Anzeige
Anzeige
Anzeige
Lesedauer 3 Min.

Jetzt sind die CIOs gefragt

Die IT profitiert stark von KI und steckt trotzdem in einer paradoxen Krise. Gefährden wir gerade unsere Zukunft?

Reinhard Riedl beschäftigt sich mit digitalen Ökosystemen sowie der Rolle der Menschen im digitalen Wandel von Unternehmen und Märkten. Er ist ausserdem Herausgeber des Wissenschafts-Blogs «Societybyte» der Berner Fachhochschule. www.societybyte.swiss

© Reinhard Riedl

Wer kennt es nicht: Ein geschäftlich wichtiges IT-Projekt wird von der IT auf die lange Bank geschoben – und danach noch mehrmals weiter in die Zukunft verschoben – weil die Ressourcen fehlen. Dieses Erlebnis haben selbst Mitarbeitende der IT, beispielsweise bei Vorhaben zu «Data Governance» oder «Observability», die oft nicht vom Fleck kommen. 

In der Schweiz ist die Lage besser als im Ausland. Doch auch hier sind die Projektportfolios der IT-Abteilungen übervoll und die fehlenden IT-Kapazitäten bremsen die Geschäftsentwicklung – zum Schaden für Mitarbeitende und Kunden oder Klienten, beispielsweise in den Spitälern. 

Scheinbar fehlt es nur am Geld, doch meist würde mehr Geld nicht helfen, weil erstens hochqualifizierte Fachkräfte nicht einfach rekrutiert werden können und zweitens auch Führungsaufgaben auf die lange Bank geschoben werden. Die Produktivität der IT-Abteilung kann aber nicht beliebig durch den Einkauf neuer Menschen oder Werkzeuge gesteigert werden.

Zugegeben, was derzeit abgeht, ist widersprüchlich und schwer zu durchschauen. Viele Unternehmen haben mit Erfolg ihr IT-Personal ausgetauscht und verstehen nicht, dass sie jetzt an ihre Grenzen stossen. Gleichzeitig wächst trotz Fachkräftemangel die Arbeitslosigkeit in der IT und die Stellenanzeigen werden weniger. Immer mehr Menschen glauben, dass es unmöglich sein wird, die Employability von IT-Fachkräften langfristig zu erhalten. Sie rechnen damit, dass in 10 Jahren die KI die meisten IT-Aufgaben erledigen wird. Aber auch optimistischere Zeitgenossen beobachten, dass in der IT kaum mehr Juniors neu angestellt werden, sondern nur mehr erfahrene, besonders gut qualifizierte Seniors.

Die Produktivität der IT-Abteilung kann nicht beliebig durch den Einkauf neuer Menschen oder Werkzeuge gesteigert werden.

Reinhard Riedl

Warum das alles so ist, haben wir noch nicht genügend verstanden, die Folgen aber sind absehbar. Eltern werden ihren Kindern abraten, IT-Lehren zu ergreifen (in der Schweiz haben 80 % der IT-Fachkräfte eine Lehre gemacht) und die Hochschulabsolventen werden es zunehmend schwer finden, sich durch berufliche Erfahrung weiter zu qualifizieren. Die Nachwuchs-Pipeline droht so auf breiter Front einzubrechen. Wir werden die Leute, welche in Zukunft mit KI arbeiten sollen, noch mehr als bisher aus dem Ausland importieren müssen. Dort drohen jedoch ähnliche Entwicklungen. Am Ende bleibt uns im schlimmsten Fall nur mehr die Hoffnung, dass die KI sich selbst gut steuern wird. Jetzt ist es deshalb Zeit für die CIOs zu zeigen, dass sie wirklich etwas draufhaben und ihnen die Zukunft des Landes wichtig ist. Wenn sie mehr statt weniger Lehrlinge in IT-Berufen ausbilden – und aktiv durch Werbung diese auch anziehen – und wenn sie mehr statt weniger Juniors anstellen und diesen eine Fachkarriere ermöglichen, schafft das Nutzen für alle. Das braucht Mut! Aber Einsatz für die Zukunft hat schon immer Mut verlangt und selten schnelles Lob eingebracht.

Gesellschaft CIO
Anzeige

Neueste Beiträge

Mittelklasse: Nothing zeigt das Phone (4b)
Beim neuen Phone (4b) setzt Nothing auf ein attraktives Preis-Leistungsverhältnis. Das Design der Rückseite ist weniger extravagant als bei anderen Modellen des Herstellers, hat aber zumindest wieder ein ungewöhnliches Element.
2 Minuten
9. Jul 2026
Anpassung der Energieetikette für Neuwagen ab 1. Januar 2027
Das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) hat die Grundlagendaten der Energieetikette für Personenwagen aktualisiert.
3 Minuten
ICT-Fachmesse CONNECT von Brack.Alltron erscheint in neuem Gewand
Unter dem Motto «Unboxing Tomorrow» möchte die Handelsgruppe Brack.Alltron die ICT-Themen von morgen präsentieren. 
3 Minuten
10. Jul 2026

Das könnte Sie auch interessieren

ORCA Services Gründer Rolf Gerber übergibt operative Leitung an Nicole Buser
Nach 21 Jahren an der Spitze der ORCA Services AG leitet Unternehmensgründer Rolf Gerber den Generationenwechsel ein. Zum 1. Juni 2026 zieht er sich aus der operativen Geschäftsführung zurück. Die Nachfolge übernimmt Nicole Buser, die das Unternehmen künftig als Geschäftsführerin leitet.
2 Minuten
Remko Rijnders übernimmt als CEO von Ceconomy
Nach dem überrschenden Rücktritt des CEO Kai-Ulrich Deissner hat der Ceconomy-Konzern, mit dem ehemaligen CFO Remko Rijnders jetzt einen Nachfolger gefunden.
2 Minuten
2. Jul 2026
Varun Krishnan wird neuer Privatkunden-Chef von Vodafone
Vodafone Deutschland hat die Leitung seines Privatkundengeschäfts neu besetzt. Zum 1. Juli übernimmt Varun Krishnan die Verantwortung für die Consumer Business Unit (CBU) und rückt damit in die Geschäftsführung auf. Er folgt auf Matthias Lorenz, der das Unternehmen nach rund anderthalb Jahren in dieser Funktion verlässt.
3 Minuten
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige