Huawei Developer Conference 11.09.2020, 15:30 Uhr

Huawei hegt grosse Pläne mit Harmony OS und lanciert neue Hardware

Huawei stellt neue Kopfhörer, neue Laptops und neue Smartwatches vor (ja, alles im Plural). Die Bombe platzte aber in Sachen Software – Huawei sagt Android Adieu und bringt nun wirklich Harmony OS.
Das Huawei-Hauptquartier in Shenzhen
(Quelle: Huawei)
Huawei hat am gestrigen Donnerstag seine hauseigene Entwicklerkonferenz abgehalten – und statt «One more thing» am Schluss des Events, liessen die Chinesen die Bombe recht früh platzen: HarmonyOS, das bereits kurz nach dem US-Bann für Google Dienste entwickelte Betriebssystem, kommt in einer neuen Version auf den Markt. Das Besondere: Das Betriebssystem, das die Grundlage für Huaweis eigenes Ökosystem darstellt, ist Open Source. Nach dem Vorbild Android soll das System also jedem Unternehmen zur Verfügung stehen, das es nutzen will. HOS, so der Kurzname, wird mit Apps und Schnittstellen ausgestattet sein. So soll HOS geräteübergreifend für Smart Devices einsetzbar sein – von Phones, über Fernseher und Waschmaschinen bis zu Autos. Weil sich «Open Source» auf den Code bezieht, können Fachleute das OS auch auf seine Sicherheit hin prüfen.
Quelle: Huawei
Zudem gibt Huawei bekannt, dass auch geplant sei, die Hardware-Plattformen öffentlich zu machen. So können beispielsweise App-Entwickler die Kamerafeatures der Huawei-Phones vollumfänglich nutzen. Damit reagiert man auf den zunehmenden Druck der Amerikaner, die auch Drittparteien in das Embargo gegen Huawei miteinbeziehen möchten. Harmony OS 2.0 ist ab sofort verfügbar und soll bis spätestens im Oktober 2021 mit allen Smart Devices kompatibel sein. Anzunehmen ist, dass Huawei ab dem Frühling 2021 eine Einsteiger-Phones und ab Herbst seine Flaggschiffe mit Harmony OS ausstatten wird – vermutlich macht also die 2021-er Version des Mate den Anfang.
Für hiesige Nutzer ist dann wichtig zu wissen: Apps, die nicht in Huaweis eigenem App Store – der App Gallery – angeboten werden, sind dann wohl nicht mehr einsetzbar. Auch nicht als APK von Drittstores. Ausser natürlich, die Entwickler portieren die App auf HOS, was gemäss Huawei «sehr einfach und schnell» möglich sein soll.

Huaweis Angriff auf den Hardware-Thron

Am Nachmittag ging man dann zum Thema Hardware über. Huawei liess sich nicht lumpen. Zwar wartet man mit dem Mate Phone noch zu – es wird für Oktober erwartet – dennoch lancierte Huawei gleich 6 Hardware-Devices: 2 Laptops, 2 Smartwatches und zwei Kopfhörer.
Quelle: Huawei
Heiss erwartet wurde der Nachfolger der FreeBuds 3, also die True Wireless Kopfhörer von Huawei. Die Freebuds Pro (199 Euro, noch kein Schweizer Preis), so ihr Name, sind nicht nur in Sachen Namenszusatz, sondern auch optisch von einer Kalifornischen Früchtefirma inspiriert worden. Man setzt nun auf In-Ear-Pods. Huawei betonte, dass sich sowohl in Sachen Bedienung, mit Touch- und Bewegungsgestern, und beim Active Noise Cancelling viel getan hätte. So ist der komplette Bedien-Bedarf mit Touch- und Bewegungsgesten zu machen -  das Smartphone wird nicht mehr benötigt – ausser zum starten der Musikapp. Das ANC soll für TW-Hörer bahnbrechend sein und je nach Modus – es gibt deren drei – Lärm von bis zu 40 dB unterdrücken. Damit überflügelt man die bisherigen Branchenleader Apple (38 dB) und Sony (33 dB). Zudem hält der Akku der Hörer bis zu 7 Stunden – mit Nachladen in der Ladeschale werden es 30 Stunden. Wir sprechen hier natürlich vom Einsatz ohne NC, dann sind es noch 4,5 Stunden. Zudem unterstützen die Pros Multipoint (mit mehreren Devices gleichzeitig koppelbar) und das, was Sony Speak-to-Chat nennt – also ein Unterbruch der Musik, wenn der Träger zu sprechen beginnt. Auch der neue BT Standard – 5.2 – wird unterstützt.
Quelle: Huawei
Auch die FreeLace (119 Euro, noch kein Schweizer Preis), also die TW-Kopfhörer, die miteinander verbinden sind, haben eine Pro-Version spendiert erhalten. Auch hier gibt’s ANC bis 40 dB und 24 Stunden Akku-Laufzeit – sowie ein versteckter USB-C-Plug, sollte der Saft mal ausgehen.

Smartwatches

Quelle: Huawei
Hier lanciert Huawei zwei Geräte. Einmal die GT2 Nachfolgerin GT2 Pro, einmal die Huawei Watch Fit, welche optisch etwas an die Apple Watch erinnern. Bei der GT2 Pro wurde Saphirglas und Titanium sowie Keramik als „Baumaterialien“ verwendet – Luxussegment also. Die Software soll vor allem in Sachen Sportmodi und bei den Messungen der Vitalzeichen präziser und umfassender sein. Dennoch soll der Akku bei normalem Gebrauch 2 Wochen durchhalten. Mit 5 Minuten kabellosem Laden sollen zudem 10 Stunden Betrieb rausspringen.
Quelle: Huawei
Die Watch Fit ist unschwer im Sport-Bereich anzusiedeln. Sie ist bis zu 50 Meter Wasserdicht, hält 10 Tage ohne Ladung durch und enthält umfassende Sportprogramme. Während sich der Preis der GT2 Pro bei 329, respektive 349 Euro bewegt – je nach Version – geht die Watch Fit bereits für 129 Euro über den Ladentisch.

MateBooks

Quelle: Huawei
Last but not least stellte Huawei noch die Neuauflagen der MateBook 14 und der MateBook X-Serie vor. Das Matebook X hat einen 14 Zoll Screen und sei dennoch kleiner als ein DIN-A4-Papier. Zudem wiege es gerade nur 1 Kilo. Das in 4 Farben erhältliche Notebook ist in einer Core i5 und in einer Core i7 Version mit 16 GB RAM und 512 GB SSD erhältlich und kostet 1599, respektive 1799 Euro.
Quelle: Huawei
Das MateBook 14 ist das Work-Notebook. Hier rühmt sich Huawei einer guten Display-Entwicklung – mit einer Auflösung von 2160x1440 Pixel und einer Display-Body Ratio von 90 Prozent.  Je nach Konfiguration kostet das Gerät 849, 949 oder 1049 Euro. 


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