Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Lesedauer 3 Min.

SpaceX-Rakete riss bei Explosion Loch in obere Atmosphäre

Als die "Starship"-Rakete von SpaceX im vergangenen Jahr beim ersten Testflug explodierte, entstanden nicht nur viel Feuer und Rauch - auch ein Teil der Atmosphäre veränderte sich. Über das Ausmass der Veränderungen waren selbst Forschende überrascht.
© (Quelle: SpaceX)

In grosser Höhe sei ein besonders grosses Loch entstanden, schreiben Forschende im Fachblatt «Geophysical Research Letters». Es habe sich über tausende Kilometer erstreckt und fast eine Stunde existiert.

Bei dem Loch handelt es sich der Studie zufolge um ein Gebiet, in dem die Luft neutralisiert wurde. Denn dort, in der sogenannten Ionosphäre in einer Höhe von etwa 60 bis 1000 Kilometern, sind normalerweise elektrisch geladene Teilchen vorhanden. Durch den «Starship»-Flug verringerte sich die Zahl dieser Teilchen, weil die Verbrennung des Raketentreibstoffs zum Ladungsaustausch führte.

Erstautor Juri Jasjukewitsch vom Institut für Solar-Terrestrische Physik im russischen Irkutsk sagte «Nature», die Abgase verschiedener Raketen könnten vorübergehende Löcher erzeugen - in diesem Fall sei der Effekt aber besonders gross gewesen, auch durch die Stosswellen der Explosionen.

Auch Vulkanausbruch riss ein gewaltiges Loch

Die Ionosphäre reagiere auf verschiedene Dinge, heisst es in der Studie weiter. So könne sie sich bei Sonneneruptionen verändern, bei grossen Meteoriten, ausserdem bei Ereignissen auf der Erdoberfläche wie Erdbeben oder Vulkanausbrüchen. Die Auswirkungen des «Starship»-Starts auf die Ionosphäre seien vergleichbar mit denen von grossen Erdbeben oder dem Ausbruch des unterseeischen Vulkans Hunga Tonga-Hunga Ha?apai nahe des Südsee-Königreichs Tonga im Jahr 2022.

Jasjukewitsch war überrascht, wie viel Veränderung die Forschenden beobachten konnten. «Das bedeutet, dass wir die Prozesse, die in der Atmosphäre stattfinden, nicht verstehen», erklärte er. Es könne sein, dass solche Ereignisse künftig Auswirkungen auf die Satellitennavigation haben, etwa für autonome Fahrzeuge.

«Starship» ist das grösste und leistungsstärkste Raketensystem, das bisher gebaut wurde. Beim Flug am 18. November 2023 von Texas aus trennte sich der «Super Heavy»-Motor nach knapp drei Minuten und explodierte kurz danach in einer Höhe von 90 Kilometern. Die obere Stufe flog weiter bis auf 149 Kilometer und explodierte ebenfalls. Die Trümmer fielen laut der Studie nordöstlich von Puerto Rico ins Meer.

Satellitensysteme lieferten Daten

Um die Auswirkungen des «Starship»-Flugs und der Explosionen zu untersuchen, nutzten die Forschenden satellitengestützte Navigationssysteme (GNSS). Dabei kommunizieren Empfänger auf der Erdoberfläche mit Satelliten. Die Geschwindigkeit bestimmter elektromagnetischer Wellen verändert sich mit der Zahl der elektrischen Teilchen in der Ionosphäre.

Anhand dieser Daten konnten die Forschenden feststellen, dass die Zahl der elektrischen Teilchen in einem Bereich nach dem Start abnahm. Die Störungen breiteten sich V-förmig nach Norden aus, bis in eine Entfernung von 2.000 Kilometern. «Dies scheint die erste Entdeckung eines nicht-chemischen ionosphärischen Lochs zu sein, das durch eine vom Menschen verursachte Explosion verursacht wurde», schliessen sie.

Nach dem Erstflug folgten weitere unbemannte Starts von «Starships» des privaten Raumfahrtunternehmens von Tech-Milliardär Elon Musk. Beim vierten Test in diesem Juni flog die Riesenrakete eine halbe Stunde im All, ehe eine kontrollierte Landung gelang. Raumschiff und Rakete sollen künftig wiederverwendet werden können. «Starship» soll bemannte Missionen zu Mond und Mars ermöglichen.

Fachartikelnummer DOI: 10.1029/2024GL109284

Forschung
Anzeige

Neueste Beiträge

Zoom erweitert KI-Plattform mit Agentenfunktionen
Neue KI-Funktionen sollen Unternehmensprozesse stärker automatisieren. Dazu führt Zoom agentenbasierte Workflows ein, die Aktionen direkt aus Meetings, Anrufen oder Kundeninteraktionen heraus auslösen können.
3 Minuten
11. Mär 2026
European Edge Continuum vernetzt Europas Telko-Netze
Auf dem Mobile World Congress 2026 in Barcelona haben Deutsche Telekom, Orange, Telefónica, TIM und Vodafone die erste föderierte Edge-Cloud Europas vorgestellt.
2 Minuten
11. Mär 2026
Infomaniak mit starkem Wachstum - 200-Millionen-Investitionen geplant
Der Schweizer Cloud-Anbieter Infomaniak verstärkt seinen Verwaltungsrat mit zwei neuen Mitgliedern und stellt sich organisatorisch auf weiteres Wachstum ein. Geplant sind Investitionen von 200 Millionen Franken, um die Position der Schweiz als Exzellenzzentrum für souveränes Cloud-Computing in Europa stärken.
3 Minuten

Das könnte Sie auch interessieren

Schweizer Funk-Uhren haben deutsche Zeit - Zeitumstellung
Am Sonntag beginnt die Sommerzeit. Um 02.00 Uhr werden alle Uhren auf 03.00 Uhr eine Stunde vorgestellt. Viele Uhren erledigen dies automatisch. Aber wie eigentlich? Und sollte die Zeitumstellung nicht schon längst abgeschafft werden?
3 Minuten
27. Mär 2024
15 Millionen Seiten aus über 200 Schweizer Zeitungstiteln jetzt online zugänglich
Die Plattform für digitalisierte Zeitungen e-newspaperarchives.ch erreicht einen weiteren Meilenstein. 15 Millionen Seiten aus über 200 verschiedenen Zeitungstitel aus der Schweiz sind nun digitalisiert und online einsehbar.
2 Minuten
25. Feb 2026
Im Test – Logitech Pro X2 Superstrike - Gaming-Innovation
Magnetische Schalter haben die Tastaturwelt bereits aufgerüttelt – nun legt Logitech mit einer ähnlichen Technologie bei der Computermaus nach. Und die hat es in sich: Sie ermöglicht Gamern ungeahnte Anpassungsmöglichkeiten und Vorteile.
4 Minuten
17. Feb 2026
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige