Fall. Das Find X2 steht preislich ziemlich genau an der Grenze zwischen Mittelklasse und High-End. Entsprechend ist die Wahl des Prozessors spannend: Der verbaute Qualcomm Snapdragon 765G ist für ein Mittelklassegerät sehr sinnvoll und liefert mit seinen 2,4 GHz genug Power für praktisch alle Nutzer. Allerdings sind auf dem Markt auch deutlich günstigere Geräte mit dem gleichen Prozessor erhältlich und ein Upgrade auf einen Snapdragon 865 kostet nicht gerade viel. Ein etwas schwächer ausgestattetes OnePlus 8 gibt es beispielsweise für nur 50 Franken mehr. Der Leistungsunterschied ist nicht gigantisch, aber gerade für eine längerfristige Anschaffung eine Überlegung wert.

Interessant ist die Wahl von 12 GB Arbeitsspeicher. Auch das gibt es sonst hauptsächlich in teureren Geräten. Der effektive Nutzen von so viel Arbeitsspeicher in einem Smartphone dieser Leistungsklasse ist etwas fragwürdig. Umso mehr, wenn man bedenkt, dass das Find X2 Neo in einer etwas heiklen Preissituation steht. Weniger wäre hier wohl mehr gewesen. Der Nutzspeicher ist mit 256 GB ebenfalls grosszügig angelegt. Das macht allerdings schon mehr Sinn, da hier erstens ein klarer Nutzen gegeben ist, und zweitens der Speicher nicht zusätzlich erweiterbar ist. Insofern ist ein grosszügiger interner Speicher sinnvoll.

Beim Akku baut Oppo darauf, dass der Nutzer meistens eine Steckdose oder eine sonstige Energiequelle bereit hat. Die Batterie mit 4025 mAh hält gut einen Tag durch, aber auch nicht wirklich mehr. Bei einem neuen Gerät ist das kein Problem, könnte aber mittelfristig, mit abnehmender Batterielaufzeit eher früher als später zu einem Problem werden. Im Gegenzug dazu lädt das Find X2 Neo sehr schnell auf. Über das 30-Watt-Netzteil lässt sich das Handy in knapp unter einer Stunde von 0 auf 100 Prozent aufladen.

Die weitere Ausstattung des X2 Neo ist etwas gemischt. 5G ist vorhanden, ebenso Bluetooth 5.1. Dafür fehlen ein zweiter SIM-Slot und Wi-Fi 6. Die Lautsprecher sind solid, dafür fehlt der Kopfhörer-Anschluss. Es sind die typischen Kompromisse, die man bei einem Mittelklasse-Smartphone eingeht. Der im Display verbaute Fingerabdruck-Sensor funktioniert zuverlässig, wenn auch eher langsam. Ebenso fehlt eine IP-Zertifizierung für Wasser- und Staubschutz. Ein paar Spritzer dürfte das X2 Neo schon aushalten, nur gibt es halt keine Garantie dafür.

Als Betriebssystem kommt Android 10 zum Zuge. Darübergestülpt ist Oppos Eigenkreation Color OS 7. Dieses hat sich in den vergangenen Jahren gebessert, ist aber noch immer eher holprig. Besonders auf Deutsch klingt Color OS jeweils ein wenig wie eine künstliche Intelligenz, die verkrampft versucht, möglichst menschlich zu klingen. Die englische Übersetzung ist besser, aber auch nicht über alle Zweifel erhaben. Bloatware gibt es etwa im üblichen Ausmass. Teile davon lassen sich deinstallieren, andere nicht. Die meisten Apps davon stammen von Oppo selbst.


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