IoT Networking Event 27.09.2019, 10:41 Uhr

Wie Ergon sich im IoT-Geschäft abheben will

Ergon Informatik hat Entscheider Schweizer Industrieunternehmen eingeladen, um Erfolgsgeschichten rund um das Internet of Things (IoT) auszutauschen. Vertreter der Unternehmen illustrierten Use Cases, mit denen sie sich beim IoT von den Mitbewerbern abheben.
(Quelle: Ergon Informatik)
Ergon Informatik hat diese Woche Entscheider von Digitalisierungsprojekten aus dem B2B-Bereich zu einem Vortrags- und Networking-Event geladen. Fokus der Runde: das Internet of Things (IoT) und die daraus entstehenden neuen Geschäftsmöglichkeiten.
Anlässlich des «IoT Networking Special» informierte der Schweizer IT-Dienstleister zusammen mit Gastrednern von Bossard, M-Industry und Belimo Automation über die Wichtigkeit des Endkunden für den Geschäftserfolg beim Einsatz der IoT-Technik.
Heiko Faller, Managing Director Enterprise Solutions und Mitglied der Geschäftsleitung von Ergon, moderierte den Anlass. Das Schweizer IT-Dienstleistungsunternehmen beschäftigt sich schon seit 2006 mit den Herausforderungen des wachsenden IoT-Feldes und konnte dadurch schon einiges an Erfahrung gewinnen, wie Faller sagte.
Klar sei, dass das Internet der Dinge neue Geschäftsmöglichkeiten bietet. Damit das Konzept erfolgreiche Früchte trägt, brauche es technische Kompetenzen, ein Verständnis für die Bedürfnisse der Endnutzer und entsprechende Geschäftsmodelle.

Die Sicht des Kunden machts aus 

Inwiefern die Customer Experience der Kunden für IoT bedeutsam ist, erklärte Benedikt Ostermaier, Head of IoT von Ergon. Die Möglichkeiten von IoT erlauben es, Daten der Produkte im Feld – also beim Endkunden – zu sammeln und anschliessend zu nutzen. So lassen sich die Produkte nach dem Kauf kontinuierlich verbessern. Produkte werden zu Services und daraus entstehen neue Geschäftsmodelle.
Wie Ostermaier sagt, gilt es dabei zunächst den Kunden zu identifizieren. Dazu lassen sich drei Perspektiven feststellen: die des Endkunden, der Techniker und der Gerätehersteller. Für Letztere stehe ein grosser Paradigmenwechsel an; als Beispiel nannte er den PKW.
Ein Auto, das vor zehn Jahren gekauft wurde, war noch offline – Updates gab es nur durch Servicetechniker, Features waren statisch, für Tuning musste man in die Hardware eingreifen. Für Flottenmanagement waren zusätzliche Hardware-Komponenten erforderlich. Im Vergleich dazu sind Fahrzeuge der Firma Tesla online: Besitzer erhalten kontinuierliche Upgrades «over the Air», die Autos sind dank umfangreicher Sensorik nun tatsächlich smart und jedes Fahrzeug ist in einem digitalen Ökosystem integriert. Es ist also die Rede von statischen gegenüber «lebendigen» Produkten.

Wie das Smartphone zum digitalen Sackmesser avancierte

Früher nutzte man verschiedene Geräte für unterschiedliche Zwecke. Wo sich im Büro noch ein Taschenrechner befand, ein MP3-Player für die Musikwiedergabe herhielt, die Fotokamera ein separates Gerät war und Navigationssysteme ein eigenes Ding darstellten – dies alles ist nun den Apps auf einem einzelnen Smartphone gewichen. Gerade für Service-Techniker sei das eine entscheidende Entwicklung.
Service-Apps bieten moderne Diagnostikfunktionen, gesammelte Daten können in die Cloud gesandt sowie dort analysiert werden und Techniker könnten mittels eingebundenen Augmented-Reality-Lösungen direkt durch den Einsatz geführt werden.
Die Cloud sei dabei der entscheidende Enabler. IoT-Lösungen ermöglichten eine globale Sicht über alle Produkte im Feld. Analytics über den Produkteinsatz lieferten wertvolle Einblicke, um grössere Kundenzufriedenheit zu erreichen. So lassen sich etwa Probleme erkennen, bevor sie kritisch werden. Diagnostik und Service aus der Ferne sind nun Realität.

