CIO & IT-Manager Summit und CIO Award 2019 05.08.2019, 13:15 Uhr

«Wir feiern das IT-Management»

Schon nächsten Monat ist es wieder soweit: Dann werden die Top-CIOs des Jahres 2019 ausgezeichnet. Michael Ghezzo, Initiator des Swiss CIO Award, sagt im Interview, was ihn bei den Einreichungen überrascht hat und wie sich das Berufsbild des CIOs weiterentwickeln wird.
Michael Ghezzo ist Gründer von Confare und Initiator der Veranstaltung Swiss CIO Summit und des Swiss CIO Awards.
(Quelle: Confare )
Computerworld: Am 11. September findet das diesjährige Swiss CIO & IT-Manager Summit mit der Award-Verleihung Swiss CIO Award statt. Auf was freuen Sie sich besonders?
Michael Ghezzo: Das CIO & IT-Manager Summit ist ein Fest für den Berufsstand des IT-Managements. Die Community wächst Jahr für Jahr und wir freuen uns gerade über einen Anmelderekord. Summit und Award funktionieren aus meiner Sicht auf verschiedenen Ebenen, die im Moment entscheidend sind: Sie liefern auf der einen Seite Feedback zum eigenen Weg, Schulterklopfen und einen Realitätscheck, auf der anderen Seite bieten sie Inspiration, um Probleme zu lösen und die aktuellen Herausforderungen rund um die Digitale Transformation der Wirtschaft zu bewältigen. Wir erwarten eine grosse Anzahl an Praxisbeispielen von Schweizer IT-Managern aus unterschiedlichen Branchen.
CW: Zum Beispiel?
Ghezzo: Etwa von der Baloise Group, dem Flughafen Zürich, den SBB oder von homegate.ch. Desweiteren freue ich mich auf Beiträge von preisgekrönten IT-Managern aus Österreich und Deutschland, insbesondere den Porsche-Informatik-Chef und Preisträger des CIO-Awards Manfred Immitzer, Fachleute von Gartner und EY sowie Experten zum Thema Wirkung. Zusätzlich gibt es intensive Workshops, die parallel zum Konferenzprogramm laufen, in denen sich Teilnehmer über Themen wie Kulturwandel, KI und Cloud-Strategie austauschen. Ich freue mich auf eine Community, die ich persönlich sehr schätze, ein extrem vielfältiges Programm und tolle Preisträger.
CW: Das diesjährige Motto lautet: «Be the Influence». Wie können CIOs zu Influencern der IT in ihren Unternehmen werden?
Ghezzo: In der Umfrage zur Gartner CIO Agenda 2019 hat sich eine starke Diskrepanz ergeben, zwischen der hohen Verantwortung, die CIOs im DACH-Raum für die Digitale Transformation des Unternehmens haben und der teils nur geringen Einbindung in die Konzeption und Entwicklung des Wandels. Das wird sowohl für die Unternehmen als auch für die IT-Manager zum Problem. Einfluss hat man nicht einfach, man muss ihn verdienen und nehmen. Im Marketing spricht man von Influencern, die ganze Communities bewegen. Diese Digitalen Influencer braucht es auch in der Firmenorganisation: Dazu heisst es: Raus aus dem Rechenzentrum, raus aus den Abteilungssilos. Die Trennung zwischen Business und IT macht im Digitalen Business keinen Sinn mehr. Es gilt gemeinsam Impact zu schaffen.
CW: Was hat die Jury bei den diesjährigen Einreichungen besonders beeindruckt? Gab es Überraschungen?
Ghezzo: Es gibt immer Überraschungen. Uns erreichen Nominierungen und Einreichungen aus ganz unterschiedlichen Unternehmen und Branchen. Es hat sich herausgestellt, dass es kaum zwei CIO-Rollen in Unternehmen gibt, die sich gleichen. Jeder setzt andere Schwerpunkte in seinen Aufgabenportfolios und bei den Skills. Während für den einen Führung und Kultur wichtig sind, die im Fokus stehen, hat jemand anderes technische Exzellenz und Innovation als oberste Ziel. Es gibt eine klare Tendenz, dass die klassischen IT-Leistungen immer weniger zur Argumentation einer Einreichung herangezogen werden. Kosten, Prozesse, Strategie oder erfolgreiche ERP-Projekte sind nicht mehr ausschlaggebend. Es geht um Modernisierung und Geschäftsinnovation. Es ist ausserdem schön zu sehen, wie Jahr für Jahr mehr Aufwand und Begeisterung in die Einreichungen fliessen und wie liebevoll diese gestaltet sind. Das werte ich als Wertschätzung gegenüber der Auszeichnung und zeigt auch, dass viele IT-Manager wirklich das Zeug haben, um als Influencer des Wandels im Unternehmen zu wirken.
