24.10.2017, 14:38 Uhr

Doodle wird 10

Seit zehn Jahren vereinfacht die Schweizer Entwicklung Doodle die Terminfindung.
Der Online-Terminplaner Doodle entstand vor zehn Jahren aus einer einfachen, aber bestechenden Idee. Heute steht die Firma für die erfolgreiche Schweizer Start-up-Szene und hat mit dem Medienkonzern Tamedia einen potenten Besitzer.
Die Idee für Doodle entstand im Jahr 2007, als der Informatiker Michael Näf ein gemeinsames Nachtessen mit Freunden organisierte und dazu unzählige Telefonanrufe tätigen musste. «Der Prozess für die Terminfindung war sehr zeitaufwändig und umständlich. Das gab mir den Impuls, mir zu überlegen, wie man diesen Prozess effizienter gestalten könnte», erinnert sich Näf im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA. Zusammen mit seinem Kollegen Paul Sevinç beginnt der damalige Dozent an der ETH-Zürich mit der Entwicklung von Doodle. Nach kurzer Zeit organisieren bereits mehrere Hunderttausend Nutzer ihre Terminfindung über die Plattform. Die beiden Informatiker gründen in Zürich die Doodle-Muttergesellschaft Inturico Engineering, wobei sie auch von einem Coaching der Kommission für Technologie und Innovation, einer Förderagentur des Bundes, profitieren.

Rasantes Wachstum

Rund ein Jahr nach der Gründung sichern sich Näf und Sevinç in einer Finanzierungsrunde das nötige Kapital um weiter zu wachsen und gründen eine Aktiengesellschaft. Die Domain wird in doodle.com geändert. Ende 2008 zählt Doodle bereits 2 Millionen Nutzer. Doodle, zu Deutsch «Gekritzel», funktioniert denkbar einfach. Die Person, die ein Treffen organisieren will, schickt eine Mail mit einer Terminauswahl. Die Eingeladenen können dann die passenden Daten und Zeiten auswählen. Jene Felder, die von allen angekreuzt wurden, erscheinen in Grün - der Termin steht. Doodle verbreitete sich dank der simplen Anwendung in kürzester Zeit. «Es ist sehr viral», sagt Jean Marie Ayer, Professorin an der Freiburger Hochschule für Wirtschaft. Neulinge, die zum ersten Mal an einer Umfrage teilnehmen, würden Doodle später auch in anderen Gruppen anwenden. Nächste Seite: Einstieg von Tamedia

Einstieg von Tamedia

Der Basisservice ist gratis und wird durch Werbung finanziert. Kostenpflichtige Dienste für Privatpersonen und Unternehmen wurden 2009 eingeführt. Doch Investoren sind damit nicht einfach anzulocken. Dieses in der Schweiz weniger bekannt Geschäftsmodell könne auf Vorbehalte stossen - im Hinblick sowohl auf die Finanzen als auch den Aufbau einer breiten Nutzerbasis, sagt Ayer. Wegen der teuren Lizenzen sei die Software eher für gewerbliche Nutzer gedacht. Doch für das Unternehmen lief es gut. Die Gewinnschwelle erreichte Doodle 2010. Im Mai 2011 stieg Tamedia mit 49 Prozent in das Startup-Unternehmen ein. Damals zählte die Planungsseite jeden Monat 8 Millionen Nutzer. Im Oktober platzierte das Institut für Jungunternehmer (IFJ) Doodle auf dem dritten Rang der Top-100 der vielversprechendsten Schweizer Start-ups. Die Entwickler hätten es geschafft, eine simple und sehr effiziente Plattform zu entwickeln, so Jordi Montserrat von Venturelab, das die Top-100 lancierte. Sie hätten die Möglichkeiten der viralen Verbreitung ausgenutzt und die Werbung so gezielt verkauft. Doodle spreche die Hürden innerhalb des gesellschaftlichen, beruflichen und privaten Lebens an, sagt Soziologe Olivier Glassey von der Universität Lausanne. Es könne Personen verbinden, die viele gemeinsame Aktivitäten haben, jedoch keinen Zugang zur Agenda des Anderen. Damit sei es möglich, die Zeit zu verwalten, Verfügbarkeiten auszuhandeln und so sein Zeitmanagement zu optimieren.

Vorbild für andere Start-ups

Tamedia übernahm Doodle schliesslich im November 2014 vollständig. Näf und Sevinç verkauften ihre Anteile und zogen sich in den Verwaltungsrat zurück, um sich anderen Aktivitäten des Jungunternehmens zu widmen. Mit Tamedia im Rücken hat sich das Unternehmen internationales Wachstum zum Ziel gesetzt. 2015 eröffnete Doodle in Berlin ein weiteres Büro. Neben der Schweiz gehören nun Deutschland, Frankreich und die USA zu den wichtigsten Geschäftsregionen. Aktuell beschäftigt das Unternehmen 35 Personen. Die Zahl der monatlichen Nutzer auf der Planungsseite ist derweil auf 26 Millionen angestiegen. «Es ist und bleibt motivierend, Doodle stetig weiterzuentwickeln», sagt Näf. Der internationale Erfolg des Schweizer Start-ups sei  für die gesamte Szene wichtig.

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