Von Schrauben und smarter Logistik

Mit IoT Schrauben liefern? Brauchts das? Diese Frage warf Urs Güttinger, CTO von Bossard, bei seiner Präsentation auf. Der Anbieter von Produktlösungen und Dienstleistungen in der industriellen Verbindungs- und Montagetechnik optimiert unter anderem Produktionsstätten wie die des Grosskunden Tesla. «Wir machen unsere Kunden produktiver», sagte Güttinger. Erklärtes Ziel des Unternehmens: ein reibungsloses und zuverlässiges Supply Chain Management.
Als Use Case zitierte er die Ersparnisse von unsichtbaren Kosten, die sich hinter der Logistik verbergen. Etwa die heutigen IoT-Lösungen wie SmartLabel, ein E-Paper-Displays an Behältern, und SmartBin, die via Wägetechnik über die Bestände und Bedarfe beim Kunden im Lager informieren.
Die Technik müsse nicht nur «State of the Art» sein, sondern verlässlich und sich ständig weiterentwickeln. Dabei plädierte Güttinger für die Wichtigkeit der Kunden und Mitbewerber. Techniker und Kunden seien eventuell von neuen Technologien und Veränderungen verunsichert, also ist das Erfassen ihrer Bedürfnisse für die Entwicklung von Lösungen, welche die wirklichen Aufgaben der Kunden lösen, von grosser Wichtigkeit. Und Wettbewerb hilft, sich weiter zu entwicklen; von Mitbewerbern kopiert zu werden, bestätige die eigenen Ideen.
Nebst der Erhöhung der Automatisierung und Zuverlässigkeit des Supply Chain ermöglichen IoT Systeme auch die Erschliessung neuer Einnahmequellen. Für Bossard bedeutet dies die Conversion von Freemium- zu Premium-Angeboten, sprich: zusätzliche Dienstleistungen für die eigenen Produkte anbieten zu können.
Zweitens werden Daten aus der Logistik mit Machine Learning analysiert, womit Produkte intelligent bestellt werden können. Wo sich Menschen früher noch manuell der Überprüfung von Logistikparametern widmen mussten, können mittels Machine Learning bessere Resultate erzielt werden und durch Automatisierung fallen Kosten weg.

Mit Smartness gegen Food Waste

Ueli Eggenberger, Smart Technology Expert von M-Industry, präsentierte in einem Use Case von Midor, wie IoT die Produktion effizienter gestaltete. Eines Tages begegnete er während einem Kontrollgang einen Haufen von Blévitas auf dem Boden – das Resultat eines Fehlers in einem der 32 Produktionslinien bei Midor. Als Reaktion darauf lancierte er die Maschinendatensammlung.
Via Stream Analytics sendet dieses neue System seine Signale direkt in die Cloud und damit auf Dashboard-Darstellungen. Somit lasse sich schnell und zugänglich über eine App der Gesundheitszustand der Maschinen überprüfen. Je früher ein Problem auffällt, umso eher kann das Unternehmen Essensabfälle minimieren. Ursachen könnten auf diese Weise auch schneller und genauer erkannt werden.
Als nächste Schritte nannte Eggenberger eine Skalierung der Module, um sie auf die gesamte M-Industrie zu übertragen, das Machine Learning noch weiter zu verfeinern um Abfälle möglichst komplett zu verhindern und schliesslich mehr Standardschnittstellen zu Drittherstellern wie SAP aufzubauen.

Mit klugen HLK-Anlagen zu gesteigerter Energieeffizienz

Peter Schmidlin, CINO von Belimo Automation, trat als letzter Gastredner auf. Das Schweizer Unternehmen ist im internationalen Markt tätig und spezialisiert sich auf die Entwicklung, die Herstellung und den Vertrieb von Antriebslösungen zur Regelung und Steuerung von Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen (HLK) im Bereich der Gebäudetechnik.
Zu seinen smarten Produkten gehören Systeme, die die Temperaturen in Räumen messen und die Zufuhr von kalter Luft regulieren. Schmidlin sprach über das Potenzial von IoT-Lösungen bei der Regulierung von Kühlanlagen und der damit einhergehenden Optimierung des Wasserverbrauchs. 
Im Anschluss an die Präsentationen bot Ergon gemeinsam mit Landolt Weine einen «Aromaparcours» für die Besucher. Bei der Weindegustation erhielten alle Gelegenheit, sich weiter auszutauschen und Networking in gelassener Stimmung zu betreiben.
Autor
Erich Cazzoli
ist freier Journalist aus Wettingen.


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