«Stabil bleiben, wenn es wackelt»
Interview mit Massimiliano D`Auria, Computacenter Schweiz
Die globale politische Lage ist ein zentrales Thema für IT-Entscheider, denn Sanktionen, Exportkontrollen und damit verbundene Unsicherheiten und Volatilität mit Zöllen haben unmittelbare Auswirkungen auf Unternehmen. Im Interview erläutert Massimiliano D`Auria, Country Unit Director Computacenter Schweiz, wie Unternehmen diesen Herausforderungen begegnen und zugleich ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern können. Dabei stehen Sicherheit, Kostenkontrolle, Datenhoheit und Handlungsfähigkeit im Mittelpunkt.
Computerworld: Herr D’Auria, warum ist Geopolitik heute ein Top-Thema für IT-Entscheider?
Massimiliano D`Auria: Technologie und Weltgeschehen sind heute enger denn je verknüpft. Sanktionen, Exportkontrollen, Risiken in Lieferketten, Cyberangriffe und neue Regulierungen beeinflussen direkt Budgets, Verfügbarkeiten und Sicherheit. Für Schweizer Grossunternehmen – egal ob Finanzsektor, Pharma, Industrie oder öffentlicher Sektor – ist IT das Nervensystem der Wertschöpfung. Unsichere Rahmenbedingungen erfordern Partner, die Planungssicherheit und Handlungsfähigkeit garantieren. Notwendig ist eine verlässliche Strategie: Passende Lösungen vom Aufbau der Infrastruktur über die Sicherheit bis hin zu Datenhoheit und Kostenkontrolle sind gefragt.
CW: Was heisst das konkret für Grosskunden in der Schweiz?
D`Auria: Versorgungssicherheit bei der Infrastruktur: Geräte, Komponenten und Dienstleistungen müssen zuverlässig verfügbar sein. Cyber-Resilienz: Professionell organisierte und teilweise politisch motivierte Angriffe machen Ansätze wie Zero-Trust, Detection & Response sowie geübte Notfallprozesse unverzichtbar. Datenhoheit und Compliance: Nationale und internationale Vorgaben sind einzuhalten, ohne dabei an Agilität zu verlieren. Kostenkontrolle: Transparenz und Steuerinstrumente sind der Schlüssel zu planbaren Betriebskosten. Wichtig ist eine ganzheitliche Sichtweise und Betreuung. Kunden erwarten einen Partner, der End-to-End Verantwortung übernimmt – von der strategischen Beratung über die Umsetzung bis zum Betrieb.
CW: Wie ist Computacenter global aufgestellt?
D`Auria: Computacenter (Schweiz) AG ist Teil der Computacenter plc mit Hauptsitz in England. Von dort wird die Gruppe strategisch und operativ gesteuert. In Europa sind wir breit aufgestellt - England, Frankreich, Belgien, Niederlande. Besonders eng ist die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Schweiz. Auch in den USA haben wir unsere Hausaufgaben gemacht: Teams, Liefer- und Servicekapazitäten sowie Prozesse und Zertifizierungen sind etabliert und in der Gruppe integriert. Wir passen Lieferketten, Ressourcen und Dienstleistungsmodelle an Kundenbedürfnisse und geopolitische Entwicklungen an. Schweizer Kunden profitieren von wettbewerbsfähigen Ressourcen und Konditionen – ohne dass lokale Verantwortung verloren geht. Die innerhalb der Gruppe durchdachte Verzahnung von Technology Sourcing, Professional Services und Managed Services schafft Effizienz und Skalierbarkeit.
CW: Worin liegt der unmittelbare Nutzen für Schweizer Kunden?
D`Auria: Alternativen statt Engpässe: Multivendorund Mehrquellen-Strategien, abgestimmte Bestände und alternative Routen sichern die Versorgung. Right-shoring: Lokale Verantwortung und direkte Ansprechpartner, die Kapazitäten aus den geeigneten Lokationen zur Verfügung stellen können. Konsistente Qualität: Standardisierte Prozesse, die lokal verantwortet und international skaliert werden. Computacenter begleitet Kunden während des gesamten Lebenszyklus als strategischer Partner.
CW: Wie gehen Sie mit den Herausforderungen von Exportkontrollen und Sanktionen um?
