Nationalbank-Studie 29.08.2019, 13:15 Uhr

Schweizer Banken zeigen wenig Interesse an KI und Cloud Computing

Schweizer Banken streben eine hohe Digitalisierung ihres Geschäftsmodells an, um mit grossen Tech-Konzernen und Digitalbanken mithalten zu können. Von Interesse sind dabei Technologien wie Robotik oder Big Data. KI und Cloud Computing wird offenbar eher vernachlässigt.
(Quelle: Schweizerische Nationalbank)
Gemäss der Ansicht von Schweizer Banken kommen Kundinnen und Kunden in Zukunft davon weg, eine dauerhafte Beziehung mit einem einzigen Finanzinstitut zu pflegen. Um die besten Dienstleistungen zu erhalten, dürften sie stattdessen vermehrt digitale Angebote vergleichen und auf verschiedene Intermediäre aus dem Banken- und Nichtbankensektor zurückgreifen. Das geht aus einer repräsentativen Studie der Schweizerischen Nationalbank (SNB) hervor, die sie im vierten Quartal 2018 durchgeführt hatte. 34 Schweizer Banken, die überwiegend im Kredit- und Einlagengeschäft tätig sind, wurden dabei zu den Themen Digitalisierung und Fintech befragt.
Der Umfrage zufolge rechnen die Banken damit, dass sie einigen Segmenten mit Big Tech und Digitalbanken gewichtige Konkurrenten erhalten könnten. Zutreffen könne dies etwa auf den Zahlungsverkehr oder die Kreditvergabe an Unternehmen. Fintechs werden hingegen weniger als Bedrohung angesehen, wie es seitens der SNB heisst. Diese würden eher als Partner wahrgenommen, «angesichts ihrer bescheidenen Grösse und ihrer Spezialisierung». Längerfristig gehen die Banken aber nach wie vor davon aus, dass sie in der Finanzintermediation weiterhin eine zentrale Rolle spielen werden.

Kosten sparen und Attraktivität fördern

Auf strategischer Ebene streben Schweizer Banken «eine hohe Digitalisierung ihres Geschäftsmodells an», wie die SNB im Bericht zur Studie schreibt. Damit wollten sie insbesondere Kosten senken und für ihre Kundinnen und Kunden attraktiv bleiben. Beratung und persönliche Kontakte sollen jedoch auch in Zukunft weiterhin eine wichtige Rolle spielen und durch digitalisierte Prozesse unterstützt werden. Je nach Grösse der Institute verfolge man allerdings unterschiedliche Digitalisierungsstrategien. So setzen sich grössere Banken anspruchsvollere Digitalisierungsziele als die kleineren – insbesondere im Hypothekargeschäft. Der aktuelle Digitalisierungsgrad sei bei den grösseren Banken insgesamt höher.
Weit seien viele die hiesigen Finanzinstitute punkto digitaler Transformation etwa im Bereich der Einlagen oder im Zahlungsverkehr. Weitere Digitalisierungsmassnahmen sind laut Umfrage dagegen noch bei der Automatisierung der Kontoeröffnung oder zur Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit vorgesehen. Damit solle dem Markteintritt von Big Tech und Digitalbanken begegnet werden. Im Bereich der Hypothekarkredite an private Haushalte beabsichtigt eine Mehrheit der grösseren Banken, den Prozess weitgehend zu digitalisieren.

Biometrics und Robotik statt KI und Cloud Computing

Wie sieht es eigentlich mit den Technologien aus, die für die Schweizer Banken-Szene in den kommenden drei Jahren zukunftsweisend sein werden? Überraschenderweise spielen laut den hiesigen Instituten künstliche Intelligenz, Cloud Computing oder auch Blockchain – respektive die Distributed Ledger Technologie – nur eine untergeordnete Rolle. Hohe Relevanz wird hingegen Themen wie Biometrics / Digital Identity, Robotics / Automation und Big Data beigemessen.
Die Mehrheit der Banken erachtet die regulatorischen Rahmenbedingungen als angemessen. Es wurde bei der Umfrage aber auch konkreter Verbesserungsbedarf geäussert – unter anderem bezüglich des Fehlens gesetzlicher Grundlagen für den elektronischen Identitätsnachweis sowie der Notwendigkeit von physischen Dokumenten und Unterschriften bei gewissen Geschäften.
Die Umsetzung der Digitalisierungsstrategie wurde im Rahmen der SNB-Studie ebenfalls abgefragt. Hier setzen grösseren Banken den Ergebnissen zufolge in erster Linie auf eigene Innovationen und Lösungen. Auch würden Kooperationen mit anderen Marktteilnehmern gesucht, vor allem mit Fintechs und mit Anbietern von Kernbankensystemen. Kleinere Banken setzen vorwiegend auf Kooperationen und teilweise auch auf Outsourcing, jedoch weniger auf eigene Innovationen.


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