CW: Der Award wurde in Österreich ins Leben gerufen und hat sich inzwischen in der Schweiz etabliert. Inwieweit unterscheiden sich die Themen österreichischer CIOs von ihren Schweizer Kolleginnen und Kollegen? Und welche Gemeinsamkeiten stellen Sie fest?
Ghezzo: In beiden Ländern haben wir gemerkt, dass es für viele eine Hürde darstellt, sich selbst in Form einer Einreichung aufs Podest zu stellen. Als wäre es vermessen, die eigenen Leistungen darzustellen und zu promoten. Deswegen haben wir in der Schweiz auch damit gestartet, dass es neben der Möglichkeit, sich selbst zu bewerben auch die Möglichkeit für Dritte gibt, jemanden zu nominieren. Es ist ein bisschen ein Bauchgefühl, aber ich habe den Eindruck, dass die Schweizer Kandidaten mehr in den Bereich Business Innovation einbezogen sind, als es in Österreich der Fall ist. Frauen sind in beiden Ländern leider unterrepräsentiert. Allerdings war die erste Preisträgerin des CIO-Award im DACH-Raum eine Österreicherin bei einem Schweizer Unternehmen.
CW: IT-Verantwortliche müssen den IT-Betrieb am Laufen halten und zugleich neue Technologien für künftige Geschäftsmodelle implementieren und das bei einem engen Budgetrahmen. Wie kann dieser Spagat gelingen?
Ghezzo: IT ist Business und Business ist IT. Der IT-Betrieb ist kein Selbstzweck und ein IT-Management, das den Impact seiner Tätigkeit auf den Geschäftserfolg spürbar machen kann, erspart sich die Diskussion über jährlich sinkende Kosten. Der CIO als Influencer wird als Mitstreiter für den Erfolg erkannt, und ist somit weder Enabler, noch Berater, noch reiner Kostenfaktor. Kein Vorstand, Geschäftsführer und Eigentümer wird unvorsichtig am eigenen Erfolg sparen. An Servern und Software aber sicherlich gerne.
CW: Das Motto für nächstes Jahr lautet «The Decade of the CIO Jetzt. Alles. Anders.» Was wird in der nächsten Dekade auf uns zukommen? Wie wird sich das Berufsbild des CIOs verändern?
Ghezzo: «Keeping the lights on» ist keine zukunftsorientierte Aufgabe. Der reine IT-Betrieb oder Betrieb eines Rechenzentrums ist kein essenzieller Mehrwert für die interne IT und Technologiewissen alleine reicht nicht aus. Nicht die Technik schafft Wettbewerbsvorteile, sondern die Kreativität und Bereitschaft der Menschen in den Unternehmen, diese einzusetzen.
Aus meiner Sicht sind es fünf Bereiche, in denen der CIO auch in Zukunft unersetzlich sein wird:
  1. Als Influencer des Wandels kann die interne IT Tempogeber der Digitalisierung sein.
  2. Als Ecosystem Manager und Schnittstelle zur Technologie-Start-up- und Welt der Hersteller sorgt er dafür, dass Co-Creativity, Innovation und Wissen über aktuelle Trends im Unternehmen zur Verfügung stehen.
  3. Als Innovationsmotor nutzt der CIO seine Kenntnis des Unternehmens und der Dateninfrastruktur, die er allein durch Automatisierung und Unterstützung von Geschäftsprozessen des Unternehmens hervorragend kennt, um neue datenzentrierte Geschäftsmodelle zu entwickeln.
  4. Als strategischer Infrastruktur-Manager stellt er sicher, dass das Unternehmen auch für künftige Herausforderungen gut aufgestellt ist und dass die technischen Voraussetzungen stimmen, um die Herausforderungen des Marktes zu bewältigen. Dabei sind Compliance und Security von besonderer Bedeutung. Interessante Perspektiven entstehen dabei auch durch das Zusammenwachsen von OT und IT, das durch den vermehrten IoT-Einsatz passiert.
  5. Als Manager und Orchestrierer von Services, die von diversen Dienstleistern, Cloud-Anbietern und Outsourcern geleistet werden, stellt er die Qualität der Dienstleistungen sicher und verwaltet Verträge und Service-Levels.
Somit wird auch im neuen Jahrzehnt CIO nicht für «Career Is Over» stehen. Die Preisträger des Confare CIO-Award in der Schweiz und Österreich demonstrieren deutlich, wie wichtig das IT-Management für den Digitalen Erfolg des Unternehmens ist.
Hinweis: Computerworld ist Medienpartner des Swiss CIO & IT-Manager Summit und des Swiss CIO Award.


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