Jetzt sind die CIOs gefragt
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Wer kennt es nicht: Ein geschäftlich wichtiges IT-Projekt wird von der IT auf die lange Bank geschoben – und danach noch mehrmals weiter in die Zukunft verschoben – weil die Ressourcen fehlen. Dieses Erlebnis haben selbst Mitarbeitende der IT, beispielsweise bei Vorhaben zu «Data Governance» oder «Observability», die oft nicht vom Fleck kommen.
In der Schweiz ist die Lage besser als im Ausland. Doch auch hier sind die Projektportfolios der IT-Abteilungen übervoll und die fehlenden IT-Kapazitäten bremsen die Geschäftsentwicklung – zum Schaden für Mitarbeitende und Kunden oder Klienten, beispielsweise in den Spitälern.
Scheinbar fehlt es nur am Geld, doch meist würde mehr Geld nicht helfen, weil erstens hochqualifizierte Fachkräfte nicht einfach rekrutiert werden können und zweitens auch Führungsaufgaben auf die lange Bank geschoben werden. Die Produktivität der IT-Abteilung kann aber nicht beliebig durch den Einkauf neuer Menschen oder Werkzeuge gesteigert werden.
Zugegeben, was derzeit abgeht, ist widersprüchlich und schwer zu durchschauen. Viele Unternehmen haben mit Erfolg ihr IT-Personal ausgetauscht und verstehen nicht, dass sie jetzt an ihre Grenzen stossen. Gleichzeitig wächst trotz Fachkräftemangel die Arbeitslosigkeit in der IT und die Stellenanzeigen werden weniger. Immer mehr Menschen glauben, dass es unmöglich sein wird, die Employability von IT-Fachkräften langfristig zu erhalten. Sie rechnen damit, dass in 10 Jahren die KI die meisten IT-Aufgaben erledigen wird. Aber auch optimistischere Zeitgenossen beobachten, dass in der IT kaum mehr Juniors neu angestellt werden, sondern nur mehr erfahrene, besonders gut qualifizierte Seniors.