D`Auria: Projekte werden auf aktuelle Regularien geprüft, Entscheidungen dokumentiert und Alternativen entwickelt – sei es durch andere Technologien, Konfigurationen oder Lieferwege. Compliance ist nicht nur Pflicht, sondern schützt die Geschäftsziele der Kunden. Geschwindigkeit und Sorgfalt gehen Hand in Hand: Klare Workflows, definierte Rollen und transparente Kommunikation werden durch menschliche Expertise und automatisierte Prüfsysteme gestützt.
CW: Stichwort Datenhoheit in der Schweiz...
D`Auria: Lokale Datenhoheit ist ein Thema, mit dem sich sowohl unsere Kunden als auch wir als internationale Firma auseinandersetzen. Dazu kommt, dass die Anforderungen je nach Branche unterschiedlich ausgestaltet werden müssen. Bei Cloud-Lösungen setzt Computacenter in Zusammenarbeit mit Kunden auf hybride und Multi-Cloud-Modelle sowie Schweizer Rechenzentren der Hyperscaler. Für besonders sensible Workloads gibt es souveräne Lösungen, damit auch spezifische Anforderungen bereits im Design abgedeckt werden können. Regelmässige Audits und kontinuierliche Schulungen sichern die Einhaltung der Vorgaben.
CW: Welchen Stellenwert hat Cybersecurity heute für das Nervensystem der Wertschöpfung?
D`Auria: Das Thema ist zentral, denn die Gefährdung steigt – durch Homeoffice, Multi-Cloud-Umgebungen, vernetzte Produktionsprozesse und auch durch Lieferanten, mit ihren Systemen und Benutzern. Wir unterstützen unsere Kunden dabei, die richtige Balance zwischen effizienter IT-Unterstützung und der – den individuellen Anforderungen entsprechenden – Sicherheit zu finden. Das betrifft Bereiche wie Infrastruktur, Workplace, Identity, Cloud. Aktive Überwachungsmechanismen sind wichtig. Ausserdem integrieren wir regelmässige Audits und Tests, um die Sicherheit unter realistischen Bedingungen zu erproben und kontinuierlich zu verbessern.
CW: Wie unterstützen Sie international agierende Schweizer Kunden mit Standorten weltweit?
D`Auria: Schweizer Unternehmen mit globalen Standorten profitieren von lokaler Nähe und internationaler Stärke. Vor Ort verantwortet ein Schweizer Frontteam Qualität, Compliance und Kommunikation, während Ressourcen aus der Gruppe intelligent genutzt werden. Rollouts und Betriebsübernahmen können so parallel und konsistent in mehreren Ländern stattfinden – unterstützt durch mehrsprachige Teams und standardisierte Werkzeuge. Unser Schweizer Team hat eine tiefe Verankerung bei diesen Kunden. Unsere Spezialität ist es, die erheblichen Ressourcen der Gruppe zu nutzen und gleichzeitig die spezifischen Bedingungen des Schweizer Marktes zu berücksichtigen. So stellen wir sicher, dass das Beste für unsere international agierenden Schweizer Kunden geleistet wird. Der kulturelle Austausch innerhalb der Computacenter-Gruppe fördert zudem die Weitergabe von Best Practices und Innovationen.
CW: Was raten Sie Vorständen, die investieren müssen und Budgets schützen wollen?
D`Auria: Empfehlenswert ist es, Massnahmen zu priorisieren, die das Risiko senken und die Effizienz steigern. Drei Beispiele: Konsequente Härtung, also systematische sowie umfassende Sicherung, und Identitätskontrollen senken das Risiko bei Cyberangriffen. Workplace-Standardisierung und Automatisierung beschleunigen die Bereitstellung und den Support. FinOps in der Cloud schaffen Kostentransparenz und eliminieren «versteckte» Lasten. Zusammen ergibt das messbare Resilienz und eine effizientere Kostenstruktur.
CW: Können Sie ein Praxisbeispiel nennen?
D`Auria: Ein Schweizer Kunde fusionierte Geschäftseinheiten in Europa und global. Wir haben Arbeitsplatz Standards vereinheitlicht, Lieferketten abgesichert und Identitäts- sowie Netzwerkzugriffe nach Zero-Trust Prinzipien neu geordnet. Parallel führten wir FinOps-Mechanismen in der Cloud ein. Ergebnis: stabilere Betriebskennzahlen, eine kürzere Time-to-Deploy und weniger sicherheitsrelevante Vorfälle – bei vergleichbaren oder tieferen Gesamtkosten.