Anzeige
Anzeige
Anzeige
Lesedauer 3 Min.

Informatikprojekt von Berner Polizei und Justiz erleidet Rückschlag

Neues Ungemach für das Informatikprojekt Nevo/Rialto der Berner Kantonspolizei und der Staatsanwaltschaft. Die Lieferanten teilten mit, dass das System voraussichtlich nicht mehr weiterentwickelt werden soll. Der Kanton muss nun wieder über die Bücher.
© (Quelle: Kanton Bern)

Mit einer innovativen Plattform namens Nevo/Rialto sollte die Berner Justiz in die digitale Zukunft geführt werden, so zumindest die Affiche vor einigen Jahren. Eine neue Software sollte die Abläufe bei der Polizei verbessern und eine Brücke schlagen zur Staatsanwaltschaft, mit der eine enge Zusammenarbeit besteht.

2016 sprach der Grosse Rat über 13 Millionen Franken für das Projekt, das sich in der Folge dann aber als zäh erwies. Kinderkrankheiten bei der Einführung des Systems - zunächst bei der Kantonspolizei - sorgten für Schlagzeilen, ebenso steigende Kosten. Bis heute wurden insgesamt 23,6 Millionen Franken in Nevo/Rialto investiert, wie der kantonale Sicherheitsdirektor Philippe Müller der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am Donnerstag sagte.

Bei der Polizei wird die Plattform seit drei Jahren nun «zufriedenstellend» betrieben, wie die bernische Sicherheitsdirektion, die Generalstaatsanwaltschaft und die Kantonspolizei in einer Mitteilung vom Donnerstag schreiben. Die Brücke zur Staatsanwaltschaft ist bisher nur zu kleinen Teilen umgesetzt.

Voraussichtlich keine Weiterentwicklung mehr

Nun teilten die Lieferanten, Swisscom und Deloitte, der Polizei und Staatsanwaltschaft Mitte Juli mit, dass die technische Grundlage für das System voraussichtlich nicht mehr weiterentwickelt werde. Diese Ankündigung sei unerwartet gekommen, betonte Müller. «Wir konnten nicht wissen, dass die SAP-Basis allenfalls nicht mehr weiterentwickelt wird.»

Zudem sei das Interesse anderer nationaler oder internationaler Polizeien und Staatsanwaltschaften an der Plattform ausgeblieben, liessen die Lieferanten die Berner Justiz in ihrem Schreiben wissen.

Noch liege kein definitiver Entscheid vor, führte Müller aus. Es brauche nun Verhandlungen, denn: «Wir haben einen gültigen Vertrag». Der Betrieb der Plattform sei für die kommenden Jahre, genauer gesagt bis 2033, gesichert, sagte Müller.

Dennoch: «Aufgrund dieser veränderten Ausgangslage sind wir gezwungen, die angestrebte Gesamtlösung neu zu beurteilen - wir erwarten entsprechende Vorschläge von den Lieferantinnen Swisscom und Deloitte, die wir genau prüfen werden», sagte Müller.

In den kommenden Wochen und Monaten sollen Lösungs- und Anschlussoptionen geprüft und aufgearbeitet werden. Voraussichtlich im Herbst 2025 will der Kanton dazu informieren.

Andere Ausgangslage

Im Rahmen dieser Standortbestimmung wird laut Mitteilung zu berücksichtigen, dass sich die Ausgangslage der Staatsanwaltschaft von jener der Kantonspolizei Bern unterscheidet: Während das System bei der Polizei läuft, hat die Staatsanwaltschaft nur erst kleine Teile der Brückenlösung umgesetzt.

Dazu kommt laut Mitteilung, dass in wenigen Jahren schweizweit der elektronische Rechtsverkehr eingeführt werden soll und die Staatsanwaltschaft zu diesem Zeitpunkt über eine kompatible Fachapplikation verfügen muss.

Diese Ausgangslage könne dazu führen, dass sich für die Kantonspolizei und die Staatsanwaltschaft unterschiedliche Lösungsansätze anbieten, wobei die Staatsanwaltschaft auch den jeweiligen Zeitbedarf zu berücksichtigen habe.

Keine einfache Aufgabe, wie Müller einräumt. Für den Polizeibereich gebe es gewisse Lösungen anderer Kantone, allerdings ohne die vom Kanton Bern angestrebte Brücke zur Staatsanwaltschaft.

Vergabe Politik
Anzeige

Neueste Beiträge

«Zwischen KI-Vision und Prozessrealität» - Quotes & Thoughts
Mit Thomas Hottinger, Managing Director des SAP-Partners Innflow, habe ich mich über die neue Strategie des «Autonomous Enterprise» von SAP unterhalten. Im Gespräch erklärte er, weshalb Prozessreife und Datenqualität die entscheidenden Voraussetzungen für den erfolgreichen KI-Einsatz sind, welche Themen Schweizer Unternehmen aktuell beschäftigen und warum Cloud-Strategien nicht zwangsläufig im Widerspruch zu Datensouveränität stehen.
5 Minuten
Mitel holt Ben Macdonald an die Channel-Spitze
Der Kommunikationsspezialist Mitel hat Ben Macdonald zum Vice President Global Channel Go-to-Market ernannt. Der langjährige Channel-Manager soll die weltweite Partnerstrategie weiterentwickeln und das Wachstum im Partnergeschäft vorantreiben.
3 Minuten
10. Jun 2026
ESTI – BenQ ruft GV31 Mini-Projektor zurück
In Zusammenarbeit mit dem Eidgenössischen Starkstrominspektorat (ESTI) ruft BenQ den GV31 Mini-Projektor zurück. Der Akku kann überhitzen und dadurch ein Brandrisiko entstehen. Konsumenten können das Produkt an BenQ zurücksenden und erhalten einen Akkutausch oder ein Upgrade auf GV32.
2 Minuten
10. Jun 2026

Das könnte Sie auch interessieren

Darum lohnt sich eine Weiterbildung - Karriere-Tipps
Ihre berufliche Karriere stockt? Sie fühlen sich unterfordert und auch finanziell soll es aufwärtsgehen? Dann verlieren Sie keine Zeit. Computerworld nennt fünf Gründe für eine Weiterbildung und zeigt, wie Sie erfolgreich durchstarten.
5 Minuten
25. Okt 2024
Stärkung der globalen Position der Schweiz im Bereich Bildung, Forschung und Innovation - Swissnex-Jahresbericht 2025
Swissnex ist das weltweite Schweizer Netzwerk für Bildung, Forschung und Innovation. Auch im Jahr 2025 hat es seine Mission mit weitreichenden Initiativen rund um den Globus fortgesetzt. Das Berichtsjahr war durch eine verstärkte Fokussierung auf künstliche Intelligenz (KI), planetare Diplomatie, Klimaresilienz und Quantentechnologien geprägt. 
4 Minuten
15. Apr 2026
Steuerfahnder führen Razzia bei Herweck durch
Bei der Herweck AG haben Behörden Geschäftsräume durchsucht. Hintergrund sind Ermittlungen wegen mutmasslichen Umsatzsteuerbetrugs bei Geschäftspartnern des Distributors. Herweck kooperiert nach eigenen Angaben mit den Behörden.
2 Minuten
14. Mai 2026
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige