Erstes Quartal 07.05.2020, 15:00 Uhr

Corona-Krise lässt den Smartphone-Markt abstürzen

Im ersten Quartal sind die weltweiten Smartphone-Verkäufe so deutlich eingebrochen wie nie zuvor. Davon waren die grossen Hersteller aber unterschiedlich stark betroffen.
(Quelle: Shutterstock / vayno)
Die Corona-Krise trifft fast alle Smartphone-Hersteller besonders hart, wie die jetzt von diversen Analysten vorgelegten Verkaufszahlen für das erste Quartal zeigen. Laut Omdia gingen die weltweiten Verkäufe im Jahresvergleich um 17 Prozent von 330 auf 274 Millionen Geräte zurück. Das ist die niedrigste Stückzahl seit sieben Jahren.
Dafür sind verschiedene Faktoren verantwortlich. Zunächst mussten die Fabriken in China schliessen, dann waren auch andere als sicher geglaubte Produktions­standorte wie Südkorea oder Vietnam betroffen. Gegen Ende des ersten Quartals wurde die Produktion in vielen Ländern Asiens zwar langsam wieder aufgenommen, doch noch immer sind Lieferketten und die Logistik gestört. Das brachte auch einige Verspätungen beim Start neuer Modelle, die im Frühjahr normalerweise Kunden zum Kauf reizen.
Dazu kommt die Schliessung von stationären Läden in vielen Ländern. Der Canalys-Analyst Vincent Thielke: «Omnichannel-Händler in Regionen mit striktem Lockdown wie Europa versuchen so gut wie möglich, ihre Lagerbestände in Online-Kanäle zu bringen, aber das ist kostspielig und ihre Lager-, Transport und Lieferkapazitäten sind nicht für einen kompletten Wechsel zu online vorbereitet.»

Angst vor Wirtschaftskrise

Wohl am gravierendsten ist die Kaufzurückhaltung der Kunden, die auch nach einer Wiedereröffnung im Handel aufgrund von Angst vor einer Wirtschaftskrise und dem damit verbundenen Jobverlust andauern könnte. Die Marktforscher sehen zwar weiterhin einen grossen Bedarf für Smartphones als Kommunikationsinstrumente gerade auch in der Krise, doch vor allem teurere Modelle werden von vielen Käufern eher als verzichtbares Luxusgut gesehen und entsprechend weniger gekauft oder stattdessen ein günstigeres Modell gewählt.
Mit 18 Prozent war der Rückgang im weltweit grössten Markt China deutlich, allerdings fiel dieser trotz der extrem schwierigen Bedingungen gemäss den Marktforschern von Canalys nicht ganz so stark aus wie erwartet, was ein positives Zeichen sein könnte. Bis auf eine Ausnahme sind alle Hersteller in den Top Ten von den massiven Absatzrückgängen betroffen, besonders hart erwischte es Motorola auf dem achten Platz mit 35 Prozent weniger Verkäufen im Jahresvergleich und LG als Neunter sogar mit 37 Prozent.
Nur der Siebte, Realme, konnte seine Verkäufe dank Erfolgen in Indien um erstaunliche 88 Prozent steigern. Auch der Viertplatzierte, Xiaomi, kam dank seiner starken Präsenz in diesem Markt sowie im Online-Handel mit einem Rückgang der Verkäufe um 8,2 Prozent noch eher gut davon. Allerdings kam auch gegen Quartals­ende ein Lockdown in Indien, was sich in den nächsten Monaten stark auf die Verkaufszahlen auswirken wird.

Samsung und Huawei im Rückwärtsgang

Mit einem Absatzeinbruch von jeweils 17 Prozent traf es die beiden Top-Player dagegen hart. Bei Samsung gingen die Verkäufe auf 59 Millionen Geräte zurück, was aber reichte, um mit 21 Prozent Marktanteil die Spitzenposition zu halten. Zunächst schien es, als ob die Koreaner ohne eine Produktion in China weniger von der Krise getroffen würden, doch das hat sich mit der Ausbreitung des Coronavirus in andere Länder schnell geändert.
Der Verfolger Huawei hatte einen Rückgang im gleichen prozentualen Umfang auf nunmehr 49 Millionen Stück hinzunehmen, dazu kommen als doppelte Belastung weiter die Probleme mit dem US-Embargo. Diese haben in Märkten jenseits von China einen stark negativen Einfluss, wo die Verkäufe um 35 Prozent zurückgingen. In der Heimat konnte Huawei die Stückzahlen dagegen auch in der Krise stabil halten und seinen Marktanteil auf stolze 41 Prozent steigern.

Marktanteil von Apple steigt

Mit «nur» zwölf Prozent auf 38,5 Millionen Geräte ist der Einbruch beim Dritten, Apple, etwas schwächer, entsprechend steigt der Marktanteil sogar leicht auf 14 Prozent. Die Analysten sehen hier vor allem die guten Verkäufe des iPhone 11 am Anfang des Quartals positiv und rechnen künftig dem neuen iPhone SE einiges Potenzial zu, da damit der Trend zum Downgrading beim Kauf genutzt werden könne.
Auch wenn inzwischen Industrie und Handel in vielen Ländern wieder vorsichtig hochfahren, sind die Marktforscher skeptisch, ob dieses Jahr noch eine Erholung des Markts gelingen kann, zumal manche den Höhepunkt des Einbruchs erst noch für das zweite Quartal erwarten: Bei Omdia rechnet man für das Gesamtjahr 2020 mit einem Rückgang der weltweiten Verkäufe gegenüber 2019 um 13 Prozent auf nunmehr 1,2 Milliarden Geräte.


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